Was bedeutet der TSH-Wert?

Der TSH-Wert ist standardmäßig auf fast jedem Blutbild zu sehen. Bei metabolischen Erkrankungen, besonders aber bei Erkrankungen der Schilddrüse, wird dem TSH-Wert besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Doch was bedeutet der TSH-Wert wirklich, was ist seine Funktion, welche Referenzwerte sind im Normbereich, und was beeinflusst den TSH-Wert?

TSH-Wert

Was ist der TSH-Wert?

TSH ist eine Abkürzung und steht für thyreoidea-stimulierendes Hormon, zu Deutsch: Schilddrüsen-stimulierendes Hormon. TSH (auch Thyreotropin genannt) ist ein Hormon, das in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) produziert wird und die Schilddrüse dazu stimulieren soll, aktive Schilddrüsenhormone zu produzieren. Theoretisch bedeutet ein hoher TSH-Wert auch eine höhere Stimulation für die Schilddrüse.

In der Praxis unterliegt TSH Schwankungen und wird von vielen anderen Faktoren beeinflusst. Etwas verständlicher wird es, wenn der Bildungsweg genauer betrachtet wird:

TSH-Wert, Schilddrüsenhormon
Abbildung. Produktion der wichtigsten Schilddrüsenhormone. Ausgehend von einem Nahrungssignal (Insulin) wird das Sättigungshormon Leptin gebildet. Dies führt nachts in der Hypophyse zur Ausschüttung von TSH, aus dem in der Schilddrüse zuerst fT4, dann in der Leber das aktive Schilddrüsenhormon fT3 gebildet wird. Stress führt zur Inaktivierung von fT3 in rT3. Im Normalfall hemmt ausreichend gebildetes fT3 durch negative Rückkopplung die weitere Bildung von TSH und verhindert so einen zu hohen Anstieg des TSH-Wertes.

Die wichtigste Stelle in der Abbildung ist die, dass der TSH-Wert einer negativen Rückkopplung unterliegt: Aktives fT3 (Trijodthyronin) hemmt in der Hypophyse die Bildung von weiterem TSH. Daher bedeutet in der Praxis ein niedriger TSH-Wert einen hohen fT3 Wert und somit eine aktive Schilddrüse.

Liegen Schwierigkeiten oder Mangelzustände in diesem Signalweg vor und wird kein fT3 gebildet, welches die TSH-Bildung in der Hypophyse hemmen kann, steigt der TSH-Wert weiter an. Daher wird ein hoher TSH-Wert mit einer niedrigen Schilddrüsenaktivität, einer Schilddrüsenunterfunktion, in Verbindung gebracht.

Eine weitere wichtige Funktion von TSH ist die Anregung der Schilddrüse zum Wachstum. Ein niedriger fT3-Spiegel soll so durch eine größere Schilddrüse kompensiert werden. Daher kommt es bei Menschen mit einer chronischen Schilddrüsenunterfunktion auch zum charakteristischen Kropf – einer stark gewachsenen Schilddrüse aufgrund eines dauerhaft erhöhten TSH-Wertes.

TSH-Wert, Schilddrüsenhormone
Graphische Darstellung der Schilddrüsen-Achse: Das Hormon TRH aus dem Hypothalamus gibt der Hypophyse abhängig von der Tageszeit den Befehl, TSH zu bilden. TSH wirkt auf die Schilddrüse wie ein Wachstums- und Stimulationshormon und bewirkt die Bildung von fT4 und fT3 sowie Calcitonin (Nebenschilddrüse).

Welcher TSH-Wert ist normal?

Der Referenzbereich für den TSH-Wert ist sehr breit und veraltet. In der modernen Medizin wird dann TSH-Wert von 0,27-4,2 mIU/l als normal angesehen.

Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrung haben jedoch gezeigt, dass ein TSH-Wert von mehr als 2 bereits eine Schilddrüsenunterfunktion entspricht und der Referenzbereich daher von 0,27-2,0 eingegrenzt werden sollte.

Welcher TSH-Wert bei Überfunktion?

