Unser kompletter Magen-Darm-Trakt einfach erklärt

Magen-Darm-Trakt Aufbau, Wirkungsweise und Funktion

Zwischen Nahrungsaufnahme (Essen und Trinken) und Ausscheidung (Sie wissen schon…) liegen grob gesagt zwölf Meter Distanz und 70 Stunden Zeit. Was dazwischen im Magen-Darm-Trakt alles passiert wird schnell übersehen. Schade – denn unser Verdauungstrakt ist an Superlativen und interessanten Aufgaben kaum zu übertreffen!

Lesen Sie hier mehr über die Verdauung im Einzelnen und welche häufigen Probleme bestehen können. Außerdem erfahren Sie welchen Einfluss der Magen-Darm-Trakt auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen hat.

Magen-Darm-Trakt - kurze Zusammenfassung
  • Der Magen-Darm-Trakt beinhaltet alle Organe, die mit der Aufnahme, Zerkleinerung, Verdauung und Ausscheidung von Nahrungsmitteln zu tun haben.
  • Dünn- und Dickdarm bilden das Kernelement der Verdauung und weisen zusammen eine Länge von zehn bis zwölf Metern auf.
  • Fehler oder Schäden im Magen-Darm-Trakt verursachen Erkrankungen des Stoffwechsels und des Immunsystems und wirken sich negativ auf die Lebensqualität der Betroffenen aus.
  • Eine ungesunde Lebensführung ist der häufigste Grund derartiger Probleme. Eine gesunde Lebensführung kann entstandene Schäden überwiegend rückgängig machen.

Fakten zum Magen-Darm-Trakt

Wir haben Ihnen Superlativen versprochen? Die sollen Sie bekommen. Wir werfen nun ein paar wichtige Fakten zum Magen-Darm-Trakt in den Raum. Die einzelnen Punkte werden im Laufe des Artikels nach und nach noch ausführlicher erklärt.

Wir finden, es zeigt auf Anhieb, wie interessant unser Verdauungssystem ist7,12:

  • Der Magen ist fast so sauer (pH-Wert) wie eine Autobatterie (s. Gastritis)
  • Im Laufe des Lebens muss unser Magen-Darm-Trakt circa 45 t Nahrung verdauen, was neun ausgewachsenen Elefanten entspricht
  • Der Dünndarm ist acht bis zehn Meter lang, der Dickdarm etwa zwei Meter
  • Der gesamte Darmtrakt (Dünndarm und Dickdarm) hat auseinander gefaltet eine Oberfläche von 180 m² (ein halbes Fußballfeld), ist jedoch nur wenige Tausendstel Millimeter dick
  • Ein Tropfen Dickdarm-Flüssigkeit enthält mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt
  • Die meisten Ihrer Immunzellen sind im Darm – da geht es heiß her!
  • Sie haben mehrere 10000 Nervenzellen direkt im Darm – am sogenannten Bauchgefühl ist etwas dran

Verstehen Sie nun, warum wir so fasziniert von unserem Verdauungsapparat sind? Und das nicht erst seit Giulia Enders Buch „Darm mit Charme“. Hier entscheidet sich im Grunde Ihre Gesundheit – im Magen-Darm-Trakt. Krank oder gesund, wohlgenährt oder Nährstoffmangel – das alles entscheidet sich im Darm!

Unser Magen-Darm-Trakt in der Kurzfassung

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Apfel. Sie werden von einem Menschen gegessen und durchlaufen den kompletten Verdauungsapparat. Wie läuft das ab?

Im Mund werden Sie mechanisch zerkleinert, mit Speichel vermischt und runtergeschluckt. Der Apfelbrei wandert durch die Speiseröhre in den Magen, wo er angesäuert wird. Das tötet Bakterien auf der Oberfläche ab und lässt Proteine und Ballaststoffe aufquellen, damit es gleich „bekömmlicher“ wird.

Durch die Magenpforte geht es über den Zwölffingerdarm Richtung Dünndarm. Im Zwölffingerdarm werden Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse und der Galle mit dem Apfelbrei vermischt. Diese enthalten Enzyme, die die Proteine und Kohlenhydrate zerkleinern, und auch Gallensalze, die die Fette aufnehmen.

