Intermittierendes Fasten: Heilmittel oder Humbug?

Intermittierendes Fasten heißt das neue Zauberwort, das müheloses Abnehmen ermöglichen soll. Doch diese Art des Fastens birgt auch Chancen für Menschen, die an Autoimmunerkrankungen leiden. Sie glauben, der freiwillige Verzicht auf Nahrung lässt nur Ihren Magen knurren? Tatsächlich löst Fasten im Körper Mechanismen aus, die Selbstheilungskräfte unterstützen. Informieren Sie sich hier umfassend über intermittierendes Fasten.

Intermittierendes Fasten Heilmittel oder Humbug

Zuletzt aktualisiert am 4. Mai 2019 um 14:30

Was ist intermittierendes Fasten?

Intermittierendes Fasten (engl. „unterbrochenes Fasten“) beschreibt Teilzeit-Fasten. Statt wie während einer Fastenkur tagelang komplett auf Nahrung zu verzichten, legen Sie kurze Fastenperioden ein. Beim intermittierenden Fasten, auch als Intervallfasten bekannt, handelt es sich also im Prinzip um einen Essrhythmus. Sie verzichten während bestimmter Tagesphasen völlig auf Nahrung und essen ansonsten wie gewohnt, allerdings in einem kürzeren Zeitfenster.

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Wie funktioniert intermittierendes Fasten?

Wichtige Grundlage – Die Phasen der Verdauung

Wenn wir essen, beschäftigen wir unseren Körper mit Verdauung. Speichel lässt zerkaute Nahrung die Speiseröhre hinunterrutschen. Im Magen bleibt der Speisebrei je nach Mahlzeit 2 bis 8 Stunden. Anschließend geht es rund neun Stunden lang durch den Dünndarm, welcher bei Erwachsenen 8-10 Meter lang ist. Bis der Dickdarm eine Mahlzeit ausscheidet, vergehen weitere 25 bis 30 Stunden – bei Verstopfung kann sich diese Periode auf mehrere Tage ausdehnen.

Unterschätzte Verschnaufpause – Fasten

Fasten dagegen wirkt wie eine Verschnaufpause für den Verdauungstrakt und den gesamten Körper. Er muss sich nicht mehr mit dem Aufspalten von Ölen, Kohlenhydraten und Eiweiß befassen, sondern kann sich anderen Aufgaben zuwenden.

Noch immer ist die Meinung weit verbreitet, dass wir ohne Essen keine Leistung bringen. Tatsächlich scheint das Gegenteil der Fall zu sein, wie eine 2018 veröffentlichte Studie[1]1 des Laboratoriums für Neurowissenschaften am National Institute of Ageing in Baltimore zeigt. Demnach fördert intermittierendes Fasten die Ausdauer und kann Risikofaktoren für Krankheiten wie Typ 1 Diabetes verringern.

Intermittierendes Fasten führt ebenfalls dazu, dass der Körper entzündungsfördernde Zytokine[2]2 abbauen kann. Diese Signalmoleküle fördern Entzündungen im Körper. Bei Patienten mit Autoimmunhepatitis, multipler Sklerose und Colitis ulcerosa werden in der Regel erhöhte Mengen an entzündungsfördernden Zytokinen festgestellt.

Wichtig: Vor jeder Form des Fastens sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt sprechen.

Was bringt intermittierendes Fasten?

Ein Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit erklärt die heilsame Wirkung des Fastens. Unsere Vorfahren konnten nicht bequem im Supermarkt einkaufen. Wenn sie ein Tier erlegten, verzehrten sie so viel wie möglich.

Bis zur nächsten Mahlzeit mussten sie anschließend längere Zeit, manchmal mehrere Tage, warten. Der Körper musste auch in dieser Phase Energie bereitstellen, um weitere Nahrung er-jagen oder er-sammeln zu können.

Unter diesem Blickwinkel erscheint es logisch, dass Fasten im menschlichen Körper quasi einprogrammiert hat. Verantwortlich für die positiven Auswirkungen des intermittierenden Fastens auf die Gesundheit sind in erster Linie zwei komplexe Prozesse:

Autophagie: Interne Müllabfuhr

Der Begriff Autophagie bezeichnet den Umstand, dass Zellen nach einer gewissen Zeit des Fastens Abbauprodukte und Teile von sich selbst verdauen und zur Energiegewinnung nutzen. Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi erhielt für seine Arbeit [3]3 über die molekularen Mechanismen von Autophagie im Jahr 2016 den Nobelpreis für Medizin. Dieser Prozess setzt in der Regel nach 12 Stunden ohne Nahrungsaufnahme ein und erreicht nach zwei bis drei Tagen seinen Höhepunkt.

