Was ist eine postpartale Depression?

Postpartale Depression Frau mit Kind im Hintergrund verschwommen

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019 um 12:22

Eine postpartale Depression (Wochenbettdepression) ist ein Phänomen, das ein Depression-ähnliches Stimmungstief beschreibt, in welches eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes verfällt. Dies entspricht einer echten Depression und sollte auch entsprechend behandelt werden. Doch was ist der Grund für die postpartale Depression, wie entsteht sie und was ist der biologische Sinn und Zweck? Darüber erfahren Sie hier mehr.

Postpartale Depression – Depressionen direkt nach der Geburt

Etwa 10-15 % aller Frauen weltweit erleben dieses Phänomen nach der Geburt eines Kindes: Von einer Woche auf die andere erleben sie tiefe Gefühle von innerer Leere, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Mutlosigkeit und Antriebsarmut, Suizidgedanken, sexueller Unlust, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Schwindel, Schlafstörungen, Ängsten und Panikattacken. Die klassischen Symptome einer Depression.

Doch warum gerade jetzt? Nach der Geburt des Kindes sollte doch alles einfacher und schöner werden, stattdessen reagiert der Körper mit einer Depression!? Betroffene können dies oft nicht nachvollziehen oder verstehen und machen eigene Fehler, den Mann oder sogar das Kind dafür verantwortlich.

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Dabei gibt es heute immer mehr Theorien, was für die postpartale Depression ursächlich ist und wie sie verstehen werden kann:

Wie eine postpartale Depression entsteht – Gängige Thesen

Evolutionäre Ursachen

Evolutionsbiologen argumentieren, dass die postpartale Depression oder Wochenbettdepression ihre Wurzeln in der Evolution des Menschen hat:

So kann es passieren, dass nach der Geburt des Kindes die Stimmung kippt. Dies soll die Mutter auf die körperlichen Änderungen im Körper einstellen, als auch den Elternaufwand reduzieren. Damit ist gemeint, dass die Verantwortung für das Kind anderen Mitgliedern des Stammes (dies ist ein Relikt aus der Steinzeit) übertragen wird, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und der Geburt zu erholen. Auf heute ist diese Theorie freilich nicht übertragbar.

Biologische Ursachen für eine postpartale Depression

Eine sehr gängige und sinnvolle Theorie für die postpartale Depression liegt in der Biologie begründet: Körper und Geist der Frau sind durch die Schwangerschaft und die Geburt erschöpft und brauchen eine Ruhepause. Die Symptome sind also eine direkte Folge der physischen Erschöpfung der Mutter.

Hinzu kommen die physischen Veränderungen am Körper, wie dem Wachstum der Brüste, der Milchproduktion, dem Stoffwechsel, der Verdauung und der Änderung der Hormonspiegel. Durch die Schwangerschaft und Geburt hat sich einiges im Körper verändert, dies läuft nicht immer reibungsfrei ab. Besonders die schwankenden Hormonspiegel können stark abfallen:

So können die Östrogen- und Progesteronspiegel stark abfallen, was erwiesenermaßen zu Schlafstörungen und depressionsartigen Schüben führen kann. Hinzu könnte es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen: Dies ist nicht unüblich, da während der Schwangerschaft die Schilddrüse Sonderschichten getätigt hat, um die Energie für das Wachstum des Kindes zu generieren. Nach der Geburt fallen die Werte stark ab, und es kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen, die die Depression begünstigt. Auch das Ausbrechen von Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto Thyreoiditis oder Morbus Basedow sind nach einer Geburt nicht unüblich.

Psychische Ursachen hinter postpartaler Depression

Psychologen versuchen ebenfalls zu ergründen, was für die Wochenbettdepression verantwortlich ist. So kann es sein, dass tiefer liegende Ängste, Sorgen und Zweifel durch die Geburt des Kindes an‘s Tageslicht geraten und die Frau mit ihren eigenen Ängsten und besonders ihren Versagensängsten konfrontiert wird.

Es kann sein, dass sich die Mutter nach der Geburt des Kindes (Mutter und Kind sind nicht mehr „ein Körper“) unvollkommen fühlt. Ebenso kann die Geburt bedeuten, dass sich die Mutter von dem Kind verabschieden muss. Das ist natürlich nicht der Fall, kann jedoch von der Psyche so interpretiert werden. Entsprechend hat die Mutter Angst, das Kind weggeben zu müssen und zu verlieren. Besonders Frauen mit einem ausgeprägten Kontrollbedürfnis und Perfektionismus sind häufiger davon betroffen.

Eigen- und Selbstwahrnehmung

Auch psychosoziale Ursachen können für die postpartale Depression verantwortlich sein: Besonders bei jungen Müttern kommt es zur Verunsicherung und Verwirrung, da diese häufig nicht wissen, was man von ihnen als Mutter nun erwartet oder was sie selbst von sich erwarten. Es lastet ein großer Druck auf ihnen, sich um das neugeborene Kind zu kümmern und vollumfänglich da zu sein – und sich dabei selbst nicht zu vernachlässigen.

Es kann auch sein, dass sich Mütter überfordert fühlen und der Verantwortung für ein neues Kind nicht gewachsen sind. Die ständige Erreichbarkeit und der Schlafentzug verschlimmern dies weiter.

Was tun bei postpartaler Depression?

Es sind nur Theorien, die versuchen zu erklären, wie eine Wochenbettdepression entstehen könnte. Betroffene sollten auf die Signale ihres Körpers achten und sich Hilfe suchen. Denn nun stehen sie nicht nur in der Verantwortung für den eigenen Körper, sondern auch für das des Kindes. Angehörige, Familienmitglieder und Freunde können Ihnen ebenso beistehen wie professionelle Hilfe:

Psychotherapeuten und Psychosomatik haben sich auf exakt diese Situation eingestellt und können helfen. Häufig ist es für Betroffene der Depression eine große Überwindung, Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl dies eine sinnvolle Lösung wäre.

Einen großen Überblick über Depressionen und Hilfestellungen finden Sie in unserem Übersichtsartikel über Depressionen.

Zusammenfassung – Postpartale Depression im Überblick

Die Wochenbettdepression tritt bei etwa 10-15 % aller Frauen weltweit auf. Es kommt direkt nach der Geburt des Kindes zu einer Depression. Besonders häufig ist dies bei jungen Müttern und jenen, die das erste Mal gebären. Die Mutter kann sich die Depression meist nicht erklären und ist verwirrt, da die Geburt eines Kindes eigentlich eine wunderbare Sache ist.

Es gibt Theorien die zu erklären versuchen, wie die Wochenbettdepression/postpartale Depression entstehen kann. Keine Theorie konnte bisher abschließend bestätigt oder ausgeschlossen werden. Die genannten Theorien geben einen guten Überblick sowie erste Hinweise, warum es zu diesem Phänomen kommt.

Haben Sie Erfahrung mit Wochenbettdepression? Welche Ursachen können Sie sich vorstellen? Welche Theorien halten Sie für sinnvoll, welche für nicht sinnvoll? Wir freuen uns sehr über Ihren Kommentar!

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Quellen
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Martin ist studierter Biochemiker und molekularer Biotechnologe (M.Sc., Technische Universität München) und arbeitete in der klinischen Forschung (Universitätsklinikum Erlangen) beschäftigt an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Martin möchte schwere biologische oder medizinische Themen einfach und verständlich beschreiben und Betroffenen so die Mittel an die Hand geben, wieder mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen. Weitere Beiträge von ihm sind auf den Portalen Primal-State, Edubily, MyProtein, Fairment, Paleolifestyle und SchnellEinfachGesund zu finden.

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