Da Sie kein Fett enthalten, ist die Galle wichtig für die Ballaststoffe. Gallensalze bestehen aus Cholesterin und werden von den Ballaststoffen in den Darm gezogen. So wird der Körper übrigens auch überschüssiges Cholesterin los.

Im Dünndarm, welcher acht bis zehn Meter lang ist, werden die wichtigsten Nährstoffe aufgenommen: Zucker, Aminosäuren (Abbauprodukte aus Protein), Fett, Vitamine und ein Großteil des Wassers. Nach wenigen Stunden geht es in den Dickdarm, wo der letzte Rest Wasser aufgenommen wird und die Ballaststoffe von Darmbakterien vergoren werden.

Sind auch die Ballaststoffe abgebaut und die Bakterien hatten ihr Festmahl, wird alles, was noch übrig bleibt (und ein paar Bakterien) ausgeschieden. Und das landet im Töpfchen.

So dauert es bis zu drei Tage, bis ein Apfel vollständig verdaut wurde. Der längste Teil davon ist im Dickdarm, also die Vergärung durch Bakterien. Die sind eher gemütlich und lassen sich etwas Zeit bei der Arbeit.

Im Folgenden soll es detailliert um die einzelnen Teile des Verdauungsapparates gehen:

Magen-Darm-Trakt Aufbau und Funktionen

Magen

Der Magen ist – und das klingt jetzt wahnsinnig unfreundlich, ist aber die Wahrheit – ein mit Schleim überzogener Fleischsack. Das ist wichtig, wenn Sie wissen, was der Magen für Aufgaben hat:

Er ist der sauerste Teil des gesamten Körpers. Denn nach der mechanischen Zerkleinerung im Mund muss die Säure im Magen die Nahrung chemisch zerkleinern. Besonders Proteine und Ballaststoffe sind von Natur aus dichte Knäuel und umständlich zu verdauen.

Die Magensäure ist wichtig, damit sich diese Bestandteile auffalten wie eine eingerollte Zeitung: Bevor Sie jede einzelne Seite lesen wollen, müssen Sie die Zeitung auseinanderrollen und auffalten. Das spielt sich im Magen ab.

Eine weitere wichtige Funktion ist das Desinfizieren der Nahrung. Alles, was wir essen – es sei denn, es ist steril produziert und gekocht – enthält Mikroorganismen. Bakterien, Viren, Schimmelpilze, Fliegeneier – Lebewesen aller Art. Die Magensäure tötet diese Lebewesen ab, damit sie nicht im Darm landen und den Körper infizieren können.

Sie sehen: Die Magensäure ist absolut essenziell für die Arbeit des Magens. Problematisch wird es eher, wenn er zu sauer wird – oder nicht sauer genug ist. Dann erhöht sich die Gefahr einer Gastritis (Magenentzündung) oder Reizmagen sowie dem allseits bekannten Sodbrennen.

Gleichzeitig müssen sich die Zellen im Magen vor der Säure schützen. Deswegen sind sie von einer dicken Schleimschicht umgeben. Die Säure kann den Zellen nichts anhaben.

Weitere Aufgaben des Magens sind die Produktion von Verdauungsproteinen (Pepsinogene, Intrinsic Factor). Diese werden heute aber nicht so wichtig sein.

Zusammengefasst sind die wichtigsten Aufgaben des Magens: Desinfektion der Nahrung, Zerkleinerung, Ansäuerung und Zerstörung von Nahrungsbestandteilen, Durchmischung des Nahrungsbreis und die Instandhaltung der Schleimschicht, um die Magenzellen zu schützen.

Ist die Nahrung genug angesäuert und gemischt, lässt der Pförtner diesen sauren Nahrungsbrei Richtung Dünndarm.

Dünndarm

Im Zwölffingerdarm wird der Nahrungsbrei aus dem Magen entsäuert und mit Verdauungssäften gemischt. Diese Verdauungssäfte sind für die spätere Aufnahme wichtig. Denn Sie werden merken, dass der Darm nur bestimmte Stoffe aus der Nahrung aufnehmen kann. Würde er alles aufnehmen, was da so herumschwimmt, könnten auch Giftstoffe und Krankheitsträger ungehindert in den Körper gelangen. Das wäre fatal.

