Nahrungsergänzungsmittel für Autoimmunerkrankte

Nahrungsergänzungsmittel Autoimmunerkrankungen

Zuletzt aktualisiert am 1. Juli 2019 um 10:54

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) spielen eine wichtige Rolle bei der ganzheitlichen Behandlung bei Autoimmunerkrankungen, denn in der Regel weisen Autoimmunerkrankte diverse Nährstoffmängel auf.

Dies kann unter anderem an einer beeinträchtigten Verdauung liegen. Deshalb ist es wichtig, sowohl die Verdauung zu unterstützen, damit aus den verzehrten Lebensmitteln ausreichend Nährstoffe aufgenommen werden können, als auch zusätzlich Mineralstoffe und Vitamine zu ergänzen, um bereits existente Nährstoffmängel zu beheben.

Die richtigen NEM zu finden, die zudem möglichst bioaktive Inhaltsstoffe haben, ist eine zeitintensive Aufgabe. Deshalb möchten wir Ihnen im Folgenden diejenigen Nahrungsergänzungsmittel vorstellen, mit denen wir gute Erfahrungen gesammelt haben.

Teil I: Nahrungsergänzungsmittel, die den Magen-Darm-Trakt unterstützen

Probleme mit der Verdauung können teilweise selbst festgestellt mithilfe mithilfe eines Arztes diagnostiziert werden. Anzeichen für eine beeinträchtigte Verdauung sind unter anderem:

  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Breiiger Stuhlgang
  • Nahrungsmittelrückstände (z.B. Maiskörner, Karottenstücke, Spinatreste…)
  • Blähungen/Blähbauch
  • Häufig abgehende Winde/geruchsintensive Winde
  • Häufiges Aufstoßen
  • Übelkeit
  • Energieeinbrüche im Tagesverlauf, speziell kurz nach dem Essen
  • Sodbrennen
  • Bauchschmerzen

Sollten eines oder mehrere dieser Probleme häufiger auftreten, so kann die Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein.

Verdauungsenzyme

Verdauungsenzyme werden benötigt, um Proteine, Fette und Kohlenhydrate aufzuspalten und so die Nährstoffe für den Körper verwertbar zu machen. Bei einem gesunden Menschen bildet die Bauchspeicheldrüse ausreichend Verdauungsenzyme. Bei chronisch Kranken kann die Funktion der Bauchspeicheldrüse jedoch eingeschränkt sein.

Deshalb empfiehlt es sich, Verdauungsenzyme bei den oben genannten Problemen auszuprobieren. Sollte man durch die Einnahme keine Verbesserungen bemerken, kann man sie wieder absetzen.

Betroffene haben mit Enzymedia gute Erfahrungen gesammelt. Sie berichten von weniger Durchfall, weniger Südwinden, weniger Gestank nach dem Stuhlgang, und weniger Aufstoßen.

Kombinieren kann man Verdauungsenzyme mit Betain-HCl:

Betainhydrochlorid (Betain-HCl) mit Pepsin

Betain-HCl entspricht sozusagen künstlicher Magensäure. Es ist inzwischen bekannt, dass die Mehrzahl der Autoimmunerkrankten zu wenig Magensäure hat. Dies mag zunächst überraschend klingen, haben doch viele Menschen mit Sodbrennen zu kämpfen, was eher auf zu viel Magensäure schließen lässt.

Tatsächlich ist dies jedoch eine Fehlannahme, denn Sodbrennen kann auch bei zu wenig Magensäure entstehen. Das liegt daran, dass der Magenpförtner die Nahrung nicht vom Magen in den Dünndarm lassen möchte, wenn der Nahrungsbrei den falschen pH-Wert hat – durch zu wenig Magensäure.

Dies führt dazu, dass der Nahrungsbrei im Magen angestaut wird und vor sich hin gärt, was dann zu einem Aufstieg des Nahrungsbreis in die untere Speiseröhre führen kann, was wiederum Reflux und Sodbrennen verursacht.

Deshalb sollte man bei Sodbrennen und Reflux eigentlich den Magensäurespiegel testen lassen sollte, doch dies wird in der Regel nicht gemacht. Stattdessen werden allzu häufig Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol verabreicht, die jedoch die Magensäureproduktion noch weiter reduzieren.

