Wie wird Reizdarm diagnostiziert? Die Antwort findest du hier!

Reizdarm Diagnose - Diagnosekriterien, Ablauf

Zuletzt aktualisiert am 27. April 2019 um 8:50

Sie haben an sich ein paar für Reizdarmsyndrom übliche Reizdarm Symptome beobachtet. Diese Probleme schleppen Sie nun schon länger mit sich herum und wollen endlich wissen, was dahinter steckt. Sie möchten eine mögliche Reizdarm Diagnose abklären und besuchen dazu den Arzt Ihres Vertrauens.

Erfahren Sie hier mehr, was für eine Reizdarm-Diagnose nötig ist, wie sie abläuft und worauf zu achten ist.

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Reizdarm – was ist das?

Unter Reizdarm versteht man verschiedene Symptome, die zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität und zu anhaltenden Problemen im Magen-Darm-Trakt führen. Genauer handelt es sich um eine funktionelle Störung im Darm, die verschiedene Ursachen haben kann.

Die Reizdarm-Symptome können von allgemein bis zu spezifisch sein und bei den meisten Betroffenen ist eines der folgenden Symptome sehr dominant: Blähung, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen.

Eines dieser Symptome ist sehr dominant und erlaubt erste Hinweise. Dazu gesellen sich allgemeine Reizdarm Symptome, die den Verdacht Reizdarm noch weiter erhärten.

Zehn Millionen Menschen leiden schätzungsweise in Deutschland unter Reizdarmsyndrom. Die meisten jahrelang, bis sie sich helfen oder helfen lassen. Bis sie den richtigen Arzt finden, eine Diagnose erhalten, die Reizdarm Ursachen erkennen und nach einer Ernährungsumstellung (siehe Reizdarm Ernährung) die Probleme endlich verschwinden.

Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Behandlung sind Sie: Es ist Ihr Körper! Es ist Ihre Verantwortung zu handeln! In diesen und anderen Beiträgen erhalten Sie wertvolle Informationen, wie Sie das Problem Reizdarm ein für alle Mal aus der Welt schaffen.

Wie läuft die Reizdarm-Diagnose nun also ab und wer diagnostiziert Reizdarm?

Wer diagnostiziert Reizdarm?

Die Ärzte, die sich damit am besten auskennen und Ihnen am wahrscheinlichsten weiterhelfen können, sind Hausärzte, Gastroenterologen, Internisten oder funktionelle Mediziner. Ihr Wissen, ihre Instrumente und Methodik sind ausreichend für eine mögliche Reizdarm-Diagnose.

Die Diagnose Reizdarm ist anders als bei anderen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt oder gar bei Autoimmunerkrankungen:

Was macht die Diagnose bei Reizdarm besonders?

Bei der Reizdarm Diagnose handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. Es gibt keinen einzigartigen Antikörper und kein einzigartiges Krankheitsbild, das dem Reizdarm eindeutig zugeordnet werden kann. Das unterscheidet Reizdarm von anderen systemischen Erkrankungen.

Die Reizdarm Diagnose läuft also so ab, dass der Arzt nach und nach bestimmte Erkrankungen und Krankheitsbilder ausschließt. Am Ende wird er mittels dreier Kriterien dann feststellen, ob es wirklich Reizdarm ist. Wenn es nichts anderes sein kann und die Symptome fortbestehen, dann ist es in der Regel Reizdarm.

Und da Reizdarmsyndrom so häufig in Deutschland ist (Zehn Millionen Erkrankte), die Diagnose aber schwer sein kann, ist der heutige Beitrag so wichtig.

Reizdarm Diagnose Ablauf

1. Anamnese

Der Arzt nimmt sich ein paar Minuten für Sie Zeit  und befragt Sie ausführlich. Berichten Sie wahrheitsgemäß, ausführlich und auf den Punkt. Ein Symptomtagebuch hilft in der Regel, damit sich der Arzt einen besseren Überblick verschaffen kann. Er wird auf folgende Dinge achten:

Ausgehend von der Anamnese geht es dann zur körperlichen Untersuchung:

2. Körperliche Untersuchung

Mittels Stethoskop-Abhörung an verschiedenen Bauchregionen, Fingerklopfen und Drucktest am Bauch macht sich der Arzt einen Überblick, wie der Darm beschaffen und befüllt ist.

  • An welchen Stellen sind die Schmerzen lokalisiert? Gibt es lokale Blähungen, Versteifungen oder andere Auffälligkeiten?
  • Gibt es an einigen Stellen besonders viel Gas, eine Verdickung oder Verstopfung?

All dies gibt weitere wichtige Hinweise. Danach geht es weiter zum Stuhltest:

3. Stuhltest

Das klingt natürlich eklig. Der Stuhl gibt jedoch wie schon gesagt wichtige Hinweise über Beschaffenheit der Darmflora und des Magen-Darm-Traktes.

