Multiple Sklerose – Der Verlauf von MS

Der Verlauf der entzündlichen Autoimmunerkrankung multiple Sklerose ist äußerst individuell und unterscheidet sich sowohl in der Symptomatik, als auch in der Verlaufsform. Die Erkrankung kann zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten, am häufigsten sind aber junge Erwachsene betroffen. Es kann ab dem Ausbruch der MS nicht vorhergesagt werden, wie sich die Symptome entwickeln.

Multiple Sklerose Verlauf

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019 um 12:14

Was ist multiple Sklerose? Eine kurze Wiederholung

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Immunzellen werden dabei fehlgeleitet und greifen die Myelinscheiden von Teilen der Nervenzellen (Axone), an. Die Myelinscheiden sind sozusagen die Isolierschicht für die Hochgeschwindigkeits-Kabel, die wir Nervensystem nennen. Ohne Isolierung funktioniert auch das beste Kabel nicht, und so kommt es bei multipler Sklerose zu einer Vielzahl an Symptomen.

Da es Milliarden Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark gibt (beides zusammen ist das ZNS, das zentrale Nervensystem), und verschiedene Zell-Regionen verschiedene Aufgaben haben, ist MS auch als „Krankheit der 1000 Gesichter“ bekannt. Die Symptome können vielfältig sein, was eine Diagnose manchmal sehr erschweren kann. Doch einige davon sind dennoch eindeutig – im Übersichtsartikel über multiple Sklerose erfahren Sie mehr darüber.

Heute soll es darum gehen, wie MS verläuft. Was nach einer Diagnose zu erwarten ist, was geschehen kann. Dies soll Sie aufklären, und zu einer guten Therapie und einer angepassten, gesunden Lebensführung motivieren. Erfahren Sie nun mehr über den MS Verlauf:

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Wie beginnt die multiple Sklerose?

Die ersten Symptome der multiplen Sklerose sind häufig unspezifisch. Aus diesem Grund wird die Krankheit nicht direkt nach dem Ausbruch erkannt. Die zu Beginn auftretenden Anzeichen können sehr allgemein ausfallen und beispielsweise mit Müdigkeit, Fieberschüben, Aufmerksamkeitsdefizit, Störung der Sexualfunktion, depressiven Phasen oder Schwindel einhergehen.

Da alle diese Symptome auf zahlreiche andere Erkrankungen hinweisen können, fällt der Verdacht nicht sofort auf multiple Sklerose. Viel spezifischer sind folgende Symptome, die zu Beginn der MS auftreten können:

  • Plötzlich auftretende, sich nicht verändernde Sehstörungen (Nebelsehen, verschwommenes Sehen)
  • Parästhesien, also Missempfindungen wie Kribbeln in den Extremitäten
  • Störungen der Oberflächensensibilität
  • Steifigkeitsgefühl in den Armen und Beinen bis hin zu einer Spastik (unkontrolliertes Zittern)
  • Lähmungserscheinungen
  • Bewegungsstörungen
  • Unsicherer Gang
  • Unkontrollierte Zuckungen der Muskeln
  • Störungen der Blasenfunktion sowie Inkontinenz

Typisch für die beginnende multiple Sklerose ist das plötzliche Auftreten der Symptome. Vor allem bei einer plötzlichen Störung der Sehfähigkeit wird die Verdachtsdiagnose multiple Sklerose häufig gestellt.

Verlaufsformen der multiplen Sklerose

Die MS kann in drei verschiedenen Formen verlaufen, die unterschiedlich schwer ausfallen können.

Schubförmiger Verlauf der multiplen Sklerose

Der schubförmige oder auch der schubweise Verlauf ist sowohl die häufigste Verlaufsform, als auch die Form mit der höchsten Lebenserwartung [1]. Bei diesem MS Verlauf kommt es zu einer vorübergehenden Verstärkung der Symptomatik, welche schubförmig auftritt. Die Entzündungsherde im zentralen Nervensystem verursachen verschiedenste Symptome, die teilweise wieder abklingen.

Je nachdem, welches Areal des zentralen Nervensystems betroffen ist, können sich die Symptome von Schub zu Schub stark unterscheiden. Auch die Länge eines Schubs ist nicht klar definiert. Nach dem Abklingen der akuten Entzündung lassen die Beschwerden in der Regel nach, wobei trotzdem eine Restsymptomatik zurückbleibt.

Die zurückbleibenden Symptome nach einem Schub sind auf die Zerstörung des Gewebes aufgrund der Entzündung im ZNS zurückzuführen. Bei der multiplen Sklerose werden vor allem die Myelinscheiden der Nervenzellen zerstört. Dadurch gibt es eine Fehlfunktion in der Leitung der elektrischen Impulse, die Kommunikation zwischen den Neuronen ist gestört.

Chronisch progredienter Verlauf der multiplen Sklerose

Beim chronisch progredienten Verlauf klingen die Entzündungsherde im ZNS nie vollständig ab. Dadurch bleiben die Symptome dauerhaft bestehen und können sich nicht bessern, da das Nervengewebe nachhaltig geschädigt wird. Der progrediente Verlauf der multiplen Sklerose wird aufgrund der  kontinuierlichen Verschlechterung als eine schwerere Verlaufsform empfunden.

