Ist Morbus Crohn heilbar?

Morbus Crohn gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Es ist eine Erkrankung des Immunsystems, welche in Schüben verläuft und in der Regel ein Leben lang anhält. Morbus Crohn gilt als eine unheilbare Krankheit, die sich kontinuierlich weiterentwickelt und in der Symptomatik verschlimmert. Trotzdem gelingt es Betroffenen immer wieder, eine Symptomfreiheit zu erreichen.

Morbus Crohn Heilung heilbar

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019 um 12:13

Heilung von Morbus Crohn – Die Frage der Definition

Das große Ziel bei Autoimmunkrankheiten wie Morbus Crohn ist nicht zwingend die absolute Genesung und Reversion aller Schäden. Eine vollständige Remission, also Symptomfreiheit, wäre als Ziel erstrebenswert und für die meisten Betroffenen ausreichend. Von einer anhaltenden Remission kann man sprechen, wenn die Schübe eine sehr lange Zeit ausbleiben und keine Verschlechterung des Zustandes stattfindet.

Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung geht mit Schäden der Darmwände und anderer Bereiche des Verdauungstraktes einher. Diese Schäden können meist nicht vollständig ausheilen – besonders nicht, wenn es bereits zu Fibrose, Fisteln und tiefen Abszessen sowie Vernarbungen gekommen ist.

Zwar ist es dem Organismus meist nicht möglich, die durch Entzündungsherde im Verdauungstrakt angerichteten Schädigungen komplett zu beseitigen und neues, gesundes Gewebe zu bilden, eine hohe Funktionalität ist aber nicht unwahrscheinlich. Der Verdauungstrakt ist 5,5 m – 7,5 m lang und die Aufgaben der beschädigten Abschnitte können in Ruhephasen von anderen Bereichen abgepuffert werden.

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Es ist schwer, von einer Heilung bei Autoimmunkrankheiten zu sprechen, die Definitionen sind nicht eindeutig. Eine Remission hingegen ist kein Mythos und für Viele bereits Wirklichkeit geworden – ob nun mit oder ohne Medikamente. Immer wieder kommt es zu einer vollständigen Freiheit von Beschwerden und Schüben bei Morbus Crohn, was Betroffenen Hoffnung schenkt.

Hängt die Morbus Crohn Heilung bzw. Remission von Medikamenten ab?

Vor allem während der Schübe sind Betroffene mit Morbus Crohn auf Medikamente angewiesen. Diese bremsen das Immunsystem aus (Immunsuppressiva), welches den eigenen Körper angreift, ebenso werden Medikamente für die Hemmung der Entzündungen eingesetzt. Alle Medikamente, welche bei Morbus Crohn verabreicht werden, können die chronisch-entzündliche Darmerkrankung nicht heilen, sondern nur unterdrücken.

Die rein symptomatische Behandlung soll an erster Stelle als Schadensbegrenzung dienen und die Verschlimmerung des Zustandes verhindern. Ebenso sind die Medikamente wichtig, um die Schmerzen und andere Symptome der Patienten zu lindern und die Lebensqualität zu steigern.

Medikamente, welche zu der Heilung betragen würden, gibt es leider nicht. Wie bei allen Autoimmunerkrankungen sind zwar diverse Risikofaktoren für den Ausbruch der Krankheit bekannt, die genaue Ursache kann aber nur schwer ermittelt werden. Eine Ursache, die unbekannt ist, kann nicht behandelt werden und in den meisten Fällen kann die Aggression des Immunsystems nicht vollständig erklärt werden.

Über die vielen bekannten und in Frage kommenden Ursachen bei Morbus Crohn lesen Sie bitte unseren Übersichtsartikel, welchen wir hier verlinken: Morbus Crohn.

Ab wann gilt man als geheilt?

Da Morbus Crohn allgemein als eine unheilbare Erkrankung gilt, gibt es keine bestimmten Richtwerte, ab wann man von einer Heilung sprechen kann. Leider kann nie zugesichert werden, dass ein Schub nie wieder ausbricht und die Symptomatik erneut zum Vorschein bringt. Je mehr Zeit aber seit dem letzten Schub vergangen ist, desto höher sind die Chancen auf bestehende Remission.

Als Richtwert werden bei Autoimmunerkrankungen fünfzehn Jahre genannt. Es ist eine sehr lange Zeit, die sich an den Erinnerungszellen (Gedächtniszellen) orientiert. Die Lebenszeit dieser Zellen beträgt diese Zeit, bevor alle Erinnerungszellen absterben, kann ein Schub nicht ausgeschlossen werden.

Erinnerungszellen werden vom Organismus gebildet, um sich vor Gefahren wie Infektionen zu schützen. Erkennt das Immunsystem den bereits bekannten Krankheitserreger, werden die Zellen abgerufen, die diesen abwehren können.

Bei einer Autoimmunkrankheit wie Morbus Crohn wendet sich der Körper aber gegen das eigene Gewebe. Fälschlicherweise werden physiologisch gesunde Gewebestrukturen als feindlich eingestuft und angegriffen. Klingt ein Schub ab, bleiben Erinnerungszellen zurück, die jederzeit abgerufen und den Körper wieder angreifen können.

