Zöliakie Test – Diagnostik der Glutenallergie

Glutenunverträglichkeit, auch Zöliakie genannt, ist eine Erkrankung, die rund 1 % der Menschen in Deutschland betrifft. Die Krankheit bleibt unerkannt, wenn kein Arzt aufgesucht wird. Dadurch wird der Verdauungstrakt des Betroffenen geschädigt. Um Langzeitschäden zu vermeiden ist es besonders wichtig, Zöliakie mit einem geeigneten Zöliakie Test und Diagnostikverfahren zu erkennen und zu behandeln.

Zöliakie Test Toastscheibe Glutenfrei

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019 um 12:17

Zöliakie Test – Warum muss Zöliakie rechtzeitig erkannt werden?

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, vollständig symptomfrei zu leben. Bei der Zöliakie reagiert der Patient mit Entzündungen der Darmwände auf das für viele Menschen harmlose Pflanzeneiweiß Gluten. Durch die Entzündung kommt es zu Veränderungen der Darmwand.

Mit jedem Tag, an dem ein Patient mit Glutenunverträglichkeit weiterhin Gluten zu sich nimmt, bleibt die Entzündung bestehen. Betroffen ist vor allem der Dünndarm. Die Oberfläche der Schleimhaut im Dünndarm wird durch viele kleine Zotten vergrößert. Die Darmzotten sind für die Aufnahme der lebenswichtigen Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei verantwortlich.

Bleibt die Entzündung im Dünndarm, sterben Zellen der Innenwand ab. Die Zotten bilden sich zurück und verkümmern. Dieser degenerative Prozess hat zur Folge, dass der Organismus immer schlechter Vitamine, Spurenelemente und andere Nährstoffe aufnehmen kann. Nach und nach wird der Körper immer schlechter versorgt und dadurch entstehen Mangelerscheinungen.

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Zöliakie Test – Diese Verfahren gibt es

Die Ärzte sind in Bezug auf Zöliakie geschult, eine schnelle Diagnose ist möglich. Wenn Sie einen Verdacht auf Glutenunverträglichkeit haben, sollten Sie Spezialisten aus dem Bereich aufsuchen. Dazu gehören Internisten, Gastroenterologen und funktionelle Mediziner. Anzeichen für eine Zöliakie würde aber auch der Hausarzt erkennen und diagnostische Schritte einleiten.

Anamnese – Das Gespräch mit dem Arzt

Es ist wichtig, dass Sie achtsam mit Ihrem Körper umgehen und darauf achten, ob nach der Nahrungsaufnahme Symptome auftreten.

Wenn Sie an unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Nervosität, depressiven Verstimmungen, einem anfälligen Immunsystem und anderen Anzeichen leiden, kann es sich um eine Zöliakie handeln. Auch Durchfall oder Blähungen können mit Gluten zusammenhängen.

Die Anamnese gehört zu den wichtigsten Verfahren in der Zöliakie-Diagnostik. Es werden Ernährungsgewohnheiten, familiäre Disposition, Vorerkrankungen, Symptome, andere Krankheiten, Medikation, persönliche Lebensumstände und vieles mehr abgefragt. Scheuen Sie sich nicht, möglichst viel zu erzählen, auch wenn es Ihnen nicht wichtig erscheint.

Wenn Sie beobachtet haben, dass bestimmte Symptome nach der Einnahme von Getreide oder getreidehaltigen Lebensmitteln auftreten, teilen Sie dies Ihrem Arzt mit.

Selbstbefragung: Der Zöliakie Test für Zuhause

Bevor Sie zum Arzt gehen, können Sie sich selbst einige Fragen stellen. Nutzen Sie diese bitte nicht zur Selbstdiagnostik. Die Fragen dienen vor allem dazu, sich auf das Arztgespräch vorzubereiten. Folgende Fragen können Anhaltspunkte für ein Arzt-Patienten-Gespräch sein:

  • Ernähre ich mich viel von Getreide?
  • Habe ich eine gut funktionierende Verdauung? (Regelmäßigkeit, Menge, keine Bauchschmerzen oder Blähungen, keine Durchfälle)
  • Spüre ich eine Veränderung, wenn ich Nudeln, Brot oder andere glutenhaltige Lebensmittel esse?
  • Verspüre ich Zöliakie Symptome nach dem Konsum von Bier?
  • Geht es mir besser oder anders, wenn ich lange kein Getreide zu mir nehme?
  • Leide ich an Krankheiten wie Diabetes Mellitus Typ I, der Schilddrüsenerkrankung Hashimoto, Schuppenflechte, Pusteln auf der Haut oder Neurodermitis?
  • Leide ich an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Fühle ich mich oft unruhig, nervös, schlecht gelaunt oder abgeschlagen?
  • Habe ich Probleme mit den Zähnen und dem Mundraum – trotz sorgfältiger Hygiene? (Zahnverfärbungen oder Mundfäule)
  • Habe ich Gelenkschmerzen, Knochenschmerzen, Bewegungsprobleme oder Osteoporose?
  • Bin ich anfällig für Infekte?
  • Geht es mir unmittelbar nach der Mahlzeit schlechter?
  • Fühlt sich nach einer glutenhaltigen Mahlzeit mein Kopf wirr an, sind meine Gedanken wie „vernebelt“?