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es zu einer erhöhten Bildung von fT3, dem aktiven Schilddrüsenhormon, und einer stärkeren Rückkopplung gegenüber TSH. Ein TSH-Wert von weniger als 0,27 mIU/l entspricht daher einer Schilddrüsenüberfunktion, sollte jedoch zeitgleich mit dem fT3 Wert abgeglichen werden.

Denn für die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion reicht ein sehr niedriger TSH-Wert nicht aus: Der fT3 Wert (Referenzbereich bis 4-4,4 pg/ml) sollte ebenfalls erhöht sein, damit man von einer Überfunktion sprechen kann.

Welcher TSH-Wert bei Unterfunktion?

Wesentlich häufiger als eine Schilddrüsenüberfunktion kommt in unserer Gesellschaft eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit einer Prävalenz von etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland vor. Die Schilddrüse produziert (durch verschiedene Ursachen begünstigt) nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone und im Blut wird ein erniedrigter fT3-Wert (<3 pg/ml) festgestellt.

An dieser Stelle sollte daran erinnert werden, dass 80 % des fT3 es nicht in der Schilddrüse, sondern in der Leber und in der Peripherie des Körpers gebildet wird. Die Schilddrüse ist hauptsächlich für die Bildung von fT4 zuständig. Da fT3 jedoch teilweise in der Schilddrüse gebildet wird und das in der Peripherie gebildete fT3 weit reichende Wirkung auf die Schilddrüse auswirkt, spricht man vereinfacht von einer Schilddrüsenunterfunktion, wenn auch der fT3 Wert erniedrigt ist. Denn fT3 ist das aktive Schilddrüsenhormon und in seiner Wirkungsweise etwa 20-mal aktiver als fT4.

Die Schulmedizin spricht bei einem TSH-Wert von mehr als 4,2 mIU/l von einer Schilddrüsenunterfunktion. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und die Praxis haben jedoch gezeigt, dass man bereits bei einem TSH-Wert von 2,0 von einer Schilddrüsenfunktion sprechen kann.

Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist Hashimoto Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Immunzellen greifen dabei körpereigene Zellen der Schilddrüse an, beschädigen sie, und es kommt zu einer vermehrten Bildung von Schilddrüsenhormonen, einer Schilddrüsenunterfunktion.

Während eines akuten Hashimoto Schubs werden TSH Werte von bis zu 15 mIU/l beobachtet, was für eine sehr starke Unterfunktion der Schilddrüse und eine mangelhafte Bildung von Schilddrüsenhormonen spricht.

Welcher TSH-Wert in der Schwangerschaft?

Hier gibt es keine allgemeingültige Antwort, da jede Frau ein wenig anders auf die Schwangerschaft reagiert. Es ist bereits vorgekommen, dass es in der Schwangerschaft zu einer Überfunktion, jedoch auch zu einer Unterfunktion kam.

In den meisten Fällen verringert sich der TSH-Wert während der Schwangerschaft, besonders zwischen der 4. und der 12. Schwangerschaftswoche. Das liegt daran, dass das TSH-Hormon dem hCG-Hormon, welches während der Schwangerschaft gebildet wird, ähnelt. Das hCG-Hormon kann daher auch an den TSH-Rezeptor der Schilddrüse binden und dessen Aufgabe teilweise übernehmen.

Durch die negative Rückkopplung kommt es infolgedessen zu einer Reduktion des TSH-Wertes in der Schwangerschaft. Dies ist nicht auf alle Frauen anwendbar, jedoch der weitaus häufigste Fall.

Es empfiehlt sich daher, bei einem Kinderwunsch wichtige Schilddrüsenparameter (auch den TSH-Wert) messen zu lassen. Ganz besonders, wenn Probleme mit der Schilddrüse vorliegen oder in der Vergangenheit vorgelegen haben.

Was beeinflusst den TSH-Wert?

Die vereinfachte Darstellung von TSH besagt, dass dieser lediglich von fT3 abhängt. Bei einer Unterfunktion wird nur wenig fT3 gebildet, und der TSH-Wert steigt an. Und andersherum.

