Methotrexat – Letzter Ausweg bei Arthritis, Psoriasis und MS?

Methotrexat ist ein Immunsupressivum und wird bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis, multipler Sklerose und weiteren chronischen Erkrankungen eingesetzt, wenn andere Medikamente keine Wirkung zeigen. In diesem Artikel verraten wir Ihnen, wie das ursprüngliche Zytostatika wirkt und welche Risiken damit einhergehen.

Methotrexat

Zuletzt aktualisiert am 17. Mai 2019 um 13:33

Was ist Methotrexat und wie wirkt es?

Methotrexat oder kurz MTX ist ein Arzneistoff und strukturell dem Vitamin B9 (Folsäure) ähnlich. Es ist strukturell so ähnlich, dass es Folsäure hemmt und somit ein Folsäure-Antagonist ist. Vitamin B9 benötigen Zellen, um zu wachsen und sich zu teilen – besonders die schnell wachsenden Immunzellen.

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Aktiviert wird Folsäure durch das Enzym Dihydrofolatreduktase, auch DHFR genannt. Dieses Enzym hydriert Folsäure zu Dihydrofolsäure sowie zu Tetrahydrofolsäure. Methotrexat hemmt DHFR, sodass Folsäure nicht in die aktive Form umgewandelt wird. Daraus resultiert ein verringertes Zellwachstum.

Methotrexat wird in Chemotherapien als Zytostatikum eingesetzt. Niedrig dosiert kommt es bei manchen Autoimmunerkrankungen zum Einsatz. Zudem soll es entzündungshemmend wirken, jedoch konnte dieser Wirkmechanismus bislang nicht vollständig erklärt werden. Wahrscheinlich kommt die entzündungshemmende Wirkung dadurch zustande, dass die Zahl der Immunzellen, welche Entzündungen auslösen und aufrecht erhalten, abnimmt.

Den Wirkstoff gibt es als Infusionslösung, Injektionslösung oder Tabletten in Apotheken zu erwerben. Injektionslösungen werden in Form von Fertigspritzen oder PENs angeboten, da es so die Anwendung Zuhause erleichtert. Typische Handelsnamen sind Lantarel, metex oder Methotrexamed.

Methotrexat und Schwangerschaft: Da MTX das Zellwachstum beeinträchtigt, wird dringend dazu geraten, dieses Medikament nicht während der Schwangerschaft oder bei geplanter Schwangerschaft einzunehmen. In Notfällen gibt es Präparate, welche nicht plazentagängig sind – im Normalfall sollte jedoch bei Kinderwunsch kein Methotrexat zur Anwendung kommen.

Bei welchen Erkrankungen wird Methotrexat angewendet?

Als Zytostatikum wird es bei verschiedenen Krebsarten zur Chemotherapie eingesetzt. Darunter fallen:

  • Lymphatische Leukämien
  • Myeloische Leukämien
  • Brustkrebs
  • Eierstockkrebs
  • Non-Hodgkin-Lymphom

In der Regel wird Methotrexat in der Chemotherapie mit weiteren Zytostatika kombiniert. Niedrig dosiert kommt MTX bei der Therapie von Autoimmunerkrankungen zum Einsatz. Hier vor allem bei rheumatischen Erkrankungen wie:

Vor einigen Jahren konnten Forscher die Wirksamkeit von Methotrexat bei stereoidabhängigem Morbus Crohn oder stereoidabhängiger Colitis ulcerosa feststellen. Bei Kindern wird die MTX-Therapie zunehmend mit Anti-TNF-α kombiniert. 1

Wie wird MTX angewendet?

Methotrexat gib es in mehreren Darreichungsformen. Für die Einnahme Zuhause haben sich Tabletten und Injektionslösungen bewährt.

Die Einnahme von Tabletten mit diesem Wirkstoff erfolgt einmal in der Woche. Dazu sollte die Tablette unzerkaut und unzerteilt mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Sie können Methotrexat außerhalb der Mahlzeiten zu sich nehmen.

Die gesamte Dosis für eine Woche kann in 3 Teile aufgeteilt werden. Dabei sollten zwischen der ersten und letzten Dosis nicht mehr als 12 Stunden liegen.

Als Injektionslösung stehen Fertigspritzen und PENs zur Verfügung. Die MTX-PENs ähneln jenen, die zur Insulingabe verwendet werden. Die Fertigspritzen beinhalten die genaue Dosis. Bei PENs müssen Sie vor der Injektion die richtige Dosis einstellen.

Die Injektion erfolgt in das subkutane Fettgewebe. Hierfür eignet sich der Bauch unterhalb des Bauchnabels oder die Außenseite der Oberschenkel. Auch Injektionen erfolgen einmal wöchentlich. Studien zeigen, dass die subkutane Anwendung gegenüber der oralen Einnahme Vorteile aufweist. Das hängt vor allem an der gleichbleibenden Bioverfügbarkeit.2

Methotrexat kann auch intramuskulär oder direkt in den Brustraum injiziert werden. Diese Injektionen und intravenöse Infusionen kommen in Krankenhäusern oder bei Ärzten zum Einsatz.

Bei Psoriasis oder Arthritis liegt die Dosis zwischen 7,5 und 30 Milligramm. Bei Anwendung bei Krebserkrankungen wird die Dosis anhand der Körperoberfläche berechnet. Pro Quadratmeter Körperoberfläche werden 40 bis 80 Milligramm angesetzt.

Nach Behandlungsbeginn steigert sich die Einnahmedosis langsam. Die langfristige Dosierung sollte so hoch wie nötig und so niedrig wie möglich sein.