Erschwerend kann auch eine vegetarische oder vegane Ernährung sein, da vor allem für die Verdauung von Proteinen Magensäure benötigt wird. Werden zu wenig Proteine gegessen, so ist der Magen zu selten zur Säureproduktion animiert.

Zu wenig Magensäure führt dazu, dass wichtige Vitamine wie Vitamin B12 nicht absorbiert werden können. So kann es vorkommen, dass trotz gesunder Ernährung zu wenig Nährstoffe aufgenommen werden.

Bevor man Betain-HCl einnimmt, sollte man sicherstellen, dass man keine Magengeschwüre hat, denn dann ist die Einnahme kontraindiziert. Auch kann es sinnvoll sein, zuvor 4 Wochen lang DGL (Deglycyrrhiziniertes Lakritz) einzunehmen, denn es bekämpft Magengeschwüre und Gastritis.

Wie Sie merken, ob es hilft

Ob Magensäuremangel tatsächlich ein Problem ist, merkt man dann recht schnell bei der Einnahme von Betain-HCl. Sie beginnen mit der Einnahme einer Kapsel am Anfang einer Mahlzeit. Die Mahlzeit sollte mindestens 20 Gramm Protein enthalten.

Treten während oder nach dem Essen leichte Bauchschmerzen auf, so benötigen Sie kein Betain-HCl. Ansonsten ist der Mangel bewiesen und nun gilt es, die richtige Dosierung zu finden. Hierzu nehmen Sie zunächst über 3 Tage hinweg jeweils eine Kapsel zu jeder proteinhaltigen Mahlzeit ein. Kommt es zu keinerlei Magenschmerzen, Magenbrennen oder Ähnlichem, so steigern Sie am vierten Tag auf 2 Kapseln je Mahlzeit.

Sollten wiederum keine Nebenwirkungen auftreten, steigern Sie am nächsten Tag auf 3 Kapseln und so weiter, bis Sie bei der Dosierung angekommen sind, bei der Probleme auftreten. Dann nehmen Sie eine Kapsel weniger – dies ist die richtige Dosierung.

Eine hohe Dosierung geht leider ziemlich in‘s Geld, weshalb Sie abwägen sollten, welches Produkt Sie einnehmen.

Wichtig ist, dass das Betain-HCl zusätzlich Pepsin enthält, denn Pepsin hilft bei der Proteinverwertung.

Glutamin

Glutamin unterstützt das Darmepithel bei der Heilung und Reparatur von Schäden, wie etwa beim Leaky Gut Syndrom. Außerdem hilft es bei der Regeneration nach dem Sport.

Betroffenen chronischer Darmprobleme wird die Einnahme von täglich 20 Gramm Glutamin über einen Zeitraum von 2-3 Wochen empfohlen.

Probiotika

Es gibt eine Vielzahl von Probiotika auf dem Markt und viele helfen erfahrungsgemäß irgendwie, aber manche besonders gut. Da man mit einer Autoimmunerkrankung zusätzlich stark auf die Zusatzstoffe achten muss, haben sich folgende Probiotika bewährt:

a) Prescribt Biotics. Ein sehr außergewöhnliches Probiotikum, denn es enthält Bakterien, die sich im Boden finden. Laut Sarah Ballantyne ist es in unserer hygienischen Welt ein Problem, dass wir kaum noch mit Erdboden in Kontakt kommen, denn er enthält viele für uns wichtige Bakterien. Dieses Problem löst Prescribt-Assist mit den 29 Bakterienstämmen, die es enthält. Die Wirksamkeit ist zudem auch durch eine Studie belegt.

b) Enterobact Protect. Dieses Probiotikum enthält Enterococcus faecium, eine Bakterienart, die nur selten in Probiotika zu finden ist, von dem viele von uns aber einen Mangel haben. Desweiteren enthält es viele Milchsäurebakterien, kleine Mengen Glutamin und Biotin.

c) Multidophilus 12. Dieses Probiotikum ist hoch potent und hilft vielen am meisten. Es enthält 12 verschiedene Bakterienstämme und insgesamt 20 Milliarden Bakterien pro Kapsel. Ein sehr Ähnliches Probiotikum ist VSL#3. VSL#3 ist eins der wenigen durch Studien belegten Probiotika, die in den USA bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sogar auf Rezept verschrieben werden. Multidophilus ist unserer Meinung nach von Inhalt und Wirkung vergleichbar und wesentlich günstiger und leichter erhältlich.

