Epigenetik-Studie: Kuscheln beeinflusst DNA und Immunsystem

Immunsystem, Kuscheln

Zuletzt aktualisiert am 12. Juni 2019 um 15:59

Zahlreiche Umweltfaktoren haben einen Einfluß auf unsere DNA und unser Immunsystem – und immer wieder entdecken Wissenschaftler weitere Faktoren. So jetzt auch eine aktuelle amerikanische Studie. Laut den Ergebnissen kann sich Kuscheln mit Eltern bei Säuglingen bis zur molekularer Ebene auswirken. Ein Effekt ist bei Kindern bereits mit vier Jahren erkennbar.

Kuschelprotokoll von 94 Babys

Die Studie der University of British Columbia umfasste 94 gesunde Babys im Alter von fünf Wochen. Die Wissenschaftler baten die Eltern ein Tagebuch über das Verhalten ihrer Kinder (wie Schlafen, Weinen oder Essen) sowie über die Dauer der Pflege, die mit Körperkontakt verbunden war, zu führen. Als die Kinder etwa viereinhalb Jahre alt waren, wurde ihre DNA mit einem Abstrich der Innenseite ihrer Wangen entnommen.

Das Team untersuchte damit eine biochemische Modifikation namens DNA-Methylierung. Bei dieser sind Teile des Chromosoms mit kleinen Molekülen aus Kohlenstoff und Wasserstoff markiert. Diese Moleküle helfen, die Aktivität der einzelnen Gene zu steuern und beeinflussen dadurch die Funktionsweise der Zellen. Das Ausmaß der Methylierung und wo sie auf der DNA stattfindet, kann durch äußere Bedingungen beeinflusst werden, insbesondere im Kindesalter. Die epigenetischen Muster ändern sich auch mit zunehmendem Alter.

Die Wissenschaftler fanden Unterschiede in der Methylierung von fünf spezifischen DNA-Stellen bei Kindern mit viel Körperkontakt im Vergleich zu Kindern mit wenig Körperkontakt. Zwei dieser Stellen regulieren Gene. Eines der Gene spielt eine Rolle für das Immunsystem, das andere für den Stoffwechsel. 

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Wie die epigenetischen Veränderungen die Entwicklung und Gesundheit der Kinder beeinflussen, konnte die Studie nicht erklären. Babys, die häufiger quengelten und nur relativ wenig Körperkontakt mit ihren Eltern hatten, besaßen aber ein für ihr Alter unterentwickeltes molekulares Profil. Das weist auf die Möglichkeit hin, dass diese Kinder biologisch hinterherhinken. “Wir denken, dass ein langsameres epigenetisches Altern bei Kindern einen schlechteren Entwicklungsfortschritt widerspiegeln könnte“, sagt Michael Kobor, Professor der Abteilung für medizinische Genetik.

Bei der Studie handelt es sich um die erste Forschungsarbeit am Menschen, die zeigt, dass ein früher Körperkontakt lebenslange Folgen für das Epigenom hat. Weitere Studien sollen bald schon klären, wie sich ein unterentwickeltes molekulares Profil auf die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern auswirkt. 

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