Nach jedem Schub werden die Erinnerungszellen erneuert. Aus diesem Grund muss eine Zeit von 15 Jahren vergehen, damit es keine Autoantikörper mehr gibt, die den Verdauungstrakt angreifen könnten. Ist es der Fall, kann man von einer vollständigen Remission sprechen.

Kann man die Symptomfreiheit beeinflussen?

Zwar kann der Patient mit Morbus Crohn keine vollständige Heilung verursachen, aber dazu beitragen, dass die Symptome sich deutlich verbessern und Schübe gegebenenfalls vollständig ausbleiben. Dazu gehört die komplette Lebensführung. Einige Studien konnten zum Beispiel zeigen, dass bestimmte Ernährungsweisen zu einer Remission führen und diese lange aufrechterhalten [1].

Um eine Remission zu erreichen und zu erhalten, ist es empfehlenswert, auf alle Lebensmittel verzichtet werden, die sich negativ auf den Verlauf der Krankheit auswirken können. Zahlreiche Untersuchungen zeigten, dass bestimmte Lebensmittel bei einem großen Teil der Patienten mit Morbus Crohn zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen [2].

Es gilt, mit möglichst vielen Maßnahmen die destruktive Immunreaktion zu unterdrücken. Zum Beispiel können auch pflanzliche Stoffe eingesetzt werden, die sich antioxidativ und entzündungshemmend auswirken und in ihrer Wirkung bewährten Immunsuppressiva wie Humira oder Adalimumab ähneln. Dazu gehört unter anderem der Wirkstoff Curcumin.

Curcumin zeigte sich in Studien als sehr effektiv bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen [3]. In einer Studie, die im Jahr 2018 veröffentlicht wurde, wurde der sekundäre Pflanzenstoff in Bezug auf CEDs untersucht. Vor allem die entzündungshemmende Eigenschaft spricht für Curcumin, welches aus der Wurzel Kurkuma gewonnen wird.

Auch Cannabisextrakte können erheblich dazu beitragen, die Schübe bei Morbus Crohn zu verhindern. Mehrere Studien konnten die Wirksamkeit von Cannabisextrakten belegen.

Mehr Informationen über eine korrekte Ernährung bei Morbus Crohn und Interventionen in der Lebensführung entnehmen Sie bitte unserem Übersichtsartikel.

Wann ist eine Remission bei Morbus Crohn unmöglich?

Pauschal kann nicht gesagt werden, dass ein Mensch mit Morbus Crohn keine Symptomfreiheit oder Symptomlinderung erreichen kann. Manche Faktoren, insbesondere der Verlauf, trägt zu der Verbesserung oder Verschlechterung der Prognose bei. Verläufe, die bereits zu Beginn der Erkrankung mit einer sehr starken Symptomatik einhergehen, sind oft schwerer in der Therapie.

Unabhängig davon, wie der Verlauf der Erkrankung oder die Prognose ist, sollten Menschen mit Morbus Crohn die Ambitionen auf eine Verbesserung nicht verlieren. Sehr viele Faktoren können durch den Menschen mit Morbus Crohn eigenständig beeinflusst und verbessert werden.

Nicht zu vergessen ist die destruktive Wirkung von Stress auf das allgemeine Wohlbefinden. Zwar kann eine positive Einstellung nicht grundsätzlich Erkrankungen heilen, aber das Ausschütten der Stresshormone reduzieren und dadurch sich positiv auf den Verlauf von Morbus Crohn auswirken.

Quellenverzeichnis
[1] Konijeti, Gauree Gupta; Kim, NaMee; Lewis, James D.; Groven, Shauna; Chandrasekaran, Anita; Grandhe, Sirisha et al. (2017): Efficacy of the Autoimmune Protocol Diet for Inflammatory Bowel Disease. In: Inflammatory bowel diseases 23 (11), S. 2054–2060. DOI: 10.1097/MIB.0000000000001221. [2] Lim, Hee-Sook; Kim, Soon-Kyung; Hong, Su-Jin (2018): Food Elimination Diet and Nutritional Deficiency in Patients with Inflammatory Bowel Disease. In: Clinical Nutrition Research 7 (1), S. 48–55. DOI: 10.7762/cnr.2018.7.1.48. [3] Mazieiro, Rafaela; Frizon, Renata Reis; Barbalho, Sandra Maria; Goulart, Ricardo de Alvares (2018): Is Curcumin a Possibility to Treat Inflammatory Bowel Diseases? In: Journal of medicinal food. DOI: 10.1089/jmf.2017.0146.

 

 

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Anny ist eine examinierte Ergotherapeutin (Staatsexamen Schwerin, 2015) mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Neurophysiologie, Motorik sowie psychosozialen Behandlungsverfahren. Mit dem Einsatz des Therapiehundes begleitete sie in einer interdisziplinären Arbeit unter anderem Klienten mit verschiedensten Autoimmunerkrankungen. Eine empathische und professionelle Kommunikation war die tägliche Herausforderung der Therapeutin. Aus diesem Grund liegt es Anny besonders am Herzen, medizinische Inhalte nicht nur fachlich kompetent, sondern auch verständlich und unkompliziert den Lesern zu vermitteln.

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