Cetirizin – Das bekannteste Antihistaminikum

Der Arzneistoff Cetirizin ist ein H1-Antihistaminikum und damit ein Medikament, welches bei Allergien Anwendung findet. Cetirizin ist vor allem ein präventives Mittel, welches eine allergische Reaktion verhindern soll. Er wird zur Behandlung von Allergien, wie zum Beispiel saisonalem Heuschnupfen oder Nahrungsunverträglichkeiten eingesetzt. Der Wirkstoff kann effektiv allergische Symptome lindern. Erfahren Sie hier alles Wichtige über den Stoff im Überblick.

Cetirizin Hydrochlorid Antiallergikum

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2019 um 12:20

Was passiert bei einer Allergie?

Eine Allergie ist eine Abwehrreaktion des Körpers. Während das Immunsystem in der Regel Stoffe und Erreger bekämpft, die dem Organismus schaden könnten, besteht bei einer Allergie eine Fehlfunktion. Das Immunsystem reagiert empfindlich auf eigentlich harmlose Einflüsse aus der Umwelt. Die bekanntesten Allergien sind beispielsweise Lebensmittelallergien, Pollenallergien oder Tierhaarallergien.

Abzugrenzen ist eine Allergie von einer Lebensmittelunverträglichkeit, wie zum Beispiel Histaminintoleranz oder Laktoseintoleranz. Bei einer Allergie handelt es sich um eine erworbene Überreaktion auf Fremdstoffe. Immunzellen, allen vorran Makrophagen und Mastzellen, reagieren auf die betreffende Substanz und bekämpfen sie. Die Allergie entwickelt sich aus einem wiederholten und intensiven Kontakt zu demselben Fremdstoff (erworbene Allergie).

Antihistaminika/Antiallergika wie Cetirizin werden bei einer Typ I Allergie eingesetzt. Bei diesem Allergietyp wird beim Kontakt mit dem Allergen Histamin freigesetzt, das eine typische Symptomatik hervorruft. Ein Antihistaminikum hemmt die Histaminwirkung an den Histaminrezeptoren, wodurch die Reaktion des Körpers milder ausfällt.

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Übliche allergische Symptome (histaminbedingt) sind:

  • Heuschnupfen (allergische Rhinitis)
  • Laufende Nase
  • Verstopfte Nase
  • Tränende Augen
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit oder Unwohlsein
  • Geschwollenes und gerötetes Gesicht
  • Niesen
  • Klebriger, trockener Mund
  • Juckreiz

Cetirizin – Die Wirkung im Körper

Das Antihistaminikum Cetirizin hemmt die Kommunikation zwischen dem Histamin und den Histaminrezeptoren und die daraus resultierende, typisch-allergische Wirkung. Cetirizin gehört zu den H1-Rezeptorantagonisten der zweiten Generation. Anders, als die Rezeptorantagonisten der ersten Generation, kann der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und ist dadurch ärmer an Nebenwirkungen.

Cetirizin bindet sich an die Histaminrezeptoren und blockiert sie. Ein Histamin ist ein Botenstoff, der vom Körper produziert und bei Bedarf ausgeschüttet wird. Für eine Interaktion muss sich ein Histamin (zum Beispiel Typ H1 Histamin) an einen Rezeptor desselben Typus‘ binden. Das Antihistaminikum bindet sich aber ebenfalls an die H1-Rezeptoren und verhindert damit die Verbindung zwischen dem Histamin und dem Rezeptor.

Wann wird Cetirizin eingesetzt?