Makrophagen: Autophagie-Spezialisten

Autophagie findet normalerweise in den Zellen statt. Dort baut die Zelle beschädigte Zellbestandteile ab und wandelt sie in neue Bausteine wie Aminosäuren um. Es gibt aber auch Autophagie-Spezialisten: Makrophagen, wichtige Fresszellen des Immunsystems, erledigen tote Zellen, Krankheitserreger und andere Substanzen, die den Körper schädigen können. Intermittierendes Fasten und daraus resultierende Autophagie erreicht sogar das Gehirn[4]4 und reinigt sozusagen die Neuronen.

Autophagie: Schlüssel für Autoimmunerkrankungen

Mittlerweile untersuchen Forscher auf der ganzen Welt, welchen Einfluss Autophagie auf Autoimmunerkrankungen hat. Chinesische Wissenschaftler fassten in einer Meta-Studie[5]5 im Jahr 2018 das aktuelle Wissen über Autophagie zusammen und kamen zu dem Schluss, dass gestörte Autophagie zahlreiche Autoimmunerkrankungen begünstigen kann, zum Beispiel Lupus Erythematodes, Schuppenflechte (Psoriasis), multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis. Intermittierendes Fasten dagegen kann durch verstärkte Autophagie[6]6 Entzündungen im Körper reduzieren.

Ketogenese: Energie aus Fettzellen

Ketogenese, auch als Ketose bekannt, bezeichnet eine Art des Stoffwechsels im Körper: Wenn die Zucker-Reserven aus Leber und Muskeln aufgebraucht sind, was nach einem typischen Tag Fasten geschieht, wandelt die Leber Fette in Ketonkörper um. Diese Ketonkörper sind die Zuckeralternative für das sehr energiehungrige Gehirn und das Herz.

Flexible Ketonkörper

Ketonkörper sind wasserlöslich. Das bedeutet, sie können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das Gehirn rasch mit Energie versorgen. Das wirkt sich in der Regel positiv auf die Erinnerung- und Lernfähigkeit[7]7 aus. Auch Muskeln freuen sich über diese Art der Energie, die sie rasch in Bewegung umsetzen. Beim intermittierenden Fasten setzt dabei eine Art Gewöhnungseffekt ein: Sie trainieren Ihren Körper quasi darauf, in die Ketogenese umzuschalten.

Einfaches Abnehmen

Ketogenese ist der Prozess, der bei der ketogenen Ernährung für das schnelle Abnehmen mitverantwortlich ist. Bei dieser Ernährungsform erreichen Sie die Umschaltung in die Ketogenese durch den fast kompletten Verzicht auf Kohlenhydrate und den Verzehr von reichlich Fett und moderat Eiweiß. Das kann zur Folge haben, dass Sie nicht genügend Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen. Beim intermittierenden Fasten jedoch können Sie alles essen – auch Gemüse, Obst und Kohlenhydrate aller Art.

Wie lange dauert intermittierendes Fasten?

Beim intermittierenden Fasten haben sich verschiedene Fasten-Intervalle eingebürgert. Welche Art des intermittierenden Fastens für Sie die beste Methode ist, sollten Sie am besten selbst ausprobieren. Wichtig ist, dass Sie auf jeden Fall mindestens 12 Stunden lang nichts essen. Das ist die Mindestzeit, um die Autophagie und Ketogenese anzukurbeln. Im Prinzip haben Sie beim Intervallfasten die Wahl zwischen stundenweisem Nahrungsverzicht oder das Abwechseln von wenigen Fastentagen mit normalen Tagen.

