Jod bei Hashimoto – die ganze Wahrheit

Jod bei Hashimoto, Sushi, Algen, Fisch

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019 um 12:10

Kaum ein Thema beschäftigt Hashimoto Thyreoiditis-Patienten und Ärzte gleichermaßen wie das Thema Jod bei Hashimoto.

Die einen sagen, die Schilddrüse braucht Jod unbedingt, während die anderen auf Studien9 verweisen, bei denen Jod Hashimoto eher verschlimmern kann. Die damit einhergehende Verwirrung ist für beide Seiten schlecht, für die Betroffenen ein Graus.

Warum die Schilddrüse Jod braucht und wie mit Jod bei Hashimoto zu verfahren ist, erfahren Sie hier.

Der Jodstoffwechsel der Schilddrüse

Um zu verstehen, wie es sich mit Jod und Hashimoto verhält, ist es zunächst wichtig, einen Blick auf den Jodstoffwechsel der Schilddrüse zu werfen.

Jod (chemisch korrekt Iod) ist ein Halogenid und ist eng mit Fluor und Chlor verwandt. Die Schilddrüse benötigt Jod, um die wichtigen Hormone fT4 und fT3 zu produzieren. Der gesamte menschliche Körper benötigt Jod, da Jod nicht nur in der Schilddrüse wirkt, sondern in jeder einzelnen Zelle des Körpers. Für die Brustkrebsprävention etwa nimmt Jod eine entscheidende Rolle ein.

Bleiben wir bei der Schilddrüse11-13: Jod wird in Nahrungsmitteln als Jodid zugeführt. Ein Enzym namens Thyreoperoxidase oxidiert das Jodid, dabei entsteht eine geringe Menge H2O2 (Wasserstoffperoxid), das in freie Radikale zerfällt. Das oxidierte Jod wird nun in der Schilddrüse gespeichert oder zu fT4 weiterverarbeitet.

Diese Reaktion ist notwendig, um Jod zu aktivieren.  Sie produziert geringe Mengen freier Radikale, die Stress für die Schilddrüse bedeuten9. Hier wird schon einmal klar, dass Jod im Überfluss eine ohnehin geschädigte Schilddrüse weiter stressen kann.

Jodmangel – Ursache vieler Schilddrüsenprobleme

Jod ist schwierig: Zu wenig Jod begünstigt eine Entzündung der Schilddrüse, eine Schilddrüsenunterfunktion und die Bildung eines Kropfes. Wie Sie gleich noch erfahren werden, bedeutet zu viel Jod unter gewissen Umständen Schaden für die Schilddrüse.

Grundsätzlich ist es in Deutschland so, dass die meisten Menschen unter Jodmangel leiden. Eine Studie an circa 100.000 deutschen Erwachsenen4 hat ergeben, dass die meisten von ihnen unter Jodmangel leiden und jeder zweite Schilddrüsenprobleme hat, die meisten davon, ohne es zu wissen.

Es ist daher ratsam, auf ausreichend Jod in der Nahrung zu achten: Eier, Milchprodukte, Fisch und Meeresfrüchte sind dafür die besten Quellen.

Doch bei Hashimoto Thyreoiditis ist es ein wenig anders: Hier kann Jod die Hashimoto Symptome eher noch verschlimmern!

Ist Jod bei Hashimoto Thyreoiditis schädlich?

Der Körper braucht Jod, die Schilddrüse braucht Jod5-6. Jedoch bedeutet die Aktivierung und die Speicherung von Jod geringfügigen Stress für die Schilddrüse.

Bei Hashimoto ist die Schilddrüse chronisch entzündet und stark geschwächt. Die Einnahme von zu viel Jod kann daher unnötig weiteren Stress bedeuten. Bevor bei Hashimoto Jod eingenommen wird, gibt es ein paar weitere Faktoren zu beachten. Mehr dazu im Abschnitt „Hashimoto Ernährung und Nährstofftherapie“.

Kyra Hoffmann schreibt in ihrem Buch „Jod – Schlüssel zur Gesundheit“, dass Jod nicht das Problem oder die Hashimoto Ursache ist, sondern ein Symptom. Vergleichen Sie es mit Reizmagen:

Der Magen ist entzündet und stark gereizt, der Körper benötigt trotzdem Essen. Immer, wenn Sie dann etwas essen, reagiert der Magen mit starken Schmerzen. Oberflächlich betrachtet löst also das Essen die Schmerzen aus, also lieber nichts mehr essen? Was jedoch falsch ist, da der Körper trotzdem das Essen benötigt.