Speziell mit dem Stuhl können ein mögliches Ungleichgewicht in der Darmflora, Blut im Stuhl und Immunzellen nachgewiesen werden. Besonders beim Vorliegen von Blut und Immunzellen ist die Ursache dann nicht mehr Reizdarm, sondern wahrscheinlich Leaky Gut Syndrom oder andere teils schwerwiegendere Probleme.

Ein Ungleichgewicht in der Darmflora ist ein häufiger Grund für Darmprobleme, da die kleinen Helferlein im Darm einen großen Einfluss auf die Gesundheit haben.

Ein Ungleichgewicht in der Darmflora ist jedoch in der Regel leichter zu behandeln als etwa Leaky Gut Syndrom & Co.

4. Nahrungsunverträglichkeiten

Bei allergischen Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel liegt eine chronische Entzündung im Darm vor. Hier liegt ebenfalls eine bedeutende Ursache hinter den Darmproblemen. Auch dieser Punkt kann leicht angegangen werden.

Jedoch ist es nicht allzu leicht, einen Arzt zu finden, der einen ausführlichen Test auf Nahrungsmittel durchführt. In der Regel macht nur der HNO-Arzt einen Stichtest mit verschiedenen Pollen, Gräsern und Tierhaaren. Nahrungsmittel werden jedoch in der Regel außen vorgelassen.

Dabei sind Nahrungsmittel ebenfalls eine bedeutende Ursache für Darmprobleme und Unverträglichkeiten sind sehr verbreitet. Fast jeder Mensch leidet an einer oder mehreren Nahrungsunverträglichkeiten. Sie sind nicht immer so offensichtlich wie eine Erdnussallergie und können chronisch-schleichend Ihre Gesundheit und Lebensqualität sabotieren.

Lassen Sie daher einen ausführlichen Nahrungsmittel-Unverträglichkeitstest durchführen. Sollte der Arzt sich dagegen wehren, können Sie auch in Eigenregie einen Test aus dem Internet bestellen, durchführen und abschicken. Der von Lykon (Kostenpunkt 100 €) ist dabei in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar.

5. H2-Atemtest

Liegt eine Fehl- oder Überbesiedlung des Dünndarms vor, kann dies mit einem Atemtest nachgewiesen werden. Denn entweder nüchtern oder nach Zugabe einiger Zucker, die üblicherweise nicht verstoffwechselt werden, ist ein erhöhter Anteil von Methan oder Wasserstoff in der Atemluft nachweisbar. Dies kommt durch die Vergärung dieser Zucker durch im Dünndarm vorliegende Mikroorganismen, die dort eigentlich nicht sein sollten.

Dieser Punkt ist wichtig, um SIBO auszuschließen.

6. Laktulose-Mannitol-Test

Diese zwei Zucker werden üblicherweise nicht vom Darm in den Körper aufgenommen. Liegen jedoch Löcher in der Darmwand (Leaky Gut Syndrom) vor, so sind diese Zucker bereits nach zwei bis drei Stunden im Urin nachweisbar.

Was bedeutet, dass diese Zucker über Löcher in der Darmwand in den Körper gelangen konnten und dann im Urin landen. Der Körper verstoffwechselt sie nicht.

7. Bluttest

Bei Verdacht auf Zöliakie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn) wird das Blut auf diverse Entzündungsmarker und Antikörper untersucht.

Bei diesen drei Krankheiten liegen eindeutige Antikörper vor, die erkannt werden können. Die Entzündungsmarker HS-CRP, TNFα und diverse Interleukine zeigen dabei verlässlich, wo das Problem liegen könnte.

8. Ultraschall

Liegt hinter den Darmproblemen vielleicht ein Problem eines anderen, eng benachbarten Organs? Liegt vielleicht eine Entzündung der Leber, eine Störung der Gallenblase, Niere, Pankreas oder gar eine verdickte Darmwand vor? Das ist im Ultraschall sichtbar und manchmal sind es andere Organe, die auf den Darm „drücken“ und Schmerzen verursachen.

Über einen Ultraschall kann der Arzt dies feststellen.

9. Darmspiegelung

An diesem Punkt hat der Arzt (und auch Sie) einen guten Überblick über Ihren Körper und Darm erhalten. Verschiedene Beschwerdebilder konnten bis hierher ein- oder ausgeschlossen werden.

Eine Darmspiegelung ist ein aufwendiges und kostspieliges Unterfangen, das der Arzt nur bei konkretem Verdacht anwendet. Eine Darmspiegelung zeigt ebenfalls, ob es sich um größere Probleme wie Geschwüre oder eine chronische Entzündung handelt.

Wird eine Darmspiegelung angewandt, gibt sie wertvolle Informationen preis:

Chronische Darmentzündungen, Geschwüre, Leaky Gut und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können exakt ausgemacht oder ausgeschlossen werden.