Das 16:8 Fasten

Bei diesem Intervallfasten essen Sie 16 Stunden lang gar nichts. Während der restlichen 8 Stunden können Sie sich normal ernähren. Diese Methode lässt sich besonders leicht in den Alltag integrieren und ist ideal für Fasten-Einsteiger. Sie können beispielsweise das Frühstück ausfallen lassen und früh zu Abend essen. Wenn für Sie das Frühstück ohnehin nicht so wichtig ist, werden Sie beim 16:8-Fasten kaum einen Verzicht merken. Beispielsweise können Sie die erste Mahlzeit als Brunch um 11 Uhr morgens einnehmen und das Abendbrot auf 19 Uhr verschieben. Oder Sie fangen mit einem Mittagessen um 12 Uhr an und gönnen sich die letzte Mahlzeit um 20 Uhr. Oder Sie können ausgiebig frühstücken und sich ein ordentliches Mittagessen gönnen und dafür das Abendessen ausfallen lassen.

Ist das Frühstück wirklich so wichtig?

Über Jahrzehnte hinweg haben Ernährungswissenschaftler auf der ganzen Welt gepredigt, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit. Die US-amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Adelle Davis prägte in den 60er Jahren folgende Phrase: „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Prinz und Abendessen wie ein Bettler.“ Dieser Satz galt Jahrzehnte lang als unumstößliche Wahrheit. Mittlerweile gibt es jedoch eine Kehrtwende. Eine 2014 veröffentlichte Studie[8]8 von englischen Wissenschaftlern stellt dies infrage: Die innere, biologische Uhr[9]9 spielt demnach beim Frühstücken offensichtlich eine wichtige Rolle. Während manche Menschen ihr Frühstück wirklich brauchen, um gut zu funktionieren, können andere gut und gerne auf ihr Frühstück verzichten.

Wie viele Mahlzeiten bei 16:8?

Die Anzahl der Mahlzeiten bei dieser Art des Fastens hängt von Ihnen ab. Sie können zwei oder drei Mal essen und sich dazwischen auch Snacks gönnen. Wichtig ist nur, dass Sie die Länge der Fastenphasen einhalten. Nur durch den zeitweisen Verzicht auf Nahrung bringen Sie Autophagie und Ketogenese in Ihrem Körper in Schwung. Natürlich sollten Sie beim Essen das Maß halten und nicht über die Stränge schlagen. Wenn Sie zu viele Kalorien verzehren, können Sie auch mit intermittierendem Fasten zunehmen.

Das 5:2 Fasten

Diese Art des intermittierenden Fastens erfordert weitaus mehr Disziplin als die 16:8-Variante. Hier wechseln sich zwei Fastentage mit fünf Tagen ab, an denen Sie normal essen können. Diese Methode bietet sich an, wenn Sie in relativ kurzer Zeit viel Gewicht verlieren wollen. Während der beiden Fastentage können Sie zwischen einem Pfund und einem Kilogramm Fett dauerhaft verlieren. Wichtig ist dabei, die Intervalle konsequent einzuhalten.

Während der Fastentage müssen Sie nicht komplett auf Kalorien verzichten. Für Frauen sind 500 Kalorien und für Männer 600 Kalorien erlaubt. Es empfiehlt sich, diese Kalorien als mageres Eiweiß oder Gemüse sowie Obst mit geringem Zuckeranteil zu verzehren. Auf Zucker und einfache Kohlenhydrate wie weißes Mehl sollten Sie besser verzichten. Sie lassen den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen und anschließend wieder absinken. Das führt dazu, dass Sie nach einer süßen Mahlzeit rasch wieder Hunger verspüren.

Weitere Varianten des intermittierenden Fastens

Mittlerweile haben sich zahlreiche Varianten des intermittierenden Fastens entwickelt. Willenskraft erfordert das intermittierende Fasten mit dem 20:4-Rhythmus. Bei dieser Version beschränken Sie die Nahrungsaufnahme auf vier Stunden am Tag. Bei 36:12 wechseln Sie Fastentage mit Essenstagen ab. Nach 36 Stunden ohne Essen dürfen Sie 12 Stunden lang verzehren, was Ihr Herz begehrt.

Besonders sanft ist die Methode 12:12, bei der Sie 12 Stunden Fasten mit drei geregelten Mahlzeiten am Tag kombinieren. Wie viel Autophagie und Ketogenese Ihr Körper bei dieser sanften Tour zuwege bringt, ist jedoch fraglich. Falls Abnehmen nicht im Vordergrund steht, können Sie auch den Rhythmus 6:1 ausprobieren. Während eines Fastentags kann Ihr Körper sein Immunsystem stärken und Schlacken ausscheiden. Den Rest der Woche essen Sie normal.