Obwohl Cetirizin vor allem als ein antiallergisches Medikament bekannt ist, wird das Präparat auch bei anderen Erkrankungen eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise Neurodermitis, Nesselsucht (Urtikaria), kreisrunder Haarausfall, Quaddeln, Juckreiz und Asthma. Auch eine allergisch bedingte Bindehautentzündung kann mit Cetirizin behandelt werden. [1]

Das Antihistaminikum ist in der Einnahme praktisch, da die Wirkung sehr schnell eintritt und lange anhält. Die rasche Aufnahme verursacht eine deutliche Besserung der Symptome schon nach zehn Minuten und hält rund 24 Stunden im Körper an. Bei einer Einnahme zusammen mit Essen kann die Wirkung verzögert auftreten, die Menge des aufgenommenen Wirkstoffs verändert sich aber nicht. Es wird empfohlen, den Wirkstoff auf nüchternen Magen einzunehmen.

Welche Formen von Cetirizin gibt es?

Am häufigsten wird das Medikament in Form von Tabletten eingenommen. Ebenso kann das Antihistaminikum in flüssiger Form als Tropfen oder als Saft verwendet werden. Es ist ein rezeptfreies Mittel, die übliche Dosierung beträgt 10 mg pro Tag. Bei Kindern wird die Dosierung reduziert, ebenso ist Vorsicht in der Schwangerschaft und bei Nierenerkrankungen geboten.

In Deutschland wird Cetirizin unter folgenden Handelsnamen geführt:

  • Ceterifug
  • Cetiderm
  • CetiLich
  • Ceti-Puren
  • Cetirigamma
  • Reactine
  • Zyrtec

Cetirizin HEXAL, Cetirizin-ratiopharm sowie Cetirizin ADGC gehören zu den bekanntesten, rezeptfrei verkäuflichen Generika.

Ist Cetirizin ungefährlich?

Das Antiallergikum Cetirizin gehört zu den gut verträglichen Medikamenten. Studien zeigten, dass Antihistaminika der zweiten Generation (wie oben beschrieben) eine gleiche Wirkung bei verminderten Nebenwirkungen zeigen. Dennoch ist auch Cetirizin ein Medikament, welches Nebenwirkungen aufweist und überdosiert werden kann [6].

Nebenwirkungen von Cetirizin

Die Antihistaminika der zweiten Generation unterschieden sich von den Vorgängern aus der ersten Generation vor allem dadurch, dass die Blut-Hirn-Schranke nicht überwunden wird. In manchen Fällen (ca. 1 %) kann es dennoch dazu kommen, dass das Antiallergikum die Blut-Hirn-Schranke passiert. Passiert das, kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsschwäche

Bei höheren Dosierungen kann es ebenso zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt kommen. Etwas seltener treten Symptome wie Schlaflosigkeit, Mundtrockenheit und Aggression auf. Selten kann es auch zu Organschädigungen, insbesondere der Leber und der Niere, kommen.

Wechselwirkungen von Cetirizin

Um die Wirkung von dem Antiallergikum nicht zu beeinträchtigen, sollte Alkohol nur in Kleinstmengen konsumiert werden. Die Ärzte raten dazu, gänzlich auf Alkohol zu verzichten. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt, dennoch sollten Sie Ihren Arzt konsultieren, wenn Sie auf eine Dauermedikation angewiesen sind.

Überdosierung mit Cetirizin

Es ist wichtig, die vorgeschriebene Dosis nicht zu überschreiten. Eine Überdosierung mit dem Medikament kann zu Beschwerden führen. Das sind die Symptome einer Überdosierung mit Cetirizin:

  • Geistige Verwirrung
  • Herzrasen, erhöhter Herzschlag
  • Durchfall, Bauschmerzen
  • Schwindel
  • Juckreiz
  • Unruhe
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Erweiterung der Pupillen
  • Zittern
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit
  • Benommenheit
  • Sedierung

Wie Sie merken, sind manche Symptome aufgrund der Überdosis deckungsgleich mit den Symptomen von Nebenwirkungen. Verspüren Sie diese, reden Sie bitte mit Ihrem Arzt darüber, bevor Sie das Medikament weiter einnehmen.