Genauso verhält es sich mit Hashimoto Thyreoiditis und Jod: Die Schilddrüse benötigt zwar das Jod, ist aber chronisch entzündet und reagiert deswegen sehr sensibel auf Jod. Aber Jod ist grundsätzlich nicht der Feind. Dazu gleich mehr.

Was passiert, wenn man Jod bei Hashimoto einnimmt?

Hashimoto Patienten können davon berichten: Sie essen einen Algensalat, Sushi oder eine große Portion Seelachs. Schon kurze Zeit später reagiert der Körper mit Herzklopfen, Schweiß, Unwohlsein und zittrigen Gliedern. Das klassische Syndrom einer Schilddrüsenüberfunktion.

Was ist passiert? In den Nahrungsmitteln war reichlich Jod enthalten. Dieses Jod hat die Schilddrüse aufgenommen und dabei einen kleinen Entzündungsprozess in Kauf genommen. Das hat die Entzündung an der Schilddrüse weiter verstärkt und einen Krankheitsschub ausgelöst.

Um dies zu verhindern und um weitere Schäden an der Schilddrüse vorzubeugen, muss Jod bei Hashimoto vorsichtig behandelt werden.

Warum kein Jod bei Hashimoto Thyreoiditis?

Weil es zusätzlichen Stress für die Schilddrüse bedeutet. Weil die Schilddrüse erst mal auf anderem Wege zu Atem kommen und etwas regenerieren muss. Jod spielt eine wichtige Rolle später in der Behandlung, in der Anfangsphase sollte ihr jedoch eine kleine Jodpause gegönnt werden. Wir empfehlen daher, für eine gewisse Zeit auf jodreiche Lebensmittel zu verzichten.

Wie lange? Auf jeden Fall, bis ein aktueller Schub vorüber ist. Besser noch so lange, bis Ihre Schilddrüse wieder mehr Antioxidantien zur Verfügung hat, um sich vor Entzündungen zu schützen. Dazu gleich mehr.

In dieser jodfreien Zeit sollte auf verschiedenen Wegen die Schilddrüse anderweitig unterstützt werden, dazu mehr im Abschnitt „Ernährung und Nährstofftherapie“. Zunächst ist jedoch eine starke Reduktion von Jod über die Nahrung nötig:

Jodarme Ernährung bei Hashimoto

In der jodfreien Zeit verzichten Sie also auf folgende Nahrungsmittel, die am meisten Jod in Ihrer Ernährung enthalten:

  • Jodiertes Speisesalz
  • Fertignahrungsmittel mit jodiertem Speisesalz (generell Fertignahrungsmittel)
  • Fisch
  • Meeresfrüchte
  • Algen, Algensalat und Sushi
  • Eier
  • Milchprodukte (Ausnahme: stichfester Naturjoghurt für die Darmgesundheit)

Dadurch kommt die Schilddrüse zum Durchatmen. Jod bedeutet zusätzlichen Stress, in dieser Zeit wird der Stress minimiert und anderweitig vorgegangen:

Ernährung und Nährstofftherapie bei Hashimoto

In diesen zwei Monaten muss die Schilddrüse um jeden Preis mit Nährstoffen und Antioxidantien aufgetankt werden. Erst danach wird wieder Jod zugeführt und trägt dann zur Regeneration bei. Gleichzeitig muss der Autoimmunprozess durch die Autoimmunerkrankung reduziert werden. Dies erreichen Sie am besten mit den umfangreichen Ratschlägen hier (Hashimoto Ernährung).

Das Wichtigste können wir Ihnen aber hier zusammenfassen:

Während dieser Zeit und darüber hinaus ist eine angepasste, gesunde Ernährung und eine Nährstofftherapie nötig. Die Schilddrüse muss lernen, wieder mit Jod umzugehen. Das passiert über verschiedene Nährstoffe, die die Entzündung reduzieren und die antioxidative Kapazität der Schilddrüse erhöhen. Auf diese Weise sorgt Jod nicht mehr für die typischen Symptome einer Schilddrüsen-Überfunktion (s. Hashimoto Symptome).  Es ist nämlich notwendig für eine gesunde Schilddrüse und muss früher oder später wieder zugeführt werden.