Daher werden hier Verdauungssäfte dazugegeben, um später die Aufnahme zu erleichtern: Verdauungsenzyme, die Kohlenhydrate und Proteine abbauen, Gallensalze für die Fettaufnahme, Basen für die Neutralisation der Magensäure.

Das sind Tag für Tag mehrere Liter Verdauungssäfte, die hier zum Nahrungsbrei dazu kommen. Eine ziemliche Plackerei, die im Laufe des Lebens auf die Verdauung zukommt.

Der Zwölffingerdarm heißt so, weil er so lang ist wie zwölf nebeneinander gelegte Finger.

Der Dünndarm ist der mit Abstand längste Teil des Magen-Darm-Traktes. Er hat eine so große Oberfläche, um möglichst viele Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen zu können. Pure Effizienz! Er ist eher dünn mit Mikroorganismen besiedelt. Das ist auch gut so, damit die kleinen Einzeller dem Körper keine wichtigen Nährstoffe wegschnappen können.

Daher überwacht das Immunsystem sehr genau, wie viele Einzeller im Dünndarm unterwegs sind und greifen ein, wenn es zu viele werden. Sollte es zu einer Überbesiedlung mit Mikroorganismen (SIBO) kommen, ist das ein Problem für die gesamte Gesundheit.

Die riesige Oberfläche des Dünndarms kommt aus einer mehrdimensionalen Ausstülpung der Darmzellen7. Eine große Oberfläche bedeutet auch, dass der Bereich anfällig für Verletzungen ist. Wenn das passiert, können Löcher im Darm (Leaky Gut Syndrom) entstehen. Das ist Bestandteil eines anderen Artikels.

Die Darmschicht ist nur wenige tausendstel Millimeter dick – genauso dick wie eine Zelle. Auf diese eine Zellschicht warten bedeutende Aufgaben. Sie sind dem ständigen Bombardement aus Giftstoffen und einzelnen Krankheitserregern ausgesetzt.

Eine durchschnittliche Darmzelle überlebt hier nur fünf Tage, ehe sie stirbt und von einer neuen Zelle ersetzt wird. Das ist auch ein wichtiger Auslöser für Leaky Gut Syndrom. Die Darmzellen haben schlichtweg zu wenige Nährstoffe, um schnell genug nachwachsen zu können.

Sind die Nahrungsbestandteile dann abgebaut, gelangen sie durch diese Zellschicht in den Blutkreislauf und nähren Ihren Körper. Von dem Nahrungsbrei sind jetzt hauptsächlich nur noch Ballaststoffe und ein bisschen Wasser übrig. Kohlenhydrate, Proteine, Fett, Salz und Vitamine wurden bereits überwiegend aufgenommen. Den Rest erledigt der Dickdarm.

Blinddarm

Zwischen Dünndarm und Dickdarm liegt der allseits bekannte Blinddarm. Allseits bekannt, weil jeder jemanden kennt, dem der Blinddarm entnommen werden musste. Bis vor Kurzem wusste man noch nicht, welche Aufgabe der Blinddarm hat (teilweise weiß man das immer noch nicht).

Der Blinddarm ist eine Art Stummel, ein Blindgänger. Die gängigste Theorie besagt, dass der Blinddarm ein Reservoir für Darmbakterien darstellt. Sollte infolge einer schlimmen Infektion oder einer anderen Erkrankung die Darmflora im Dickdarm komplett ausradiert werden, finden sich im Blinddarm immer noch genug Bakterien, um den Dickdarm wieder zu besiedeln.

Das ist wichtig, damit keine schädlichen Bakterien und Schimmelpilze den leergefegten Dickdarm besiedeln.

Dementsprechend ist der Blinddarm auch nicht überlebensnotwendig. Er war aber in der Evolution des Menschen von Vorteil, wenn es zu einer akuten Darminfektion kam. Auf die eigentliche Verdauung hat der Blinddarm keinen Einfluss.

Anmerkung: Ebenso war eine Entzündung des Blinddarms bis vor 200 Jahren ein Todesurteil – heute reicht eine kleine Operation. Aber eine Darminfektion kommt wesentlich häufiger vor als eine Blinddarminfektion.