Cetirizin bei Kindern

Auch Kinder ab einem Alter von zwei Jahren können Cetirizin in kleineren Dosen einnehmen. Unter zwei Jahren ist eine Gabe von Cetirizin nicht zugelassen, in Härtefällen werden aber Ausnahmen gemacht und sehr kleine Dosen verabreicht. Dies sollte ausschließlich unter ärztlicher Beobachtung stattfinden.

Alternativen: Kann man Allergien auch natürlich lindern?

Die Natur bietet zahlreiche Möglichkeiten, auf eine sanfte Art und Weise gegen Allergien vorzugehen. Zwar bieten pflanzliche und andere natürliche Mittel nicht die sofort eintretende Wirkung wie Cetirizin oder andere Antihistaminika, können aber nachhaltig dabei helfen, langfristig weniger Symptome zu haben.

Eine gute Darmgesundheit ist Grundlage dafür, dass Allergene nicht unverdaut in den Blutkreislauf gelangen. Darmerkrankungen wie SIBO, Leaky Gut Syndrom, Reizdarmsyndrom und Ungleichgewichte der Darmflora, aber auch Gluten und Alkohol begünstigen strukturelle Schäden in der Darmwand. Dadurch können Allergene im erhöhten Ausmaß in den Blutkreislauf und Allergien auslösen.

Einige Heilpflanzen, wie z. B. Pestwurz, können die Ausschüttung von Histamin im Körper hemmen. Wenn weniger Histamin ausgeschüttet wird, kommt es nicht zu starken allergischen Reaktionen. Schwarzkümmelöl, Vitamin C und Kokosöl lindern ebenfalls die Symptome einer Allergie.

Auch kann verschiedenes Gemüse sowie Obst gegen leichte allergische Reaktionen wie Heuschnupfen helfen. Dazu zählen unter anderem folgende:

Gemüse und Obst mit Vitamin C:

  • Brokkoli
  • Paprika
  • Zitrusfrüchte
  • Sanddorn
  • Holunder

Bewährte Kräuter gegen Allergien:

  • Brennnessel
  • Petersilie
  • Thymian

Grünes Blattgemüse:

  • Spinat
  • Grünkohl
  • Feldsalat

Manuka Honig bei Allergien

Der aus Neuseeland stammende Manuka Honig kann Allergien lindern. Der Honig enthält zahlreiche Vitalstoffe, ätherische Öle und Polyphenole. Es ist ein natürliches Antihistaminikum, welches sowohl gegessen werden kann, als auch auf die Haut aufgetragen [2]. Guter Imkerhonig hat diese Wirkung ebenfalls, jedoch nicht so stark wie Manuka Honig – ist aber auch nicht so teuer.

Die Ernährung bei Allergien

Selbst wenn Sie Cetirizin einnehmen, sollten Sie bei starken Allergien die Ernährung etwas anpassen. Es ist wichtig, Allergene zu meiden und histaminarme Lebensmittel (siehe Histaminintoleranz) zu sich zu nehmen. Achten Sie auf eine hohe Zufuhr von Vitaminen A, C und E und nehmen Sie ausreichend nährstoffreiche Lebensmittel ein.

Das Spurenelement Magnesium spielt bei Allergien eine Rolle. Eine Studie zeigte, dass die Einnahme von 350 mg Magnesium täglich die Symptomatik deutlich lindern konnte und die Patienten nicht mehr so stark auf Medikamente angewiesen waren und um ein Drittel weniger Antiallergika verbraucht haben.

Calcium war im vergangenen Jahrhundert ein wichtiges Mittel gegen allergische Reaktionen. Heute wird das Spurenelement seltener verwendet, hat aber seine Wirksamkeit nicht verloren. Es ist eine sanftere Alternative zu den handelsüblichen Antihistaminika [3].

Omega-3-Fettsäuren leisten bei Allergien eine Abhilfe. Omega-3 ist im fettigen Fisch, im Leinöl und in Walnüssen vorhanden und sollte in die Ernährung eingebaut werden.