Integrieren Sie daher folgende Faktoren in Ihren Alltag:

Berücksichtigen Sie dazu bitte die in diesem Artikel (Hashimoto Ernährung) erwähnten Punkte über die Nährstofftherapie. Abschließend:

  • Stress abbauen im Alltag: Weniger aufbürden, Zeit für sich selbst nehmen, Sonne und Natur genießen
  • Gesunder Schlaf, denn der Körper (und die Schilddrüse) regeneriert im Schlaf

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um die wichtigsten Ratschläge zur Regeneration der Schilddrüse handelt. Die ausführlichen Informationen finden Sie in diesem Artikel (Hashimoto Ernährung) . Auf diese Weise erholt sich Ihre Schilddrüse innerhalb weniger Wochen bis Monate, besonders durch Selen, Vitamin C und Cystein sehr stark und erhöht die antioxidative Kapazität. Die Schilddrüse lernt also, die Entzündung aus eigener Kraft zu bekämpfen und Jod wieder risikofrei zu verarbeiten. Der Rest tut sein Übriges.

In jedem Fall sollten Sie während des gesamten Zeitraums mit einem Arzt oder Therapeuten in engem Kontakt stehen. Ihre Schilddrüsengesundheit sollte engmaschig überwacht werden, um sofort Änderungen (positive wie negative) auf die Schilddrüse feststellen zu können.

Wenn ein Rückgang der Entzündungsreaktion spürbar (bei Ihnen) oder messbar (Routineuntersuchung beim Arzt) ist, können Sie unter Beibehaltung der genannten Ratschläge mit dem langsamen Einschleichen von Jod bei Hashimoto beginnen:

Wie viel Jod bei Hashimoto Thyreoiditis?

Die gesunde Schilddrüse braucht Jod, um zu funktionieren. Jod hat die Fähigkeit, die Schilddrüsengesundheit wieder zu verbessern. Wenn Sie nun über die oben genannten Ratschläge die Entzündungen der Schilddrüse gelindert und die Schilddrüse mit Nährstoffen versorgt haben, können Sie mit dem Einschleichen beginnen.

Einschleichen bedeutet, dass die Joddosis langsam wieder erhöht wird. Sie beginnen mit niedrigen Dosierungen und steigern sich langsam. Sobald Sie etwas Kontraproduktives merken, wie leichte Anzeichen einer Überfunktion, reduzieren Sie die Joddosis wieder8. Immer so weiter, bis Sie wieder in einem natürlichen Bereich liegen (200-500 µg Jod täglich).

Generell sollte die Einführung von Jod nie während eines Schubs erfolgen. Warten Sie daher bitte zuerst, bis der Schub vorbei ist.

Beginnen Sie mit 50 µg Jod täglich in Form von 50 g Fisch oder einer zerkleinerten Tablette Kaliumjodid (in Apotheken erhältlich). Steigern Sie die Dosierung alle drei Tage um 50 µg.

Vergessen Sie bitte nicht: Nährstofftherapie und gesunde Ernährung müssen fortgesetzt werden. Außerdem sollte ein Arzt oder Therapeut, der Erfahrung im Umgang mit Jod hat, Ihnen zur Seite stehen.

Welche Ergebnisse haben Sie damit zu erwarten? Wenn Sie diese Ratschläge berücksichtigen und die schulmedizinische Therapie mit L-Thyroxin damit ergänzen, sind gute Ergebnisse zu erwarten. Die Symptome von Hashimoto werden reduziert, ebenso wie die Entzündung der Schilddrüse. Sie können wieder mehr Energie verspüren und weniger unter den Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion leiden. In einigen Fällen ist sogar eine Remission möglich, also ein völliges Abklingen der Symptome.

Mit der Kombination aus schulmedizinischer Hashimoto Behandlung, Ernährung und Nährstofftherapie sind die besten Ergebnisse zu erwarten.

Weitere Unterstützung

Es gibt eine Facebook-Gruppe zum Thema Jod und Schilddrüsengesundheit, die von Kyra Hoffmann selbst geleitet wird. Zu weiteren Informationen empfehlen wir Ihnen, dieser Gruppe beizutreten und sich dort Rat einzuholen:

Jod – das unbekannte Heilmittel

Fazit – Jod bei Hashimoto

Paradoxerweise kann Jodmangel Probleme der Schilddrüse mitverursachen, bei Hashimoto ist jedoch trotzdem Vorsicht geboten. Die Jodeinnahme sollte für einige Zeit drastisch reduziert werden und die Entzündung der Schilddrüse erst mal verbessert werden.

Was dann folgt, ist ein langsames Einschleichen von Jod bei Hashimoto in einen natürlichen Bereich, um die Schilddrüsenfunktion weiter zu verbessern.