Nach diesen Schritten ist das Vorgehen des Arztes üblicherweise abgeschlossen. Anhand folgender Kriterien wird er oder sie dann, wenn alle Alternativen ausgeschöpft sind, die Ausschlussdiagnose Reizdarmsyndrom stellen:

Diagnosekriterien Reizdarm

Nach der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Verdauung- und Stoffwechselkrankheiten) wird der Arzt die Diagnose Reizdarm stellen, wenn folgende Punkte erfüllt sind:

  • Chronische Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung. Einer der vier Typen ist dominant, die anderen können jedoch auch auftreten.
  • Beeinträchtigung in der Lebensqualität durch die Symptome.
  • Keine charakteristischen Symptome und Diagnose anderer Erkrankungen wie in der mehrschrittigen Vorgehensweise beschrieben.

Ein Faktor, der bei der Beobachtung der Reizdarm Symptome und als Teil der Reizdarm-Diagnose häufiger genannt wird, ist Blut im Stuhl. Da sich hier schwerwiegende Erkrankungen verstecken könnten, empfehle ich, den hinterlegen Artikel zu lesen und einen Arzt aufzusuchen.

Diagnose Reizdarm – was tun?

Wenn der Arzt nun die langersehnte Diagnose stellt, ist es zuerst ein Schock, aber auch eine Erleichterung für die Betroffenen. Die jahrelange Odyssee durch verschiedene Arztpraxen hat endlich ein Ende. Jedoch bedeutet es auch, dass das Kind nun einen Namen hat.

Sie sind nicht alleine mit dem Problem, da schätzungsweise zehn Millionen Menschen in Deutschland am selben Krankheitsbild wie Sie leiden. Und wenn die Ursachen erkannt wurden und die Behandlung gut anschlägt, sind die Aussichten für Betroffene sehr gut. Innerhalb weniger Monate sind die Symptome in der Regel komplett verschwunden, wenn die Auslöser richtig angegangen werden.

Dazu ist es jedoch auch wichtig, dass Sie wissen, dass Sie selbst der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Behandlung sind. Die Behandlung ist sehr individuell und es gibt kein Schema F, nach dem der Arzt nach der Diagnose vorgehen kann. Achten Sie daher sowohl auf die ärztlichen Anordnungen als auch eine geeignete Reizdarm-Ernährung und speziell bei Ihrem Typ Reizdarm.

Dann haben Sie auch die besten Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung.

Fazit – Symptome erkennen richtig diagnostizieren

Bei Reizdarm handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms, der mit schwerwiegenden Einbußen in der Lebensqualität einhergeht. Betroffene schleppen ihre Symptome oft jahrelang mit sich herum und wissen nicht, wo das Problem liegt.

Die Reizdarm-Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose, was bedeutet, dass der Arzt schrittweise andere Krankheiten ausschließt und irgendwann die Reizdarm Diagnose übrig bleibt.

Wenn das geschehen ist, sollten Sie dennoch, auch wenn es keine schwerwiegende Erkrankung ist, keine Zeit verlieren. Kümmern Sie sich umgehend um eine erfolgreiche Behandlung und Ernährungsumstellung (Reizdarm Ernährung oder Paleo Ernährung).

Bekommen Sie einen Überblick über die Erkrankung mit dem Artikel Reizdarmsyndrom.

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2 KOMMENTARE

  1. Vor kurzem wurde bei mir per Zufall ein Schilddrüsenleiden festgestellt. Nach Spezialuntersuchungen muss ich noch keine Medikamnte nehmen.Habe mich seit Dezember teilweise übers Internet viel informiert. Seit Jahren werde ich für meine Bauchschmerzen mit der Diagnose Reizdarm abgespeist.Durch einen Heilpraktikerbesuch wurde jetzt endlich mal mein Stuhlgang untersucht mit der Diagnose Leaky Gut Syndrom. Bin dadurch heute auch auf eure Seite gestossen und finde zu diesem Thema so tolle Beiträge.
    Bin total begeistert von euch. Lerne davon so viel und hoffe, dass ich durch meine eigene Nachforschung jemanden finde, der mir glaubt. Selbst nach einer Darmspiegelung wird man vom Internisten mit Tabletten abgespeist, anstatt mal eine Stuhluntersuchung zu machen.
    Ich bin von dem, was bei mir zu diesem Thema von den Schulmedzinern in den letzten Jahren gemacht wurde , so enttäuscht. Erst durch eigene Nachforschungen und Nachdruck kommt man weiter.
    Zum Glück gibt es Internet und solche wie euch. Macht weiter so.

    Vielen Dank dafür.

    • Hallo Brigitte,
      Danke für das Lob und das tolle Feedback! Genau solche Nachrichten sind es, die uns am meisten motivieren.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

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