Der Unterschied zwischen Intervallfasten und Heilfasten

Während Fasten den vollständigen Verzicht auf Nahrung bedeutet und seit Jahrtausenden aus religiösen Motiven praktiziert wird, ist beim sogenannten Heilfasten eine geringe Kalorienaufnahme erlaubt. Diese Technik geht auf den 1966 verstorbenen Arzt Dr. Otto Buchinger zurück. Er soll sich damit selbst von rheumatoider Arthritis geheilt haben. Ziel des Heilfastens ist in erster Linie, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Flüssige Nahrung

Heilfasten dauert mindestens eine Woche lang. Auf ein bis drei Einstimmungstage mit leichter Kost folgt eine gründliche Darmreinigung mit Glaubersalz oder Bittersalz. Kalorien nehmen Sie beim Heilfasten in flüssiger Form zu sich, als Gemüsebrühe, Kräutertees sowie als verdünnte Obst- und Gemüsesäfte. Auch etwas Honig ist erlaubt. Manche Ärzte empfehlen auch Molke oder Buttermilch, um den Abbau von Proteinen und Muskelgewebe entgegenzuwirken.

Radikalkur für Körper

Heilfasten wirkt wie eine radikale Kur auf den Körper, der während des Fastens den ganzen Körper regelrecht ausmistet. Wie intermittierendes Fasten auch, so reduziert Heilfasten Entzündungen im Körper. Das lindert Gelenkschmerzen von rheumatoider Arthritis[10]10 und verbessert die Gelenkfunktion. Allerdings belastet Heilfasten die Leber stark. Deshalb gehört zu einer Heilfastenkur ein täglicher, warmer Leberwickel. An die Fastentage schließen sich die Aufbautage an. Dabei wird die Nahrungsaufnahme idealerweise langsam gesteigert. Das soll Stoffwechsel- und Verdauungsfunktionen langsam wieder auf Touren bringen.

Gefahr: Jo-Jo-Effekt

Lange Fastenkuren führen trotz der Aufbautage häufig zu dem sogenannten Jo-Jo-Effekt. Der Stoffwechsel registriert eine Fastenkur oder Diät wie ungewolltes Hungern und verringert den Kalorienbedarf. Nach dem Ende einer Fastenkur zielt er deshalb darauf ab, verlorene Energiereserven wieder aufzufüllen. Meist kehrt das verlorene Gewicht innerhalb weniger Wochen zurück. Wenn man seine Ernährungsgewohnheiten nicht verändert, bleibt eine kurzfristige Diät wirkungslos. Das Resultat: Fasten- und Diätkuren führen häufig langfristig zu einer Gewichtszunahme[11]11.

Problemlos für den Alltag

Intervallfasten dagegen liefert Ihnen die positiven Effekte von Autophagie und Ketogenese – ohne dass sich Ihr Stoffwechsel komplett umstellt. Bei einer Heilfastenkur beanspruchen Sie Ihren Körper so sehr, dass Sie am besten Urlaub nehmen. Intermittierendes Fasten können Sie dagegen problemlos in den Alltag integrieren.

Um das Leben ruhig anzugehen, stellen Ihnen die Ketonkörper reichlich Energie zur Verfügung. Durch den relativ kurzfristigen Verzicht auf Nahrung besteht keine Gefahr, dass der Stoffwechsel den Kalorienbedarf verringert. Der Jo-Jo-Effekt von Diät oder Heilfasten ist somit kein Problem. Auch die Länge des intermittierenden Fastens muss nicht begrenzt werden. Wenn Sie sich gesund ernähren und sich gut fühlen, können Sie Intervallfasten im Prinzip unendlich lange durchführen.

Intermittierendes Fasten: Was darf ich essen?