Schulmedizinische Therapie, Ernährung und Nährstofftherapie ergänzen sich dabei gegenseitig und unterstützen Sie optimal bei Ihrem Regenerationsprozess.

Alles über Hashimoto, Symptome, Diagnose, Behandlung und Ernährung finden Sie hier (Hashimoto Thyreoiditis). Eine Kurzfassung finden Sie hier: Was ist Hashimoto?

Lese Sie auch mehr zu Hashimoto Behandlung, zur Hashimoto Diagnose zu den Hashimoto Ursachen.

Bücherverzeichnis

Quellenverzeichnis
  1. Fernandes, G. (1994): Dietary lipids and risk of autoimmune disease. In: Clinical immunology and immunopathology 72 (2), S. 193–197.
  2. Fernandes, Gabriel; Bhattacharya, Arunabh; Rahman, Mizanur; Zaman, Khaliquz; Banu, Jameela (2008): Effects of n-3 fatty acids on autoimmunity and osteoporosis. In: Frontiers in bioscience : a journal and virtual library 13, S. 4015–4020.
  3. Kong, Weimin; Yen, Jui-Hung; Ganea, Doina (2011): Docosahexaenoic acid prevents dendritic cell maturation, inhibits antigen-specific Th1/Th17 differentiation and suppresses experimental autoimmune encephalomyelitis. In: Brain, behavior, and immunity 25 (5), S. 872–882. DOI: 10.1016/j.bbi.2010.09.012.
  4. Reiners, Christoph; Wegscheider, Karl; Schicha, Harald; Theissen, Peter; Vaupel, Renate; Wrbitzky, Renate; Schumm-Draeger, Petra-Maria (2004): Prevalence of thyroid disorders in the working population of Germany: ultrasonography screening in 96,278 unselected employees. In: Thyroid : official journal of the American Thyroid Association 14 (11), S. 926–932. DOI: 10.1089/thy.2004.14.926.
  5. Gartner, Roland (2016): Recent data on iodine intake in Germany and Europe. In: Journal of trace elements in medicine and biology : organ of the Society for Minerals and Trace Elements (GMS) 37, S. 85–89. DOI: 10.1016/j.jtemb.2016.06.012.
  6. Gartner, R.; Bechtner, G.; Rafferzeder, M.; Greil, W. (1997): Comparison of urinary iodine excretion and thyroid volume in students with or without constant iodized salt intake. In: Experimental and clinical endocrinology & diabetes : official journal, German Society of Endocrinology [and] German Diabetes Association 105 Suppl 4, S. 43–45. DOI: 10.1055/s-0029-1211931.
  7. Lehmann, Petra; Rank, Petra; Hallfeldt, Klaus L. J.; Krebs, Bjarne; Gartner, Roland (2006): Dose-related influence of sodium selenite on apoptosis in human thyroid follicles in vitro induced by iodine, EGF, TGF-beta, and H2O2. In: Biological trace element research 112 (2), S. 119–130. DOI: 10.1385/BTER:112:2:119.
  8. Luo, Juhua; Hendryx, Michael; Dinh, Paul; He, Ka (2017): Association of Iodine and Iron with Thyroid Function. In: Biological trace element research 179 (1), S. 38–44. DOI: 10.1007/s12011-017-0954-x.
  9. Palaniappan, Srinivasan; Shanmughavelu, Lakshmi; Prasad, Hemchand K.; Subramaniam, Sundari; Krishnamoorthy, Nedunchezian; Lakkappa, Lakshmi (2017): Improving iodine nutritional status and increasing prevalence of autoimmune thyroiditis in children. In: Indian journal of endocrinology and metabolism 21 (1), S. 85–89. DOI: 10.4103/2230-8210.195996.
  10. Xu, Jian; Liu, Xiao-Li; Yang, Xue-Feng; Guo, Huai-Lan; Zhao, Li-Na; Sun, Xiu-Fa (2011): Supplemental selenium alleviates the toxic effects of excessive iodine on thyroid. In: Biological trace element research 141 (1-3), S. 110–118. DOI: 10.1007/s12011-010-8728-8.
  11. Carvalho, Denise P.; Dupuy, Corinne (2017): Thyroid hormone biosynthesis and release. In: Molecular and cellular endocrinology 458, S. 6–15. DOI: 10.1016/j.mce.2017.01.038.
  12. Williams, Graham R.; Bassett, J. H. Duncan (2011): Deiodinases: the balance of thyroid hormone: local control of thyroid hormone action: role of type 2 deiodinase. In: The Journal of endocrinology 209 (3), S. 261–272. DOI: 10.1530/JOE-10-0448
  13. Mansourian, A. R. (2011): Metabolic pathways of tetraidothyronine and triidothyronine production by thyroid gland: a review of articles. In: Pakistan journal of biological sciences : PJBS 14 (1), S. 1–12.
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Martin ist studierter Biochemiker und molekularer Biotechnologe (M.Sc., Technische Universität München) und arbeitete in der klinischen Forschung (Universitätsklinikum Erlangen) beschäftigt an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Martin möchte schwere biologische oder medizinische Themen einfach und verständlich beschreiben und Betroffenen so die Mittel an die Hand geben, wieder mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen. Weitere Beiträge von ihm sind auf den Portalen Primal-State, Edubily, MyProtein, Fairment, Paleolifestyle und SchnellEinfachGesund zu finden.

