Mesalazin – Goldstandard bei Crohn und Colitis

Mesalazin wird sehr häufig in der Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt. Es soll den akuten Schub abschwächen und langfristig dafür sorgen, dass sich die Remissionsphase verlängert. Wie Mesalazin genau wirkt und welche Risiken dahinterstecken, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Mesalazin

Zuletzt aktualisiert am 17. Mai 2019 um 13:36

Was ist Mesalazin und wofür wird es eingesetzt?

Mesalazin ist in der Apotheke unter den Namen Pentasa, Salofalk, Claversal oder Mezavant erhältlich. Es gehört zur Gruppe der 5-Aminosalicylsäure-Präparate, auch kurz 5-ASA genannt. Damit ist es ein organisches Derivat, welches chemisch der Salicylsäure, wie in Aspirin (Acetylsalicylsäure) enthalten, ähnelt.

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Sulfasalazin enthält den selben Wirkstoff, 5-ASA, ist jedoch chemisch so modifiziert, dass 5-ASA größtenteils erst im Dickdarm freigesetzt wird.

Eingesetzt wird es bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bei der leichten bis mittelschweren Colitis ulcerosa gilt es sowohl im akuten Schub als auch in der Remissionsphase als Goldstandard.1 Bei Morbus Crohn wird es seltener bei einem milden bis moderaten Krankheitsverlauf im akuten Schub eingesetzt. Doch wie wirkt es genau?

Die Wirkungsweise von Mesalazin

Bei den beiden Krankheitsbildern Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind Entzündungen der Darmschleimhaut die Ursache für die Beschwerden. Dadurch kommt es zu Schmerzen und teilweise blutigen Durchfällen. Der Wirkstoff 5-ASA soll den Entzündungen Einhalt gebieten und die Zeit der Remissionsphase der Colitis ulcerosa verlängern. Als Remissionsphase wird die symptomfreie Zeit zwischen zwei Schüben bezeichnet.

Ein Grund für diese Entzündungen und Schmerzen sind Prostaglandine der 2. Serie. Prostaglandine sind Hormone im Gewebe. Sie fördern Entzündungen und erhöhen die Wahrnehmung gegenüber Schmerz. Zusammen mit den Leukotrienen, die für allergische und entzündliche Reaktionen verantwortlich sind, spielen sie bei den Symptomen der chronischen Darmentzündung eine Rolle. Mesalazin hemmt wie Aspirin den Arachidonsäure-Stoffwechsel und damit die Bildung dieser Stoffe, sodass das Risiko für die Entzündungen gemildert wird. Zudem soll es durch die Hemmung der Schmerzwahrnehmung auch die Schmerzen im Magen-Darm-Trakt lindern.

Zudem scheint Mesalazin eine immunsuppressive Wirkung zu haben. Chronisch entzündliche Darmerkrankung sind Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass körpereigene Abwehrkräfte die Darmschleimhaut angreifen. Diese fehlgeleiteten Immunzellen sollen durch die 5-ASA in ihrem Wachstum eingeschränkt werden. Zudem soll es die Signalstoffe hemmen, die die fehlgeleiteten Immunzellen steuern.

Häufig lassen sich im Gewebe der Erkrankten erhöhte Konzentrationen freier Radikale feststellen. Mesalazin soll durch die Hemmung proinflammatorischer Botenstoffe und als Antioxidans dabei helfen, diese zu hemmen. Durch die freien Radikale und die chronische Entzündung haben viele CED-Patienten ein erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko. Diesem soll Mesalazin auch entgegenwirken.2

Salofalk und weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Mesalazin unterstützen im akuten Schub der CED die Remission und sollen durch die entzündungshemmende Wirkung die Remissionsphase verlängern.

Wie genau Mesalazin gegen Koliken bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wirkt, konnte bis jetzt noch nicht abschließend geklärt werden, obwohl hierzu regelmäßige Untersuchungen stattfinden.3

Wie wird Mesalazin angewendet?

5-ASA gibt es in verschiedenen Darreichungsformen:

  • Tabletten
  • Granulat
  • Rektalschaum
  • Zäpfchen
  • Klysmen
  • Micropellets

Je nach Darreichungsform unterscheidet sich auch die Anwendung.

Orale Darreichungsformen von Mesalazin

Der Wirkstoff Mesalazin soll direkt an den entzündeten Stellen des Darms wirken. Bei herkömmlichen Tabletten beginnt die Aufnahme des Wirkstoffs bereits im Magen. So kommt durch die Verstoffwechselung oft nicht genau die gewünschte Wirkstoffstärke an. Um dies bei dem Medikament bei CED zu vermeiden, sind die oralen Darreichungsformen so konzipiert, dass sich der Wirkstoff erst im Darm freisetzt.4 Sulfasalazin gehört dazu.