Notieren Sie sich die Antworten und prüfen Sie diese immer wieder. Auch wenn Sie keine Symptome aufweisen, kann dieser Test Ihnen mehr Achtsamkeit für Ihren Körper und Ihre Ernährung verschaffen.

Blutuntersuchung zur Zöliakie Diagnostik

Eine Blutuntersuchung wird immer für den Test vorgenommen, um die Diagnose Zöliakie zu sichern. Es werden drei Werte ermittelt, die für eine Diagnose wichtig sein. Dazu gehören folgende:

  1. Ermittlung des tTG-AK Wertes

Der erste Test zur Diagnostik von Zöliakie über die Blutuntersuchung ist die Ermittlung der Tissue-Transglutaminase-Antikörper. Wenn die spezifischen Antikörper vom Typ IgA nachgewiesen werden können, ist es ein Anzeichen für die Glutenunverträglichkeit. Für diesen Zöliakie Test wird das ELISA Verfahren angewandt. Der ELISA Test gilt als ein sehr sicheres, sensitives, nicht invasives Verfahren [1].

  1. Ermittlung des EMA-IgA Wertes

Rund 90 % der Betroffenen zeigen ein positives Ergebnis beim Nachweis der endomysialen Antigene. Bei diesem Zöliakie Test untersucht man die Autoantikörper gegen Gluten im Endomysium (ein bestimmter Teil der quergestreiften Muskeln). Je höher der Wert, desto fortgeschrittener ist die pathologische Veränderung im Darm.

Bei der Zöliakie atrophieren (verkümmern) die Darmzotten, die für die Nährstoffaufnahme im Darm notwendig sind. Ein hoher EMA-IgA Wert bedeutet, dass die Darmzotten stark atrophiert sind.

  1. Ermittlung des DGP-IgG Wertes

Neben den beiden oben genannten Bluttests wird in einigen Fällen noch ein dritter Wert ermittelt. Hier werden Gliadin-Antikörper ermittelt. Dieser Test wird in der Regel nur bei Erwachsenen durchgeführt und hat alleine keine eindeutige Aussagekraft.

Biopsie – Der Zöliakie Test des Gewebes

Die Biopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe, ist ein wichtiger Teil in der Zöliakie Diagnostik. Der Test wird nach den Bluttests vorgenommen, um die Diagnose zu sichern. Aus dem Dünndarm werden mehrere kleine Gewebeproben entnommen. Diese werden anschließend auf Entzündungszeichen, Immunzellen und eine mögliche Verkümmerung der Darmzotten untersucht. Vorhandene Entzündungen im Gewebe sprechen für die Zöliakie.

Zöliakie_Kriterien_Marsh-Kriterien (c) Wikipedia
Bei Zöliakie sind die Darmzotten bereits sehr stark zurückgegangen (Atrophisch) und die darunterliegende Schleimhaut von Immunzellen infiltriert. Wichtig bei jedem Zöliakie Test und sicheres Zeichen für ein Vorliegen der Krankheit. Bild: „Diagramm zur Veranschaulichung der verschieden Stadien (Marsh-Kriterien) einer Zöliakie/Sprue“ von andreas06. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Entnahme der Gewebeproben für einen Zöliakie Test wird vor allem bei erwachsenen Menschen vorgenommen. Das Verfahren findet während einer Magen-Dünndarmspiegelung statt. Für eine aussagekräftige Untersuchung im Labor müssen mehrere Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen des Dünndarms entnommen werden.

Atemlufttest

Mithilfe von Xylose kann ein Atemlufttest vorgenommen werden. Der Patient muss hierfür eine Lösung mit Xylose trinken. Bei einer physiologischen Funktion des Darms wird es unproblematisch aufgenommen, der Test würde entsprechend negativ ausfallen. Wenn der Darm bereits in der Aufnahmefähigkeit beeinträchtigt ist, kann ein Anstieg von Wasserstoff in der Atemluft gemessen werden.

Dies kommt durch Bakterien im Darm zustande. Die nicht aufgenommene Xylose wird von Bakterien belagert. Die Gärprozesse, die dabei entstehen, erhöhen die Menge des Wasserstoffs in der Atemluft. Der Atemlufttest mit Xylose wird nicht immer angewendet, da nach den vorherigen Schritten die Diagnose in der Regel schon feststeht.