Teil II: Mikronährstoffe

Viele Autoimmunerkrankte haben mit Nährstoffmängeln zu kämpfen, was unter anderem daran liegen kann, dass die Darmfunktion eingeschränkt ist. Eine ausreichende Mikronährstoffversorgung ist aber laut Experten notwendig, um dem Körper zur Besserung zu verhelfen.

Es empfiehlt sich deshalb mit Hilfe eines Arztes, die eigenen Mikronährstoffmängel zu diagnostizieren, was in der Regel durch Bluttests erfolgen kann.

Daraufhin können gezielt Mikronährstoffe ergänzt werden. Die folgenden Informationen stützen sich im Wesentlichen auf Empfehlungen von Dr. Kuklinski, einem Orthomolekular-Mediziner:

Magnesium

Magnesium gilt als eines der wichtigsten Mineralien, denn die Arbeit von mehr als 300 Enzymen im Körper hängen von seinem Vorhandensein ab. Dabei wird aber gerade Magnesium meist zu wenig über die Nahrung aufgenommen. Eine Ergänzung empfiehlt sich damit für die meisten Menschen, vor allem auch für sportlich aktive, denn es unterstützt die Muskel- und Nervenfunktion.

Bei einem erhöhten Bedarf werden 400-600 mg Magnesium täglich empfohlen, am besten aufgeteilt in früh und abends. Magnesiumcitrat und -bisglycinat sollten aufgrund einer hohen Bioverfügbarkeit die bevorzugten Formen sein.

Viele Betroffene berichten zudem, nach der Einnahme von Magnesium deutlich weniger Kopfschmerzen zu haben.

Vitamin D

Vitamin D ist eines der wichtigsten Vitamine, denn es reguliert einige tausend Gene und nahezu jedes Gewebe im Körper. Vor allem aber verbessert es die Selbsttoleranz des Immunsystems und ist damit für alle Autoimmunerkrankten besonders wichtig.

Außerdem sind fast alle Deutschen mit Vitamin D unterversorgt, da jeder in den Wintermonaten zu wenig Sonne abbekommt. Deshalb empfiehlt sich bereits bei Kindern die tägliche Einnahme von täglich 1.000 IE Vitamin D, um Autoimmunerkrankungen vorzubeugen. Erwachsenen wird empfohlen, täglich circa 4.000 I.U. einzunehmen – bei Mängeln und Autoimmunerkrankungen kann der Tagesbedarf auf 10.000 I.U. und mehr steigen.

Zur individuellen Berechnung Ihres Vitamin D-Bedarfs nutzen Sie bitte unseren Vitamin D-Rechner.

Vitamin B-Komplex

Vitamin B12-Mangel konnte in Studien mit zahlreichen Autoimmunerkrankten festgestellt werden, z.B. bei Patienten mit multipler Sklerose, Zöliakie und Typ 1 Diabetes. Vitamin B12 findet sich nur in tierischen Produkten wie Fleisch, Eiern und Fisch.

Es ist wichtig für den Stoffwechsel und die Nerven und ein Mangel kann zu depressiven Verstimmungen, Müdigkeit und Gedächtnisstörungen Die B12-Mangel-Analyse kann unter Umständen schwierig sein, und es empfiehlt sich deshalb die Einnahme und Beobachtung der eigenen Beschwerden, da Nebenwirkungen nicht wirklich zu befürchten seien.

Dabei soll das Vitamin B 12 am besten sublingual (unter der Zunge) eingenommen werden, da die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt eingeschränkt sein kann. Adenosylcobalamin oder Methylcobalamin sollten die empfohlenen Formen sein – idealerweise 500-1000 mcg morgens und eventuell dieselbe Dosierung noch malnochmal abends.