25 KOMMENTARE

  1. Hey, danke für diesen Artikel! Mir fehlt nur die Erklärung, wieso du hier zu 400 Einheiten Selen rätst. Ich würde gerne von 200 auf 400 erhöhen, informiere mich gerade, ob das eine gute Idee ist.

    Liebe Grüße

    • Hallo,
      Die Erhöhung auf 400mcg Selen sind mit keinerlei Nebenwirkungen oder Risiken verbunden. In der Praxis sehen wir häufig, dass 200mcg nicht immer ausreichen, da Betroffene teilweise seit Jahren unter Selenmangel leiden und dieser zunächst beseitigt werden muss. Dies ist mit 400mcg Selen sehr viel einfacher und schneller als mit 200mcg.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

    • Hallo Herr Dr. Noack,
      Natriumjodid ist auch in Ordnung, werde das gleich mit in den Beitrag aufnehmen. Wir haben gemerkt, dass die meisten Ärzte und Apotheken nur über Kaliumjodid bescheid wissen, deswegen haben wir uns hier nur über diese Form geäußert.
      Danke und viele Grüße,
      Martin Auerswald

  2. Moin Moin und vielen Dank für die ganzen Infos. Ich habe mich gefragt, ob bei einer Hashimoto auch Vorsicht beim Besuch einer Jod-Sole-Therme geboten ist, aber da leider im Netz so nichts zu gefunden. Hast Du da eine Meinung zu?

    • Eine ausgezeichnete Frage! Man kann leider immer noch nicht einschätzen, wieviel die Haut effektiv aufnimmt. Außerdem ist die Reaktion auf Jod bei Hashimoto sehr individuell. Ich würde sagen, 10 Minuten in einem Jod-Selen-Becken sind in Ordnung, wenn Sie nicht in einem aktiven Schub sind, die Entzündungswerte in Ordnung sind, und Ihr Körper über genügend Antioxidantien verfügt (gesunde Ernährung).
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  3. Ein sehr aufklärender Bericht über Hashimoto-Thyreoiditis, habe in Moment wieder ein Schub , mit Glieder schmerzen , Depressionen , die Krankheit ist nicht schön , sie haben aufgelistet was gemacht werden muss , also blutabnahme , zu welchen Arzt sollte man gehen ???ich gehe mit der Sache immer zum Radiologe für Schilddrüse , aber leider nehmen die bestimmte Werte nicht ab , ich wäre dankbar um ein Rat , denn es ist nicht leicht ein guten doc zu finden .

    • Hallo Frau Zubayko,
      Wir empfehlen, sich damit an einen Internisten, funktionellen Mediziner, Orthomolekularmediziner oder Endokrinologen zu wenden. Ihr Hausarzt kann Sie auf Ihren Wunsch hin an Spezialisten (Internisten und Endokrinologen) überweisen, wenn Sie dort so keinen Termin bekommen.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  4. Hallo sehr geehrter Herr Auerswald, das ist ein prima Artikel !! Danke! Ich habe eine Patientin mit Hashimoto und der Fragestellung ob fluoridhaltige Zahnpasten oder eine Fluoridierung im Zusammenhang mit der Erkrankung negativ sein können ??!!
    Danke für die Antwort ! Lieben Gruß von
    Helmuth Althoff.