Frauen müssen vor Therapiebeginn einen Schwangerschaftstest durchführen. Während der Behandlung und bis zu 6 Monate danach sollte nur geschützter Geschlechtsverkehr stattfinden, damit das Risiko von Geburtsfehlern vermieden wird.

Zudem sollten behandelte Frauen nicht stillen, da der Arzneistoff in die Muttermilch übergeht.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Da MTX auf das Zellwachstum einwirkt, kann es zu Nebenwirkungen kommen. Die wichtigsten stellen wir Ihnen hier vor.

Nach der Einnahme kann es bei manchen Patienten zu Schwindel oder Müdigkeit kommen. Tritt das bei Ihnen auf, sollten Sie keine Maschinen bedienen oder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.

Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten) treten Bauchschmerzen, Entzündungen und Geschwüre (Ulcera) im Mund, Übelkeit oder erhöhte Leberwerte auf.

Gelegentlich (1 bis 10 von 1000 Behandelten) treten auf:

  • Krampfanfälle
  • Blutungen im Verdauungstrakt
  • Gürtelrose
  • Spröde Knochen
  • Entzündungen der Blase oder Vagina
  • Haarausfall

Zudem kann es zu Netzhautschäden, Hirnhautentzündung oder blutigem Erbrechen kommen. Nach dem Absetzen des Medikaments besteht das Risiko, dass sich die Nebenwirkungen nicht mehr zurückbilden.

Methotrexat kann die Sonnenempfindlichkeit der Haut erhöhen. Deshalb ist es sinnvoll, längere Aufenthalte in der Sonne und Solarien zu meiden. Bei versehentlicher erhöhter Dosierung oder täglicher Einnahme kann es zu einer Überdosierung mit Vergiftungserscheinungen kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Patienten, die mit diesem Arzneistoff behandelt werden, regelmäßig untersucht werden. Denn auch Nierenschädigungen können Ursache der Vergiftung sein.

Erste Anzeichen einer Überdosierung sind zum Beispiel:

  • Haut- und Schleimhautläsionen
  • Atembeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit

Bei diesen Anzeichen oder versehentlicher täglicher Einnahme, sollten Sie umgehend einen Notarzt rufen.

Was tun bei einer Methotrexat Überdosierung?

Die Überdosierung von MTX kann durch den Abfall der roten und weißen Blutkörperchen tödlich verlaufen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Überdosierung schnellstmöglich zu behandeln. Eine Überdosierung wird vermieden, wenn die durch den Arzt vorgeschlagenen Einnahme-Schemata eingehalten werden.

Als Gegenmittel kann Carboxypeptidase G2 verwendet werden. Dieses senkt den Plasmaspiegel von MTX rasch. 3

Zudem kann auch Folinsäure intravenös oder intramuskulär verabreicht werden. Folinsäure ist ein Derivat der Tetrahydrofolsäure. Besteht die Vergiftung länger als eine Stunde, verliert es als Antidot die Wirkung.

Wann sollte Methotrexat nicht eingenommen werden?

Wenn Sie an Leber- oder Nierenerkrankungen leiden, sollte die Einnahme von MTX genau überprüft werden. Denn hier kann es zum langsamen Abbau des Wirkstoffs kommen, der das Risiko einer Überdosierung erhöht.

Zudem gelten bei diesen Symptomen erweiterte Vorsichtsmaßnahmen:

  • Allergien gegenüber dem Wirkstoff
  • Akute Infektionen
  • Störungen des blutbildenden Systems
  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Eingeschränktes Immunsystem

Auch einige Medikamente sollten nicht mit Methotrexat kombiniert werden. Unter anderem:

  • Bestimmte Impfungen
  • Bestimmte Anästhetika und Schlafmittel
  • Colestyramin
  • Sulfonamide
  • Folsäurepräparate
  • Azathioprin
  • Sulfasalazin
  • Orale Antibiotika
  • Orale Verhütungsmittel

Um Überdosierungen rechtzeitig zu erkennen, sind regelmäßige ärztliche Kontrollen sinnvoll. Dieser untersucht Ihr Blut. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den Leber- und Nierenwerten. Die beiden Organe können durch Methotrexat ihre Funktionsfähigkeit verlieren. Zudem werden auch Blutbestandteile wie rote oder weiße Blutkörperchen untersucht, um das blutbildende System zu überprüfen.

Fazit zur Behandlung mit Methotrexat

MTX ist ähnlich wie Folsäure aufgebaut und hemmt sie dadurch als Antagonist. Die Folge daraus ist ein verringertes Zellwachstum. Deshalb wird es in der Krebstherapie als Zytostatika verwendet. Niedrig dosiert wird es auch bei Arthritiden, Psoriasis, Morbus Bechterew oder bei CED angewendet.

Die Indikationen dafür sind allerdings streng. Aufgrund der teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen sollte es nur dann verordnet werden, wenn andere Immunsuppressiva oder Steroide keine ausreichende Linderung verschaffen.

Die Einnahme erfolgt einmal wöchentlich. Für viele Patienten ist das eine Umstellung zu ihren sonstigen Medikamenten, weshalb das Risiko einer Überdosierung steigt.

Frauen und Männer sollten während der Behandlung geschützten Geschlechtsverkehr haben, da Methotrexat fruchtschädigend sein kann. Männern wird empfohlen, ihre Samen vor Behandlungsbeginn aufbewahren zu lassen. Empfohlen wird, dass die Empfängnisverhütung mindestens 6 Monate nach Behandlungsende fortgeführt wird.

Es wird sehr stark empfohlen, bei einer vorliegenden Schwangerschaft oder einer geplanten Schwangerschaft, von der Einnahme von Methotrexat abzusehen.

Quellenverzeichnis
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