Dickdarm

Dieser Teil des Magen-Darm-Trakt ist ein bis zwei Meter lang, aber fast so dick wie eine Faust. Hier befinden sich im direkten Vergleich eine Million mal mehr Bakterien als im Dünndarm.

Zunächst wird im Dickdarm Wasser aus dem Nahrungsbrei aufgenommen, genauso wie Salze. Der Stuhl wird also vorbereitet. Da Wasser lebensnotwendig ist, wird dem Nahrungsbrei alles entzogen, was noch möglich ist.

Gleichzeitig sind da die Darmbakterien oder besser gesagt die Darmflora. Die Darmflora verstoffwechselt alles, was im Nahrungsbrei übrig und verwertbar ist.

Sie tragen etwa zwei Kilogramm Bakterien in Ihrem Dickdarm jeden Tag spazieren. Aber kommen Sie bloß nicht auf die Idee, diese zwei Kilogramm „abspecken“ zu wollen. Denn diese kleinen Helferlein im Darm sind lebensnotwendig2-5,9! Ihre Aufgaben sind nämlich folgende:

  • Abbau von Ballaststoffen in kurzkettige Fettsäuren (gesunde Fette), die der Körper aufnehmen kann.
  • Produktion von Vitaminen6 und Hormonen14 für den Körper
  • Stete Kommunikation mit dem Immunsystem, daher auch „Training“ des Immunsystems.
  • Platzhalter im Dickdarm1,8, damit sich dort keine Krankheitserreger niederlassen können
  • Direkte Kommunikation mit dem Gehirn (Darm-Hirn-Achse2) und somit Einfluss auf Ihr Glück und Wohlbefinden

Daher ist es so wichtig, den Darm zu hegen und zu pflegen. Nicht nur den Dünndarm, damit er fleißig Nährstoffe aufnehmen kann, sondern auch die kleinen Helferlein im Dickdarm. Sie sind nicht der Feind, sie sind wichtig!

Ziel sollte sein, den Darm aktiv und ohne Schaden zu erhalten, und die richtigen Darmbakterien zu pflegen. Wie das geht, erfahren Sie im Artikel über Lebensmittel für einen gesunden Darm.

Enddarm

Hier sprechen wir schon lange nicht mehr von Nahrungsbrei, sondern von Stuhl. Er ist im Idealfall fest, aber nicht zu fest. Zu fest würde bedeuten, dass die Darmwand Schäden nimmt, wenn der feste Brei sich dort den Weg bahnt.

Der Stuhl besteht etwa zu 50 % aus unverdaulichen Ballaststoffen und deren Abfallprodukten und zu 50 % aus Bakterien – tot und lebendig. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen im Darm, auch bei den kleinen Helferlein. Im Enddarm wird der Kot zwischengespeichert und überprüft:

Wie fest ist der Stuhl, wie viel ist es, wie ist die Zusammensetzung? Ist er sauer? Ist Gas mit dabei? Fleißige Darmzellen überprüfen das und melden dem Gehirn, wann es Zeit ist, aufs Töpfchen zu gehen:

Anus

Was hier geschieht, wissen Sie.

Nun wissen Sie, wie die Verdauung abläuft und was im Einzelnen passiert. Doch Sie sind sicher auch hier, weil Sie wissen möchten, welche Probleme im Darm entstehen können, oder?

Was passiert, wenn es im Darm schiefläuft, und welche Probleme sich daraus im Alltag ergeben können.

Häufige Probleme im Magen-Darm-Trakt

Es folgt eine kleine Auflistung von Problemen, die üblicherweise auftreten. Von Ihnen wurden Sie vielleicht das ein oder andere Mal geplagt:

Gastritis

Ein Bakterium namens Helicobacter pylori lebt in 50 % aller deutschen Mägen. Wenn es nicht geärgert wird, ist es kein Problem. Aber es frisst sich manchmal gerne durch die Magenschleimwand und infiziert die Magenzellen dort.

Gleichzeitig kann die Magensäure ungehindert auf die Magenzellen treffen und an dieser Stelle eine heftige Entzündung auslösen. Auch einige Autoimmunerkrankungen sind mit Gastritis in Verbindung gebracht worden. Was Sie gegen Gastritis aktiv unternehmen können, erfahren Sie im hinterlegten Beitrag.