Fast Food, viele Süßigkeiten und Massen von Weißmehl-Produkten können den Erfolg des intermittierenden Fastens zunichtemachen. Ob Sie die Symptome einer Autoimmunerkrankung lindern oder einfach nur Gewicht abnehmen wollen: Gesunde Ernährung sorgt dafür, dass Ihr Körper seine Funktionen erfüllen kann. Wenn Sie regelmäßig reichlich Obst und Gemüse verzehren, können Sie sich einen gelegentlichen Sündenfall in Form einer Sahnetorte, eines Jumbo-Eisbechers oder einer Schweinshaxe auch beim intermittierenden Fasten erlauben. Es sollte jedoch nicht die Regel sein.

Wertvolle Omega-3-Fettsäuren

Mittlerweile ist die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren[12]12 bei zahlreichen Autoimmunerkrankungen gut wissenschaftlich dokumentiert, unter anderem bei Morbus Crohn, multipler Sklerose und Psoriasis[13]13. Omega-3-Fettsäuren sind besonders flexible Substanzen, die die Reizübertragung an Neuronen fördern – im Gegensatz zu den eher sperrigen Omega-6-Fettsäuren, die bei zahlreichen Stoffwechselprozessen in die Quere kommen. Außerdem bekämpfen Omega-3-Öle Entzündungen im Körper und beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Tierisches versus pflanzliches Omega-3

Manche Ärzte empfehlen die Einnahme von hoch konzentrierten Fischölkapseln, um die heilsame Wirkung von Omega-3 gut zu nutzen. Es hilft aber auch, Lebensmittel reich an Omega-3 regelmäßig zu verzehren. In erster Linie liefert fetter Fisch wie Hering, Makrele und Lachs diese wertvollen Fettsäuren. Aber auch Butter von glücklichen Kühen, die sich von Gras auf der Wiese ernähren, liefert reichlich diese Fette.

Rind- und Lammfleisch von Tieren, die sich von Grünpflanzen ernähren, sind ebenfalls mit Omega-3 angereichert. Der Grund: Chlorophyll bildet die Basis für Omega-3-Fettsäuren. Tiere sind im Gegensatz zum Menschen in der Lage, Omega-3 aus Pflanzen in die Formen umzuwandeln, die der menschliche Körper gut verwerten kann. Leider kann unser Stoffwechsel Omega-3 aus pflanzlichen Quellen wie Leinsamen oder Walnüssen nur zu einem ganz geringen Prozentsatz aufnehmen. Eine akzeptable Lösung für Vegetarier bieten Omega-3-Präparate auf der Basis von Algenöl.

Ballaststoffe und Probiotika für einen glücklichen Darm

Ballaststoffe machen nicht nur lange satt, sie fördern auch die Verdauung. Ihr Volumen regt die Darmmuskeln an und sie ernähren die nützlichen Darmbakterien. Diese erzeugen aus Ballaststoffen Fettsäuren wie Propionsäure und Butyrate[14]14, die Ihre Gesundheit auf vielfältige Weise fördern.

Ja zu fermentierten Lebensmitteln

Probiotika, nützliche Darmbakterien, helfen Ihrer Verdauung ebenfalls. Fermentierte Lebensmittel wie Kombucha, Miso und Sauerkraut liefern nicht nur Milchsäurebakterien, sondern auch Vitamine und Enzyme. Allerdings sollten Sie beim Einkauf darauf achten, dass die Lebensmittel nicht pasteurisiert wurden. Selbst kurzes Erhitzen vernichtet die wichtigen Bakterien.

Direkte Verbindung Darm und Gehirn

Der größte Teil des Immunsystems ist um den Darm herum angesiedelt. Deshalb hat die Darmflora starke Auswirkungen auf jede Autoimmunerkrankung. Außerdem bestehen zwischen Gehirn und Darm direkte Nervenverbindungen. Eine sorgfältige Darmpflege hat also unmittelbare Auswirkungen auf Ihre psychische Verfassung.

Intermittierendes Fasten: Was darf ich trinken?

Intervallfasten hat den großen Vorteil, dass Sie sich nicht einschränken müssen. Sie dürfen im Prinzip alles in Maßen essen und trinken. Natürlich lassen sich große Mengen von Alkohol nicht mit einer gesunden Ernährung vereinbaren. Mit Milch und Getränken auf Milchbasis sollten Sie jedoch vorsichtig sein, wenn Sie an einer Autoimmunerkrankung leiden. 2018 haben US-amerikanische Forscher [15]15 herausgefunden, dass Milch- und Milchprodukte rheumatoide Arthritis auslösen können.