In der Realität hat TSH jedoch noch andere Funktionen und Einflussfaktoren:

So ist TSH nötig, um das für die Schilddrüsenhormone wichtige Jod in die Schilddrüse aufzunehmen. Wird dem Körper über die Ernährung oder über Nahrungsergänzung vermehrt Jod zugeführt, kann der TSH-Wert daher bis zu neun Monate lang erhöht sein. Dies zeigt, dass der Körper über TSH Jodrezeptoren bildet, um dieses in der Schilddrüse zu binden.

Weiterhin ist die komplette Signalkaskade der Schilddrüsenhormone nicht nur von TSH, sondern auch von diversen Nährstoffen abhängig. Fehlen diese Nährstoffe, wird die Kaskade unterbrochen, und es kommt zu einer durch Nährstoffmangel herbeigeführten Schilddrüsenunterfunktion.

Der bekannteste dieser Nährstoffmängel ist ein Jodmangel, der in küstenfernen Regionen der Welt bis vor kurzem (bis es jodiertes Speisesalz gab) zum charakteristischen Kopf führte. Ein absoluter Jodmangel führt daher zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Ebenso sind Eisen, Zink, Selen und die Aminosäure Tyrosin wichtig, um über verschiedene Stufen fT3 zu bilden. Liegt von diesen wichtigen Nährstoffen zu wenig vor, kann es ebenso zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen.

Für den geübten Blick und bei Vorliegen der Schilddrüsenparameter TSH, fT4, fT3 sowie Zink, Eisen und Selen im Vollblut kann abgeschätzt werden, in welcher Stufe die Bildung der Schilddrüsenhormone unterbrochen wurde, und welcher Nährstoffmangel vorliegt. So ist ein sehr hoher fT4- und ein sehr niedriger fT3-Wert charakteristisch für einen Selenmangel.

Zu guter Letzt sollte noch Stress genannt werden: Psychischer und physischer Stress führen zu einer Inaktivierung von fT3 zu rT3 (reverses fT3) und damit zu einer Erhöhung von TSH. Auch dieses Phänomen, aufgrund einer stressreichen Lebensführung, sollte mit in die Gleichung aufgenommen werden.

Wie schnell reagiert der TSH-Wert?

Wird infolge einer veränderten Ernährung vermehrt Jod zugeführt, oder ändern sich andere wichtige Parameter in der Ernährung wie eine Ernährungsumstellung, kann es zu einer vorübergehenden Erhöhung des TSH-Wertes kommen. Dieser kann bis zu neun Monate erhöht vorliegen und sollte nach dieser Zeit erneut gemessen werden, zusammen mit den anderen wichtigen Schilddrüsen-Werten.

Bei einer akuten Schilddrüsenunterfunktion durch Nährstoffmangel oder einer Entzündung, wie sie bei Hashimoto Thyreoiditis vorliegt, kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einer starken Erhöhung des TSH-Wertes. Dann sollte ein großes Blutbild mit allen wichtigen Schilddrüsenparametern sowie die Schilddrüsenantikörper (TRAK, TPO-AK, TG-AK) vorgenommen werden, um zu überprüfen, ob Hashimoto vorliegt.

Bewegt sich der TSH-Wert dauerhaft in einem sehr niedrigen Bereich, sollte eine Untersuchung hinsichtlich Morbus Basedow in Erwägung gezogen werden. Charakteristisch für Morbus Basedow ist ein sehr niedriger TSH-Wert und ein erhöhter TRAK-Wert. Bei Morbus Basedow kommt zur Bildung von Autoantikörpern gegen den TSH-Rezeptor, dies kann als TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) im Blutbild detektiert werden.

Mithilfe unseres Schilddrüsenrechners können Sie Ihre Hormonwerte überprüfen und in Relation setzen. Sollten Sie infolge einer Hashimoto Diagnose auf unsere Seite gekommen sein, so können wir Ihnen den Übersichtsartikel über Hashimoto Thyreoiditis sehr empfehlen. Dort finden Sie übersichtlich alles Wichtige, was Sie über Hashimoto Thyreoiditis wissen sollten.

Wie sind Ihre Erfahrungen und Meinungen zum TSH-Wert? Würden Sie gerne etwas ergänzen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

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Quellenverzeichnis

Bildquellen: (c) Depositphotos @marina_ua, designer491

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