Verstopfung

Dies tritt typischerweise im Dickdarm auf. Wenn der Stuhl zu viel ist oder zu trocken, verstopft er schnell den Dickdarm. Die häufigste Ursache für Verstopfung ist nicht der Verzehr von täglich 1000 Bananen, sondern von übermäßig ungesundem Essen.

Denn bei einer Vielzahl von industriellem Fertigessen, das unser Darm von Natur her nicht kennt, entstehen Ungleichgewichte, die Verstopfung begünstigen.

Verstopfung kann als Teil des Reizdarmsyndroms auftreten. Wie Sie das erkennen, erfahren Sie hier (Reizdarm Symptome).

Unsere Geheimtipps gegen Verstopfung: Kaffee, Knochenbrühe, Kräutertee (Pfefferminze, Fenchel-Anis-Kümmel, Schafgarbe), Leinsamen, Flohsamen, Kombucha, viel trinken15.

Durchfall

Bei einem Ungleichgewicht von Mikroorganismen im Dickdarm, bei einer akuten Darminfektion, bei zu viel Flüssigkeit im Stuhl und bei abführenden Lebensmitteln kann es passieren, dass der Stuhl zu flüssig ist. Dann sprechen wir von Durchfall.

In dem Fall empfehlen wir Ihnen, auf Lebensmittel für einen gesunden Darm zurückzugreifen, vor allem Probiotika1,8 sind dann wichtig.

Magen-Darm Infekt

Der Magen tötet nicht immer 100 % aller Mikroorganismen ab. Ein paar Bakterien oder Viren schaffen es immer irgendwie in den Dünndarm und Dickdarm. Unser Immunsystem schafft es auch nicht immer, alle Krankheitserreger dort sofort zu neutralisieren. Kommt es  zum Infekt, verdrängen die Erreger die nützlichen Darmbakterien, infizieren die Darmzellen und gelangen im schlimmsten Fall in den Körper.

Wenn das der Fall ist, sind die zwei wichtigsten Regeln: Auf äußerste Hygiene achten und zum Arzt gehen, wenn sich der Infekt nicht nach drei Tagen von allein erledigt hat.

SIBO

Im Dünndarm leben normalerweise nicht viele Mikroorganismen. Ist das Immunsystem hier jedoch zu inaktiv oder werden zu wenig antibakterielle Stoffe produziert (Defensine) oder ist der Darm einfach träge, kann es zur Überbesiedlung kommen.

Manche Bakterien – auch Pilze – sabotieren die Verdauung im großen Stil. Neben Autoimmunerkrankten sind auch „gesunde Menschen“, die an chronischer Müdigkeit leiden, oft von SIBO betroffen.

Es gibt ein paar Dinge, die dagegen helfen. Es gibt Wege, wie SIBO vom Arzt diagnostiziert werden kann. Folgen Sie dazu diesem Link (SIBO).

Leaky Gut

Wir sagten bereits des Öfteren, dass die Darmwand dünn ist. Zudem hat eine Darmzelle nur wenige Tage zu leben. Wird die Darmwand beschädigt und können die Darmzellen nicht schnell genug nachwachsen, können Löcher im Darm entstehen.

Schadstoffe und Krankheitserreger können dann ungehindert in den Körper gelangen. Das kommt einem Super-GAU für die Gesundheit gleich.

Die meisten Autoimmunerkrankungen sind mit einem kaputten Darm in Verbindung gebracht worden10. Ein entscheidender Teil der Behandlung von Autoimmunerkrankungen ist daher auch die Genesung des Darms. Mehr über Leaky Gut Syndrom erfahren Sie im hinterlegten Beitrag.

Blähungen

Wenn die Helferlein im Dickdarm Ballaststoffe abbauen, können sowohl Gase als auch Nicht-Gase entstehen. Nicht-Gase sind üblicherweise gesunde Stoffe wie Hormone und kleine Fette, die auch der Körper aufnehmen kann. Gase dagegen sind ein Problem:

Der Körper kann nicht viel mit ihnen anfangen und sie nehmen ein weitaus größeres Volumen ein als Nicht-Gase. Bei einer falschen Besiedlung des Dickdarms oder bei zu vielen Ballaststoffen in der Ernährung (unwahrscheinlich, aber möglich) kommt es daher zur übermäßigen Gasbildung. Auch bekannt als Blähungen.