Reichlich trinken

Während der Fastenzeiten sollten Sie darauf achten, genügend zu trinken – allerdings nur Getränke ohne Kalorien wie Kräutertee, Mineralwasser und Kaffee ohne Milch und Zucker. Der Grund: An fast allen Stoffwechselprozessen im Körper ist Wasser beteiligt. Kaffee ist erlaubt, weil er erwiesenermaßen[16]16 die Ketose fördert. Besser ist es jedoch, den Kaffee schwarz zu trinken. Milch und Zucker passen nicht zum Intervallfasten.

Intermittierendes Fasten: Wie schnell kann ich abnehmen?

Diese Frage lässt sich nicht generell beantworten. Wie viel Sie mit intermittierendem Fasten abnehmen, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Wie viel essen Sie?
  • Wie viel Übergewicht haben Sie?
  • Wie sehr bewegen Sie sich?

Wie viele Kalorien Sie zu sich nehmen, bestimmt das Ergebnis am meisten. Haben Sie viel Fett zu verbrennen und bewegen Sie sich rege bei mäßiger Kost, nehmen Sie mit dieser Methode erwiesenermaßen[17]17 relativ schnell ab. Folgende Daumenregel trifft auf die meisten Menschen zu: Wenn Sie täglich rund 1.500 Kalorien essen, können mit einer echten Gewichtsabnahme von einem Pfund bis zu einem Kilogramm pro Woche rechnen. Echt bedeutet in diesem Fall: Ihr Körper verliert nicht nur Wasser, wie das bei manchen Express-Diäten der Fall ist. Stattdessen findet echte Fettverbrennung statt.

Intervallfasten: Wann zum Sport?

Während der Fastenphasen können Sie problemlos Sport betreiben. Fasten und Sport schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich gegenseitig. Nüchtern Sport zu treiben oder ins Fitnessstudio zu gehen, fördert die Fettverbrennung[18]18. Die aktiven Muskeln verbrennen zunächst eingelagertes Glykogen und veranlassen den Körper anschließend dazu, auf Ketogenese umzusteigen.

Intermittierendes Fasten: Wer darf und wer darf nicht?

Da intermittierendes Fasten den Körper weit weniger belastet als eine Fastenkur, gibt es nur wenige Kontraindikationen. Wenn Sie an einer Autoimmunerkrankung leiden, sollten Sie sich behutsam an diese Art des Fastens herantasten und vorher auf jeden Fall mit Ihrem Arzt sprechen. Selbst Menschen mit chronischen Darmerkrankungen wie Leaky Gut Syndrom reagieren häufig positiv auf diese Art des Fastens.

Vorsicht ist nur bei Menschen mit Gallensteinen geboten, da Fastenperioden einen unkontrollierten Abgang mit Komplikationen verursachen können. Im Allgemeinen jedoch wird der regelmäßige Wechsel von kurzen Fastenzeiten mit Mahlzeiten gut vertragen.

Körpergefühl entwickeln

Wenn Sie zum ersten Mal mit dieser Technik experimentieren, empfiehlt sich intensive Selbstbetrachtung. Dabei handelt es sich nicht um narzisstische Nabelschau, sondern um pure Notwendigkeit. Halten Sie Ihre Beobachtungen am besten in einem Tagebuch fest. So können Sie Fortschritte oder Rückschritte genau verfolgen. Es lohnt sich nicht nur beim Fasten, neben der Ärzteschaft in erster Linie auf den eigenen Körper zu hören. Oder um es mit den Worten des israelischen Forschers Mosche Feldenkrais zu sagen: „If you can feel what you do, you can do what you want – wenn Du fühlen kannst, was du machst, kannst du tun, was Du willst.“

Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Haben Sie dazu Erfahrung sammeln können? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Quellenverzeichnis
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  2. 2 Kristin J. Speaker, Madeline M. Paton, Stewart S. Cox, and Monika Fleshner, “A Single Bout of Fasting (24 h) Reduces Basal Cytokine Expression and Minimally Impacts the Sterile Inflammatory Response in the White Adipose Tissue of Normal Weight F344 Rats,” Mediators of Inflammation, vol. 2016, Article ID 1698071, 13 pages, 2016. https://doi.org/10.1155/2016/1698071.
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