Wann genau es freigesetzt wird, ist vom Überzug abhängig. Es gibt Retardtabletten oder retardiertes Granulat, welches im oberen Anteil des Dünndarms freigesetzt wird. Dies geschieht durch die Trägersubstanz Ethylcellulose. Hier wirkt 5-ASA auf den gesamten Darm, sodass diese Präparate auch beim akuten Schub des Morbus Crohn eingesetzt werden.

Zudem gibt es Tabletten und Micropellets, welche mit Eudragit ummantelt sind. Dieser Stoff löst sich erst ab einem pH-Wert von 5,5 oder 6,0 auf. Im Magen herrscht ein pH-Wert von etwa 2,0, weshalb das Mesalazin unbeschadet im Dickdarm ankommen und dort seine Wirkung entfalten kann.

Die Dosierung richtet sich nach der Art und Stärke der CED. Bei einem akuten Schub ist eine höhere Dosis notwendig, als in der Remissionsphase. So schwanken die Dosierungen etwa zwischen 1,5 und 4,5 mg pro Tag. Eine Studie fand heraus, dass es bei der oralen Anwendung keinen Unterschied macht, ob die gesamte Tagesdosis einmal oder auf mehrere Einnahmen verteilt wird.5

Wichtig ist bei allen oralen Präparaten, dass Sie das Medikament unzerkaut und in einem Stück einnehmen. Das Halbieren oder Kauen beschädigt den Überzug, sodass der Wirkstoff bereits im Magen zersetzt und aufgenommen wird. Dadurch kann es zu einem Wirkungsverlust kommen.

Mesalazin Rektalschaum und Klysma

Wenn die Entzündungen nicht über die linke Dickdarmbiegung (Sigma) hinausgehen, wird Mesalazin gerne als Rektalschaum oder Klysma verabreicht. Die Anwendung davon hat den Vorteil, dass der Wirkstoff ohne den sogenannten First-Pass-Effekt im Dickdarm wirken kann. Die tägliche Dosis sind 1 bis 2 Gramm Mesalazin. Wenn die Entzündung über die linke Dickdarmbiegung hinausgeht, kann die rektale Therapie mit oralen Medikamenten ergänzt werden. Hier kann es laut der aktuellen Therapieleitlinie 6 sein, dass die Anwendung des Klysmas oder Schaums nur noch zweimal wöchentlich nötig wird.

Wichtig ist hierbei, dass der Darm vor der Anwendung entleert wird, damit der Wirkstoff länger an den betroffenen Stellen wirken kann.

Mesalazin Zäpfchen

Wenn die CED lediglich den Enddarm betrifft, können auch Mesalazin Zäpfchen verabreicht werden. Auch hier liegt der Vorteil darin, dass der Wirkstoff gleich an der Stelle wirken kann, an dem er gebraucht wird. Die tägliche Dosis befindet sich zwischen 1 und 3 Zäpfchen täglich über den Tag verteilt. Auch hier sollte der Darm nicht unmittelbar nach der Anwendung entleert werden, damit sich die volle Wirkung entfalten kann. Die rektale Anwendung wird vor allem bei der Colitis ulcerosa empfohlen.7

Bei der Anwendung von Mesalazin, gleich welche Darreichungsform, ist die regelmäßige Einnahme wichtig. Am besten ist es, das Medikament täglich zur gleichen Zeit einzunehmen, damit der Wirkspiegel konstant bleibt. Auch wenn die Symptome abklingen, sollte es noch weiter eingenommen werden, um den nächsten Schub hinauszuzögern und die Remissionsphase zu verlängern.

Wann sollte Mesalazin nicht angewendet werden?

Auch bei 5-ASA gibt es Kontraindikationen, wann es nicht angewendet werden sollten. Die wichtigsten Gegenanzeigen sind Allergien oder Unverträglichkeiten. Da Mesalazin mit Aspirin verwandt ist, sollten Sie das Mittel gegen CED nicht einnehmen, wenn Sie Aspirin nicht vertragen. Zudem sollten Sie darauf achten, dass Sie auch andere Bestandteile des Präparats vertragen, welches Ihnen verschrieben wurde.

Zudem ist es auch bei Erkrankungen der Leber und der Nieren kontraindiziert. Besondere Vorsicht ist auch bei der gleichzeitigen Einnahme von Immunsuppressiva wie Azathioprin geboten, da Mesalazin die Wirkung davon beeinflussen kann.

Nebenwirkungen von Mesalazin

Bei der Einnahme von Mesalazin zur Behandlung einer Colitis ulcerosa oder des Morbus Crohn kann es zu Nebenwirkungen kommen. Die Stärke und Häufigkeit dieser unerwünschten Wirkungen sind abhängig von der Darreichungsform und der Dosierung. Wir stellen Ihnen hier die häufigsten Nebenwirkungen vor.

Seltene Nebenwirkungen:

Selten kommt es zu Symptomen wie Schwindel, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen.