    • Hallo Herr Althoff,
      Vielen Dank für das Feedback! Ja, diese können sich negativ auswirken, besonders, da Fluorid die Aufnahme von Jod behindert. Besonders bei Hashimoto ist eine Vermeidung fluoridhaltiger Alltagsprodukte empfehlenswert, zumal es gute Alternativen gibt.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  5. Sehr geehrter Herr Auerswald, vielen Dank für Ihren Artikel! Hashimoto ist wirklich ein großes Problem auch in meinem Leben. Nichts geändert bei mir mit L-Thyroxin 50, nur Gewichtszunahme und schlechtes Gesundheitszustand.
    Anti TPO (MAT) – 915,3
    FT4- 15,03; TSH- 11,026; VITAMIN D3(25-OH)- 23,4.
    Welcher Meinung sind Sie von Thyronajod 25 für mich?
    Vielen Dank im Voraus!

    • Hallo Frau Marschner,
      Thyronajod würde ich bei Hashimoto nur empfehlen, wenn Sie Jod in Nahrungsmitteln in geringen Mengen vertragen. Da Ihr Hashimoto aktuell sehr aktiv ist, wäre das wichtig zu wissen. Haben Sie mit dem Arzt über eine Erhöhung Ihrer Thyroxin-Dosis und einer zusätzlichen Selen-Ergänzung gesprochen? Selen können Sie auch privat ergänzen, oder über Nahrungsmittel wie Paranüsse zuführen. In der Regel führt dies zu einer Erhöhung des aktiven fT3.
      Ich kann Ihnen zudem unsere weiteren Beiträge über Hashimoto und Ernährung bei Hashimoto sehr empfehlen, vielleicht ist da für Sie die ein oder andere wichtige Information enthalten.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  6. Hallo Herr Auerswald,
    auch von mir ein Dankeschön für Ihre Informationen und die ausführliche Darstellung. Ich wende mich an Sie als Allgemeinmediziner, der immer häufiger mit Hashimoto Thyreoiditis konfrontiert ist. Sie beschreiben eine Vielzahl von Ursachen, ich wäre Ihnen dankbar für eine Antwort zu zwei Fragen. Zunächst meine Meinung zu Frau Marschner´s Laborwerten. Die Normwerte sind dabei nicht angegeben, aber bei diesem TSH gehe ich von einer manifesten Hypothyreose aus und falls sie die 50yg L- Thyroxin nicht erst seit seit ein paar Wochen nimmt, ist es kein Wunder wenn sie zunimmt und die Doiss sollte erhöht werden, bis der TSH Wert zwischen 0,8 und 1,5 liegt. Thyronajod wegen der bekannten Jodproblematik, die sie beschreiben auf keinen Fall. Aber zu meinen eigentlichen Fragen. Selengabe wird von einigen Medizinern propagiert, von anderen, auch Endokrinologen mit Hinweis auf fehlende Studien, bzw.auf Studien, die keinen Effekt auf die Entzündungsaktivität bei Hashimoto belegen(anhand der TPO-AK Aktivität gemessen) abgelehnt. Zusätzlich wird auf eine, nicht sehr aussagekräftige, Studie verwiesen, die angeblich eine Erhöhung des Diabetesrisikos bei Selengabe beschreibt. Gibt es seriöse Daten, die eine Verbesserung durch Selen belegen. Für Hinweise darauf wäre ich sehr dankbar, da ich schon etwas verzweifelt bin und nicht weiss, was ich meinen Patienten gute Gewissens raten kann. Ausserdem war ich, selbst einige Jahre in einer endokrinologischen Klinik tätig, bislang der Meinung, das eine L -Thyroxingabe, auch bei „normalem“ TSH Wert, d.h. bei Werten, die man sonst nicht behandeln würde, die Entzündungsaktivität bei Hashimoto senkt. Aber auch dies wird von den meisten Endokrinologen und Nuklearmedizinern abgelehnt. Erst wenn die Frauen schwanger werden wollen , wird L- Thyroxin verabreicht. Haben Sie Kenntnis von Daten oder Studien, die sich dieser Fragestellung annehmen? Danke schon mal vorab
    Dr. Ralf Bürger, Allgemeinmedizin