Ein guter Vitamin B-Komplex enthält neben Vitamin B12 noch alle weiteren B-Vitamine in hoher Dosierung, um die Wirkung von B12 zu ergänzen und weitere Vitamin B-Mängel aufzufüllen:

  • Biotin hilft bie Haarausfall, Hautproblemen, Muskelschmerzen, brüchigen Fingernägeln und Erschöpfungzuständen.
  • Folsäure hilft nicht nur Schwangeren und Embryos: Es ist wichtig für ein gesundes Immunsystem, schützt vor Darmparasiten, wirkt gegen Reizbarkeit und Unkonzentriertheit und unterstützt eine gesunde Eierstockfunktion.
  • Pantothensäure unterstützt die Energieverwertung und die Konzentration.
  • Niacin fördert die Energieproduktion und wird besonders bei Betroffenen der Hashimoto Thyreoiditis sehr geschätzt.

Chrom

Chrom ist wichtig für den Glukosestoffwechsel, da es essenzieller Bestandteil des Insulin-Response-Elements ist. Chrom hat einen großen und unterschätzten Einfluss auf die Gesundheit und viele Zivilisationskrankheiten scheinen im Zusammenhang mit einem Chrommangel zu stehen.

Diabetes, Bluthochdruck und ein zu hoher Cholesterinspiegel sollen dazu zählen. Dabei soll vor allem der Konsum von Zucker Probleme bereiten, da er Chromausscheidungen verursacht und starke Blutzuckerschwankungen auslöst.

Es wird empfohlen, mit einer geringeren Dosierung von 50-100 mcg täglich zu starten und diese bei Bedarf auf bis zu 200-300 mcg zu erhöhen. Behalten Sie dabei bitte Ihren Blutzuckerspiegel in den Augen.

Kupfer

Kupfer sollte nur bei Kupfermangel eingenommen werden – die empfohlene Tagesdosis liegt bei 1-5 mg pro Tag. Es ist ein essenzielles Spurenelement, welches an zahlreichen Prozessen im Körper beteiligt ist. So hilft es bei der Umwandlung von Eisen zu Hämoglobin, weshalb ein Mangel zu Blutarmut führen kann.

Auch hilft es bei der Bildung von Melanin, dem Aufbau des Nervensystems, der Bekämpfung von oxidativem Stress und der Entgiftung. Es empfiehlt sich die Kombination mit Eisen und Zink.

Rinderleber enthält von Natur aus sehr viel Kupfer (sowie B-Vitamine, Eisen, Zink, Mangan, Cholin), wird aber nicht von jedem Autoimmunerkrankten vertragen.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Fettsäuren. Es wird zwischen tierischen (EPA, DHA) und pflanzlichen „Omega’s“ (ALA) unterschieden. Beide Gruppen wirken stark entzündungshemmend, was besonders Autoimmunerkrankten, welche unter chronischen Entzündungen leiden, helfen kann.

Der regelmäßige Verzehr Omega-3-reicher Lebensmittel ist wichtig, kann aber durch zusätzliche Einnahme ergänzt werden. Das ist besonders wichtig, wenn Sie nicht so gerne Fisch und Meeresfrüchte essen.

Eine gute Dosis zur täglichen Einnahme sind 3-4 g reine Omega-3-Fettsäuren. Achten Sie auf ein qualitativ gutes Produkt, das einen höheren Preis hat als die Massenprodukte, die Sie vielerorts finden.

Ihre Erfahrung ist gefragt

Wie sind Ihre Erfahrungen und Meinungen mit Nahrungsergänzungsmitteln bei Autoimmunerkrankungen? Würden Sie gerne etwas ergänzen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

 

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Martin ist studierter Biochemiker und molekularer Biotechnologe (M.Sc., Technische Universität München) und arbeitete in der klinischen Forschung (Universitätsklinikum Erlangen) beschäftigt an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Martin möchte schwere biologische oder medizinische Themen einfach und verständlich beschreiben und Betroffenen so die Mittel an die Hand geben, wieder mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen. Weitere Beiträge von ihm sind auf den Portalen Primal-State, Edubily, MyProtein, Fairment, Paleolifestyle und SchnellEinfachGesund zu finden.

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