Es ist die zweithäufigste Verlaufsform der MS, wobei sie rund ein Fünftel der Gesamtzahl der Erkrankten ausmacht. Diese Form bezeichnet man in der Literatur ebenso als die primär progrediente multiple Sklerose (PPMS).

Sekundär progressiver Verlauf der multiplen Sklerose

Der progressive Verlauf, auch sekundär progrediente multiple Sklerose genannt (SPMS), ist eine Mischform aus dem schubförmigen und dem progredienten Verlauf. Dabei kommt es zu einer dauerhaften Verschlechterung der Symptome, zusätzlich erleidet der an MS erkrankte Patient Schübe. Während der Schübe verschlechtert sich der Zustand deutlich. Nach dem Abklingen eines Schubs bleibt eine stärkere Symptomatik zurück.

Beim progressiven Verlauf handelt es sich um eine schwere Form der multiplen Sklerose, die mit einer verkürzten Lebenserwartung einhergeht. Es ist die seltenste Verlaufsform. In manchen Fällen kann sich der progressive Verlauf aus dem schubförmigen Verlauf entwickeln. Vor allem bei einer fehlerhaften oder fehlenden Behandlung der schubförmigen MS kann sich eine Verschlechterung einstellen.

Kann der Verlauf der MS beeinflusst werden?

Es lässt sich nie vorhersagen, wie sich die Erkrankung entwickelt. Bei den Prognosen handelt es sich lediglich um Schätzungen. Tendenziell konnte festgestellt werden, dass Patienten mit eher leichteren Symptomen in den ersten Schüben einen milderen Krankheitsverlauf haben. Pauschal kann diese Aussage aber nicht getroffen werden.

Der Patient kann den Verlauf der Erkrankung beeinflussen, indem er seine Gewohnheiten anpasst, einen bewussten Umgang mit seinem Körper lernt und die bestehenden Möglichkeiten wahrnimmt. Viele Patienten mit MS schaffen es, ihre Beschwerden deutlich zu reduzieren. Es spielen viele Faktoren in den Verlauf der MS hinein.

Diese Aspekte können die Entwicklung der Krankheit deutlich verbessern:

  • Bewegung und Muskelaufbau
  • Therapeutische Angebote (Physiotherapie, Ergotherapie, Reittherapie etc.)
  • Anpassung der Ernährung
  • Verbesserung der Zufuhr von Nährstoffen und Vitalstoffen [2]
  • Medikamentöse Behandlung
  • Stressreduktion
  • Psychische bzw. psychiatrische Behandlung
  • Veränderung der Lebensumstände

Zusammenfassung – Die Verlaufsformen der multiplen Sklerose

Bei MS kommt es zur Autoimmunität auf die Myelinscheiden von Nervenzellen. Diese werden beschädigt, dadurch die Informationsübertragung im ZNS beeinträchtigt. Entsprechend schwerwiegend können auch die Symptome bei MS sein.

Drei Verlaufsformen kommen bei MS am häufigsten vor: Die schubförmige Verlaufsform, sowie die primär und sekundär progrediente Verlaufsform, bei denen es zu einer steten Verschlimmerung kommt.

Betroffene können jedoch den Verlauf der MS zu einem guten Teil selbst beeinflussen, indem sie der schulmedizinischen Therapie folgen, und Anpassungen in ihrer Lebensführung vornehmen. Besonders der Ernährung und der Stressreduktion werden wertvolle Beiträge zur Besserung zugeschrieben.

Wie sind Ihre Erfahrungen zum MS Verlauf? Würden Sie gerne etwas ergänzen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Quellenverzeichnis
[1]. Hanne Marie Bøe Lunde, Assmus J, Myhr KM, et al. (2017): Survival and cause of death in multiple sclerosis: a 60-year longitudinal population study. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2017; 88: 621–5. 2017 April 1. [2] Kouchaki, Ebrahim; Afarini, Maryam; Abolhassani, Javad; Mirhosseini, Naghmeh; Bahmani, Fereshteh; Masoud, Seyed Ali; Asemi, Zatollah (2018): High-dose omega-3 Fatty Acid Plus Vitamin D3 Supplementation Affects Clinical Symptoms and Metabolic Status of Patients with Multiple Sclerosis: A Randomized Controlled Clinical Trial. In: The Journal of nutrition. DOI: 10.1093/jn/nxy116.
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Anny ist eine examinierte Ergotherapeutin (Staatsexamen Schwerin, 2015) mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Neurophysiologie, Motorik sowie psychosozialen Behandlungsverfahren. Mit dem Einsatz des Therapiehundes begleitete sie in einer interdisziplinären Arbeit unter anderem Klienten mit verschiedensten Autoimmunerkrankungen. Eine empathische und professionelle Kommunikation war die tägliche Herausforderung der Therapeutin. Aus diesem Grund liegt es Anny besonders am Herzen, medizinische Inhalte nicht nur fachlich kompetent, sondern auch verständlich und unkompliziert den Lesern zu vermitteln.

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