    • Hallo Herr Dr. Bürger,
      Vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre offene Haltung.
      Ich stimme zu, dass das L-Thyroxin erhöht werden sollte und ein TSH-Wert von <2 ein gutes Ziel darstellt. Zu Selen im Allgemeinen: Bedenken Sie bitte, dass L-Thyroxin (fT4) in aktives fT3 umgewandelt werden muss, dafür ist Selen nötig (Dejodinase). Über negative Feedback-Regulierung senkt ein höheres fT3 dann TSH. Außerdem erhöht Selen die Bildung antioxidativer Enzyme (GPO, Katalase) und "puffert" den oxidativen Stress infolge der Jodaufnahme in die Schliddrüse ab. Diese Effekte durch Selen können die Entzündungsreaktion in der Schilddrüse reduzieren (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19707359). Soweit die Theorie.
      In der Praxis ist eine Erhöhung des Diabetes-Risiko’s nach Selengabe nur in einzelnen Fällen, bei ausschließlich männlichen Personen, bei einem schon vor der Gabe erhöhten Selenspiegel beobachtet worden (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26861388). Bei Frauen wurde dies noch nicht beobachtet. Um sicherzugehen, können Sie vorher den Serum-Selenspiegel nachmessen, ob er nicht schon über dem Referenzbereich liegt.
      In Studien konnte bei Patienten mit Hashimoto oder Anti-TPO-Antikörpern schon oft gezeigt werden, dass die Selengabe (200 mcg) zu einer Reduktion des Entzündungsgeschehens, einer Reduktion der Autoantikörper, und zu einer Erhöhung von fT3 führt. Ich hänge Ihnen ein paar Studien an: (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17284630 ; https://www.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/thy.2007.0040 ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20517655 ; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11932302).
      Ich selbst bin kein Arzt und darf keine Behandlungen empfehlen. Aber die Studienlage und die Erfahrung zeigen, dass die Selengabe bei Hashimoto-Patienten mit normalem oder erniedrigten Selen-Serumlevel risikofrei ist und in den meisten Fällen mit einer Verbesserung verbunden ist. Geringes Risiko, aber viel Potenzial.
      Ich hoffe, das beantwortet Ihre Fragen.

      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  7. Guten Tag,
    ich habe Hashimoto nehme 150ug L-Thyroxin und das Thema Kinderwunsch steht nun im Raum. In der Literatur habe ich Unterschiedliche Angaben/Empfehlungen zur vorsorglichen Steigerung der Dosis bzw. der Einnahme von Mikronährstoffen/Vitaminen gefunden. Mein Nuklearmediziner liefert außer der Blutabnahme leider keine Beratung. Haben Sie zu diesem Thema eine Empfehlung?
    Vielen Dank schonmal

    • Hallo und danke für Ihre Frage,
      wir empfehlen, die Kinderplanung in einer weniger aktiven Phase zu beginnen, was an den Antikörpern, TSH und fT3 überwacht werden kann. Die Werte sollten für die gesamte Schwangerschaft engmaschig (alle 4 Wochen) überprüft werden, um gegebenenfalls die Dosis anzupassen. Erfahrungsgemäß steigt der Bedarf an Thyroxin in der Schwangerschaft. Vor der Schwangerschaft ist es ebenso empfehlenswert, den Körper mit wichtigen Nährstoffen (Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin A, Jod falls vertragen, Selen) zu versorgen.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  8. Sehr geehrter Herr Auerswald, herzlichen Dank für Ihre fundierte und freundliche Antwort. Ich werde mich der von Ihnen angegebenen Literatur widmen. Ich persönlich würde auch Selen nehmen. Es wird wohl noch ein bißchen dauern, ehe dies medizinisches Allgemeingut ist.
    mit freundlichem Gruss
    Ralf Bürger

  9. Hallo,

    ich hatte ein merkwürdige Reaktion. Ich habe eine Schilddrüsen Unterfunktion die auch auf Hashi diagnostiziert wurde und habe am Sonntag 200 mcg Selen und ca. 30 mcg Kelp Algen genommen. Am Montag ging es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Montag habe ich trotzdem ausgesetzt.
    Am Dienstag habe ich NUR 200 mcg Selen und keine Kelp Algen genommen und hatte einen echten Horrortrip hinter mir. Schwindel, Herzrasen, Kreislauf, Panik… Würde ich in Richtung Überfunktion einordnen. Begann 2h nach Einnahme, war am Folgetag noch schlimmer.

    Ist das eine Reaktion auf Selen oder kann die Wirkung von Jod zeitverzögert kommen? Ich habe extra die 100 mcg Kelp Kapsel gedrittelt, um vorsichtig zu beginnen. Was mich an der Situation verwirrt, ist das vorangegangene Wohlbefinden, dass ich seit Jahren nicht mehr hatte. Mein Hausarzt meinte, ich sollte einfach beides weglassen und nur Thyroxin nehmen.

    Vielen Dank für eine Einschätzung!