Differenzialdiagnostik – Andere Krankheiten ausschließen

Um die Diagnose zu sichern, müssen andere Krankheiten ausgeschlossen werden, die mit einer ähnlichen Symptomatik einhergehen. Folgende Erkrankungen können den Symptomen zugrunde liegen und den Verdacht auf die Zöliakie wecken:

  • Diverse Unverträglichkeiten und Allergien (z. B. Laktose, Fructose, Sorbit, Histamin, Soja, …)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa)
  • AIDS
  • Zystische Fibrose (Mukoviszidose)
  • Pankreasinsuffizienz
  • Folge von einer Therapie bei onkologischen Behandlungen (Zytostatika)
  • Defekte im Immunsystem
  • Infektionen des Magen-Darm-Traktes
  • SIBO
  • Leaky Gut Syndrom
  • Enzymdefekte

Ausschlussdiät

Neben den genannten Diagnostikverfahren machen Menschen auch von einer Ausschlussdiät Gebrauch. Dabei werden alle glutenhaltigen Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen. Eine Verbesserung kann sich rasch einstellen, dies kann aber verschiedene Ursachen haben, wie bei der Differenzialdiagnostik beschrieben.

Eine Ausschlussdiät muss über mehrere Wochen erfolgen. Dabei ist es wichtig, auch Nahrungsmittel mit verstecktem Gluten zu ermitteln und auf diese zu verzichten. In folgenden Lebensmitteln kann sich verstecktes Gluten befinden:

  • Diverse Süßigkeiten
  • Fertiggerichte
  • Knabbereien (Chips, Erdnüsse, Salzstangen)
  • Soßen
  • Eiscreme
  • Suppen
  • Gewürze & Gewürztüten
  • Softdrinks
  • Aufstrich (Marmelade, Schokoaufstrich)
  • Eingelegtes Gemüse
  • Desserts wie Pudding, Joghurt etc.
  • Mayonnaise
  • Ketchup
  • Essig
  • Senf
  • Kartoffelprodukte (Pommes, Kroketten, Rösti, Kartoffelpuffer)
  • Wurst

Eine Ausschlussdiät kann auch ohne eine deutliche Verbesserung der Symptome erfolgen. Eine Ursache dafür könnten Ko-Morbiditäten sein. Diese können sich neben der Zöliakie entwickeln und starke Symptome hervorrufen, die nicht mehr mit Gluten in Verbindung stehen.

Ärztlichen Rat einholen und Ko-Morbiditäten abklären

Rund 5-10 % der Patienten mit einer Glutenunverträglichkeit entwickeln ebenso Diabetes Mellitus Typ I. [2] Auch können Neurodermitis [3], Psoriasis [4] oder Hashimoto [5] auftreten. Eine Disposition für Autoimmunerkrankungen ist deutlich zu erkennen.

Es wird empfohlen, eine Zöliakie unbedingt ärztlich abklären zu lassen. Vor allem, wenn Ko-Morbiditäten (Begleiterkrankungen) bestehen oder es sich um ein anderes Krankheitsbild handelt, ist eine ärztliche Intervention wichtig. Besprechen Sie alle Schritte, auch die Ernährungsumstellung, mit Ihrem Arzt.

Die Diagnostikverfahren sind sehr sicher, in der Regel wird eine Zöliakie unproblematisch festgestellt.

Fazit – Zöliakie Test im Überblick

Ein Zöliakie Test baut auf dem Gespräch mit einem Arzt auf und kann durch Bluttests, Atemtests und Darmbiopsien weiter bestätigt werden. Das Auftreten typischer Zöliakie Symptome wird in den meisten Fällen beobachtet.

Die Krankheit wird zu den Autoimmunerkrankungen gezählt und betrifft deutschlandweit etwa eine Million Menschen. Sie ist die bis dato einzige Autoimmunerkrankung, der eine definitive Ursache zugeordnet werden kann (Gluten). Entsprechend „leicht“ ist sie behandelbar, sofern Gluten in der Ernährung konsequent gemieden wird.

Würden Sie gerne etwas ergänzen oder fragen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Quellenverzeichnis
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Anny ist eine examinierte Ergotherapeutin (Staatsexamen Schwerin, 2015) mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Neurophysiologie, Motorik sowie psychosozialen Behandlungsverfahren. Mit dem Einsatz des Therapiehundes begleitete sie in einer interdisziplinären Arbeit unter anderem Klienten mit verschiedensten Autoimmunerkrankungen. Eine empathische und professionelle Kommunikation war die tägliche Herausforderung der Therapeutin. Aus diesem Grund liegt es Anny besonders am Herzen, medizinische Inhalte nicht nur fachlich kompetent, sondern auch verständlich und unkompliziert den Lesern zu vermitteln.

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