Hier hilft vor allem eine Ernährungsumstellung zu einer gesünderen Ernährung wie der Paleo Ernährung12-13. Dadurch gelangen auch ein paar gesunde Bakterien in den Dickdarm.

Lebensmittel für einen gesunden Darm ergänzen das sehr gut.

Darmkrebs

Eine der häufigsten und tödlichen Krebsarten überhaupt ist der Darmkrebs. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Es ist aber noch nicht bekannt, ob sich Männer ungesünder ernähren oder ob es doch der höhere Eisenspiegel ist.

Darmkrebs ist deswegen ein so häufiger Krebs, weil die Zellen im Darm ständig wachsen und sich erneuern müssen. In metabolisch aktiven Geweben ist Krebs wahrscheinlicher als in inaktiven. Außerdem sind diese Zellen ständig dem Bombardement aus Krankheitserregern und Giftstoffen aus der Nahrung ausgeliefert. Auch diese begünstigen die Entstehung von Mutationen, die Krebs auslösen können.

Autoimmunerkrankungen

Fast jede Autoimmunerkrankung ist mit Problemen im Darm assoziiert. Meistens ist das Leaky Gut Syndrom. Forscher können sogar Autoimmunerkrankungen künstlich „machen“, wenn sie Schäden im Darm herbeiführen. Diese Autoimmunerkrankungen müssen nicht auf den Darm bezogen sein (Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa), sondern können sich auch im gesamten Körper ausbreiten:

Diabetes Typ 1, Lupus erythematodes, Rheumatoide Arthritis, Hashimoto Thyreoiditis, Multiple Sklerose, Neurodermitis… Die Liste wird länger und länger.

Mit einem gesunden Darm können Autoimmunerkrankungen nicht nur vorgebeugt werden. Auch bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen kann hier eine wichtige Ursache der Erkrankung beseitigt werden, indem der Darm wieder gesundet und geflickt wird.

Mehr Informationen dazu finden Sie in den hinterlegten Artikeln.

Fazit – der Magen-Darm-Trakt ist ein Meisterwerk der Natur

Es lassen sich Bücher über Bücher über den Magen-Darm-Trakt schreiben. Was er alles kann, was er täglich macht, welche Mikroorganismen darin leben und welche Probleme entstehen können.

Jeder Abschnitt im Magen-Darm-Trakt hat eine wichtige Aufgabe für das Gesamtziel: die Aufnahme von lebenswichtigen Nährstoffen und Schutz des Körpers vor Giftstoffen und Krankheitserregern.

Bei Problemen im Magen-Darm-Trakt werden Autoimmunerkrankungen begünstigt. Hier liegt auch eine zentrale Ursache, die es bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen zu beseitigen gilt.

Das Thema Darmgesundheit zieht sich durch fast jeden Beitrag auf dieser Website. Also unterschätzen Sie bitte nicht die Wichtigkeit eines gesunden Magen-Darm-Traktes für Körper, Geist und Immunsystem.

Sollten Sie öfters an Darmproblemen leiden, könnte Leaky Gut dahinterstecken. Hier (Leaky Gut Syndrom) finden Sie mehr Informationen über Leaky Gut. Was genau ihn auslösen kann und was man dagegen machen kann.

Quellenverzeichnis
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  2. Dinan, Timothy G.; Cryan, John F. (2017): The Microbiome-Gut-Brain Axis in Health and Disease. In: Gastroenterology clinics of North America 46 (1), S. 77–89. DOI: 10.1016/j.gtc.2016.09.007.
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  4. Kumar, Himanshu; Lund, Riikka; Laiho, Asta; Lundelin, Krista; Ley, Ruth E.; Isolauri, Erika; Salminen, Seppo (2014): Gut Microbiota as an Epigenetic Regulator: Pilot Study Based on Whole-Genome Methylation Analysis. In: mBio 5 (6). DOI: 10.1128/mBio.02113-14.
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