    Stefan

    • Hallo und danke für Ihren Kommentar,
      Es wäre sicher die einfachste und sicherste Lösung, beides wegzulassen und nur Thyroxin zu nehmen. Aber nicht die nachhaltigste.
      Die Reaktion könnte vom Jod kommen, jedoch zeitversetzt, ja. Oder ein Hashimoto Schub mit Symptomen einer Überfunktion zufällig in diesem Zeitfenster.
      Versuchen Sie zunächst, mit 100mcg Selen täglich zu starten und Ihre Reaktion zu beobachten – wie Ihr Körper damit umgeht und ob es wieder zu den Symptomen kommt. Nach einer Woche können Sie testweise eine Mini-Dosis Kelp einbauen (maximal 50mcg Jod enthalten) und beobachten. Wenn es wieder zum Schub kommt, wissen Sie bescheid. Allein vom Selen ist so eine Reaktion selten, Selen ist bei Hashimoto eines der sichersten Ergänzungen.
      Erwägen Sie zusätzlich, wie im Beitrag beschrieben zusätzlich Antioxidantien einzunehmen, um die Pufferkapazität Ihrer Schilddrüse zu stärken.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  10. Danke für den informativen Artikel!
    zwei Dinge sind mir aber negativ aufgestoßen: 1. Milchprodukte sind nicht zu empfehlen! 2. statt L-thyroxin lieber zu Novothyral oder Ndt greifen, da es Viele nicht verstoffwechseln können!

  11. Hallo Herr Auerswald, ich habe von einem Homöopathen gesagt bekommen, dass ich mit Amalgamfüllungen auf keinen Fall Selen einnehmen darf, sondern erst nach deren Entfernung. Was sagen Sie zu dieser Aussage. Trau mich jetzt kein Selen nehmen.
    Herzlichen Dank für Ihre Antwort

    • Hallo,
      Danke für die sehr gute Frage. Bei zeitgleicher Einnahme von Selen und Vitamin C (beides hochdosiert) kann sich Quecksilber aus den Amalgamfüllungen ins Gehirn einlagern. Zeitgleich ist Selen nötig, um Quecksilber zu entgiften und aus dem Körper zu schleusen.
      Die Lösung für das Dilemma ist, die Amalgamfüllungen zeitnah entfernen zu lassen, bevor Nahrungsergänzungen eingenommen werden, um den Körper nicht noch weiter mit Schwermetallen zu belasten.
      Sollte das nicht möglich sein, kann Selen immer noch gering dosiert (100-200 µg täglich, „Tagesbedarf“) eingenommen werden, um die Schilddrüse zu unterstützen.
      Viele Grüße,
      Martin Auerswald

  12. Sehr geehrter Herr Auerswald, ich bin begeistert von Ihrem Artikel. Ich bin 66 Jahre und bei mir wurde zufällig eine Hashimoto Thyreoiditis festgestellt, desweiteren viele kalte und zwei heiße Knoten. Ich habe keine Beschwerden und laut Befund muß ich noch kein Schilddrüsen Medikament einnehmen, da laut Bericht die Hirnanhangdrüse gegensteuert. Laut meinem Arzt soll ich auf Jod verzichten. Nun soll ich aber ins Szintigramm, um die Knoten abzuklären. Wird dieses nicht mit Jod gemacht und ist das dann gefährlich? Ich bin hin und her gerissen.

    Mit freundlichen Grüßen Esther Hildebrandt

    • Hallo Frau Hildebrandt,
      Vielen Dank für Ihren netten Kommentar!
      Die verwendeten Jod-Mengen sind wichtig für die Diagnose und führen erfahrungsgemäß nicht zu einer Schädigung der Schilddrüse.
      Viel Erfolg und viele Grüße,
      Martin Auerswald

  13. Blondesgift
    Hallo, super Artikel.
    Bei mir wurde 2007 Hashimoto festgestellt. Seit 2009 nehme ich LT. Mittlerweile 68 Lt. Ich teile immer. So geht es mir gut, aber ich bekomme immer wieder Heißhunger auf Fisch, Eier und Butter und leide danach immer unter verstärktem Haarausfall. Ich nehme auch unregelmäßig Selen, Zink und Eisen. Die Hashimoto trat auf, nach viel Stress und täglichem Genuss von einem halben Liter Sojamilch über mindestens 2 Jahre.
    Ich habe schon überlegt, ob die SD mehr Jod braucht und weniger LT ?
    Danke.

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