Lebenserwartung bei multipler Sklerose

Bei der multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die die Lebenserwartung beeinträchtigt. Durch die Entzündungen des Nervensystems kommt es zu verschiedensten Symptomen und Ausfällen in allen Bereichen des Körpers, die auf die Lebensdauer des Menschen mit MS Einfluss nehmen.

Lebenserwartung Multiple Sklerose

Wie ist die aktuelle Lebenserwartung der Patienten mit multipler Sklerose?

Patienten mit einer multiplen Sklerose zeigten in einer Studie aus dem Jahr 2004 eine um rund zehn Jahre verkürzte Lebenserwartung. [1] Neueste Studien lassen aber darauf schließen, dass es eine aufsteigende Tendenz gibt und die Lebenserwartung um nur noch sieben Jahre herabgesetzt ist. [2] In der 60 Jahre langen Studie wurden unter anderem verschiedenste Verläufe sowie die Geschlechter miteinander verglichen.

Diese Zahlen sollte man mit Vorsicht betrachten. Die Verläufe der multiplen Sklerose sind bei den Patienten äußerst unterschiedlich und vor allem sehr schwere Verlaufsformen mit einer stark ausgeprägten Symptomatik führen zu einer massiv verkürzten Lebenserwartung. Zahlreiche Menschen mit einer MS erreichen das durchschnittliche oder teils ein überdurchschnittliches Alter, die um sieben Jahre verkürzte Lebenszeit ist nicht pauschal zu benennen und ein Durchschnittswert.

Welche Faktoren nehmen Einfluss auf die Lebenserwartung bei MS?

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Es zeigte sich, dass Menschen mit einer schubförmig verlaufenden multiplen Sklerose eine höhere Lebenserwartung haben. Der Durchschnitt liegt bei 77,8 Jahren. Die progrediente Form der MS zeigt bei den Betroffenen eine geringere Lebenserwartung von 71,4 Jahren. Als der Grund für diesen Unterschied wird die Schwere des Verlaufs vermutet: Patienten mit einer progredienten multiplen Sklerose zeigen in der Regel schwerere Symptome.

Beim Vergleich der Geschlechter konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Begleiterkrankungen spielen hingegen eine große Rolle. Rund 56 % der Patienten, welche mit der Diagnose multiple Sklerose verstorben sind, starben an der MS als primäre Ursache. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie onkologische Erkrankungen spielten mit 14,8 % sowie 14,1 % eine ebenso erhebliche Rolle.

Welche Symptome der multiplen Sklerose verkürzen die Lebenserwartung?

Vor allem, wenn die Entzündungsherde sowie die Beschädigung der Myelinscheiden der Nervenzellen wichtige Organsysteme beeinträchtigen, kann es zu einer Senkung der Lebenserwartung kommen. Dazu gehört insbesondere das kardiovaskuläre System. Häufig sind die Gefäße durch die fehlerhafte Innervation und Entzündungsprozesse geschädigt, was zu einer allgemeinen Verschlechterung der Lebenserwartung bei Patienten mit der multiplen Sklerose führt.

Auch die Beteiligung der Atemwege, der Nieren sowie der Leber führt zu kollateralen Schädigungen der Gesundheit. Insbesondere beim progredienten Verlauf sowie der Mischform der schubförmigen und der progredienten multiplen Sklerose sind die Patienten von schwerwiegenden Symptomen betroffen.

Verkürzte Lebenserwartung durch suizidale Tendenzen

Suizid, also Selbstmord, spielt bei MS-Patienten eine bedeutende Rolle. Vor allem, wenn eine Depression als ein Symptom der multiplen Sklerose besteht, ist eine erhöhte Gefahr von Suizid gegeben. Besonders häufig sind jüngere Patienten unter 35 Jahren betroffen. Dadurch wird der Durchschnitt der Lebenserwartung bei MS stark beeinflusst.

Die Selbstmordrate bei Patienten mit multipler Sklerose ist im Vergleich zu der allgemeinen Bevölkerung 2- bis 7,5-mal höher. [3] Hier sind die Studien sehr unterschiedlich und die Mortalitätsrate durch Suizid ist von weiteren Faktoren abhängig. Dazu gehören Folgende:

  • Schwere der Symptome
  • Art des Verlaufs
  • Psychologische oder psychiatrische Betreuung
  • Soziales Umfeld

Kann man die Lebenserwartung bei multipler Sklerose steigern?

Grundsätzlich kann eine gezielte Behandlung der multiplen Sklerose sich positiv auf die Lebenserwartung auswirken. Die Therapie ist dabei sehr unterschiedlich und ist sowohl von der Symptomatik, als auch von der zugrunde liegenden Ursache abhängig.

Vor allem bei der Gefahr eines Selbstmords können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, dazu gehören Entspannung und Stressreduktion, Schmerzlinderung, psychotherapeutische bzw. psychiatrische Behandlung, aber auch die Inanspruchnahme von Selbsthilfegruppen.

Die Lebenserwartung bei der multiplen Sklerose muss nicht eingeschränkt sein. Bei vielen Betroffenen kann die MS erfolgreich behandelt werden, es ist eine Linderung der Symptomatik oder in manchen Fällen sogar eine Remission möglich. Mehr Informationen darüber erfahren Sie in unseren weiteren Beiträgen über multiple Sklerose.

Quellenverzeichnis
[1] Brønnum-Hansen et al (2004): Trends in survival and cause of death in Danish patients with multiple sclerosis. Brain. 2004 Apr;127(Pt 4):844-50. Epub 2004 Feb 11.

[2]. Hanne Marie Bøe Lunde, Assmus J, Myhr KM, et al. (2017): Survival and cause of death in multiple sclerosis: a 60-year longitudinal population study. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2017; 88: 621–5. 2017 April 1.

[3] Natalia Kucenko (2008): Суицидальное поведение больных рассеянным склерозом (rus. Suizidverhalten der Patienten mit multipler Sklerose). 14.00.18, 2008

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Anny ist eine examinierte Ergotherapeutin (Staatsexamen Schwerin, 2015) mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Neurophysiologie, Motorik sowie psychosozialen Behandlungsverfahren. Mit dem Einsatz des Therapiehundes begleitete sie in einer interdisziplinären Arbeit unter anderem Klienten mit verschiedensten Autoimmunerkrankungen. Eine empathische und professionelle Kommunikation war die tägliche Herausforderung der Therapeutin. Aus diesem Grund liegt es Anny besonders am Herzen, medizinische Inhalte nicht nur fachlich kompetent, sondern auch verständlich und unkompliziert den Lesern zu vermitteln.

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