CBD bei Allergien

Eine stark hypoallergene, gesundheitsfördernde Wirkung zeigt auch CBD-Öl. Bei CBD handelt es sich um ein Cannabidiol, der aus der Hanfpflanze gewonnen wird. Die Einnahme von CBD-Öl oder anderen Präparaten kann zweierlei wirken. Einerseits lindert CBD durch die entzündungshemmende Funktion die entstehenden Symptome, andererseits ist der Stoff an der Regulation von Histaminausschüttung beteiligt (s. CBD Wirkung).

Fazit

Cetirizin ist ein Medikament, welches temporär bei Allergien eingesetzt werden kann und eine Linderung verschafft. Bitte halten Sie sich unbedingt an die Dosierung und erhöhen Sie nicht die Dosis, wenn die Symptome nicht komplett verschwinden. Nehmen Sie Cetirizin nicht mit Alkohol ein und holen Sie sich einen ärztlichen Rat ein, wenn Sie Nebenwirkungen verspüren.

Achten Sie auf Ihre Ernährung, um den Organismus langfristig zu stärken und die Ausschüttung von Histamin in Grenzen zu halten. Verwenden Sie hochwertige Öle und gesundes Gemüse, um Ihrem Körper zu helfen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Cetirizin? Würden Sie gerne etwas ergänzen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Quellenverzeichnis
  • [1] Benedetti, J (2019): Urticaria (Hives; Wheals) In: MSD Manual Professional Version Feb 2019
  • [2] Saarinen, K.; Jantunen, J.; Haahtela, T. (2011): Birch pollen honey for birch pollen allergy–a randomized controlled pilot study. In: International archives of allergy and immunology 155 (2), S. 160–166. DOI: 10.1159/000319821.
  • [3] Schöpf E., Czech W., Mueller J, Allergiebehandlung mit Calcium? / Fragen aus der Praxis; MMP, 19.Jg, Heft 2, 56
  • [4] Nayak, A. S., W. E. Berger, C. F. LaForce, E. R. Urdaneta, M. K. Patel, K. B. Franklin, and M. M. Wu. „Randomized, Placebo-Controlled Study of Cetirizine and Loratadine in Children with Seasonal Allergic Rhinitis.“ Allergy Asthma Proc 38, no. 3 (May 1 2017): 222-30. https://dx.doi.org/10.2500/aap.2017.38.4050.
  • [5] Rossi, A., D. Campo, M. C. Fortuna, V. Garelli, G. Pranteda, G. De Vita, L. Sorriso-Valvo, D. Di Nunno, and M. Carlesimo. „A Preliminary Study on Topical Cetirizine in the Therapeutic Management of Androgenetic Alopecia.“ J Dermatolog Treat 29, no. 2 (Mar 2018): 149-51. https://dx.doi.org/10.1080/09546634.2017.1341610.
  • [6] Salimi, A., M. Razian, and J. Pourahmad. „Analysis of Toxicity Effects of Buspirone, Cetirizine and Olanzapine on Human Blood Lymphocytes: In Vitro Model.“ Curr Clin Pharmacol 13, no. 2 (2018): 120-27. https://dx.doi.org/10.2174/1574884713666180516112920.
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Anny ist eine examinierte Ergotherapeutin (Staatsexamen Schwerin, 2015) mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Neurophysiologie, Motorik sowie psychosozialen Behandlungsverfahren. Mit dem Einsatz des Therapiehundes begleitete sie in einer interdisziplinären Arbeit unter anderem Klienten mit verschiedensten Autoimmunerkrankungen. Eine empathische und professionelle Kommunikation war die tägliche Herausforderung der Therapeutin. Aus diesem Grund liegt es Anny besonders am Herzen, medizinische Inhalte nicht nur fachlich kompetent, sondern auch verständlich und unkompliziert den Lesern zu vermitteln.

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