In seltenen Fällen kann Mesalazin aufgrund seiner starken Entzündungshemmung die Funktionsweise der Niere beeinträchtigen. Es wird daher empfohlen, bei längerfristiger Einnahme die Nierengesundheit zu überwachen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:

In einzelnen Fällen kann es zu diesen Symptomen kommen: Atemnot, Lungenentzündung8, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutbildveränderungen, Leberentzündung, Herzentzündungen9,  Blutbildungsstörungen.

Wenn Ihnen diese oder andere Symptome auffallen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen und Ihre Beobachtungen schildern.

Eine Studie zeigt, dass die durch 5-ASA induzierte Pankreatitis schwerere Verläufe hat als andere akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen10.

Zusammenfassung

Mesalazin (5-Aminosalicylsäure) ist ein entzündungshemmendes und antioxidatives Medikament, welches bei der Behandlung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt wird.

5-ASA hemmt die Bildung der Serie-2-Prostaglandine und greift hier im Arachidonsäure-Metabolismus ein. Darüberhinaus wirkt es selbst als Antioxidans und leicht immunsuppressiv. Die Wirkung ist größtenteils auf den Darm beschränkt und je nach Darreichungsform und Modifikation kann bestimmt werden, wo und wie der Wirkstoff im Darm seine Wirkung entfalten kann.

Während akuten Schüben kann Mesalazin die Symptome reduzieren und Remissionsphasen verlängern. Die Einnahme ist auch über längere Zeiträume recht sicher, kann jedoch in einzelnen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen. Es wird daher stets empfohlen, auch über Ernährung und Lebensführung für Entzündungslinderung zu sorgen.

Wie ist Ihre Meinung und Erfahrung mit Mesalazin? Würden Sie gerne etwas ergänzen? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Quellenverzeichnis

1: Hanauer SB (2016): Oral or Topical 5-ASA in Ulcerative Colitis. In: Dig Dis. 2016;34(1-2):122-4. doi: 10.1159/000443026. Epub 2016 Mar 16

2: Hauso Ø1, Martinsen TC, Waldum H. (2015): 5-Aminosalicylic acid, a specific drug for ulcerative colitis. In: Scand J Gastroenterol. 2015 Aug;50(8):933-41. doi: 10.3109/00365521.2015.1018937. Epub 2015 Mar 2.

3: Park H, Kim W, Kim D, Jeong S, Jung Y. (2019): Mesalazine activates adenosine monophosphate-activated protein kinase: Implication in the anti-inflammatory activity of this anti-colitic drug. In: Curr Mol Pharmacol. 2019 Mar 7. doi: 10.2174/1874467212666190308103448. [Epub ahead of print]

4: Shahdadi Sardo H, Saremnejad F, Bagheri S, Akhgari A, Afrasiabi Garekani H, Sadeghi F. (2019): A review on 5-aminosalicylic acid colon-targeted oral drug delivery systems. In: Int J Pharm. 2019 Mar 10;558:367-379. doi: 10.1016/j.ijpharm.2019.01.022. Epub 2019 Jan 18.

5: Zheng X, Zhang Z, Wang B, Li J, Qiu C, Zhang Q, Wang X. (2019): Efficacy and safety of once daily versus twice daily mesalazine for mild-to-moderate ulcerative colitis: A meta-analysis of randomized controlled trials. In: Medicine (Baltimore). 2019 Apr;98(14):e15113. doi: 10.1097/MD.0000000000015113.

6: Thieme AWMF online: Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa der Deutschen Gesellschaft
für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
(DGVS) URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-009l_S3_Diagnostik_Therapie_Colitis_ulcerosa_2018-10.pdf aufgerufen am 13.04.2019.

7: Marshall JK, Thabane M, Steinhart AH, Newman JR, Anand A, Irvine EJ. (2010): Rectal 5-aminosalicylic acid for induction of remission in ulcerative colitis. In: Cochrane Database Syst Rev. 2010 Jan 20;(1):CD004115. doi: 10.1002/14651858.CD004115.pub2.

8: Huang PH, Kuo CJ, Lin CW, Cheng YM, Hu HC, Lin CY, Su MY, Chiu CT. (2018): Mesalazine-related lung disease in a patient with ulcerative colitis: A case report. In: Medicine (Baltimore). 2018 Nov;97(48):e13242. doi: 10.1097/MD.0000000000013242.

9: Taha ME, Abdalla A, Al-Khafaji J, Malik S. (2019): Mesalamine-Induced Myopericarditis: A Case Report and Literature Review. In: Cardiol Res. 2019 Feb;10(1):59-62. doi: 10.14740/cr820. Epub 2019 Feb 24.

10:Meczker Á, Mikó A, Gede N, Szentesi A, Párniczky A, Gódi S, Hegyi P; Hungarian Pancreatic Study Group.(2019): Retrospective Matched-Cohort Analysis of Acute Pancreatitis Induced by 5-Aminosalicylic Acid-Derived Drugs. In: Pancreas. 2019 Apr;48(4):488-495. doi: 10.1097/MPA.0000000000001297.

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